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Begebenheiten aus der Uni

Nov21
2005
Kommentieren Geschrieben von tiagra

Heute sollen Andreas und Evren aus Berlin ankommen. Am Wochenende hat Yana schon mit zwei der zuständigen Personen telefoniert und eben war ich noch einmal persönlich im foreign students office, um die Abholung der beiden in die Wege zu leiten. Man verläßt sich da sehr gerne auf Außenstehende wie Yana oder mich, weshalb wir schon im Vorfeld versucht haben das zu organisieren. Heute kam natürlich trotzdem alles ganz anders. Die Uni hat kein Auto und ich soll einfach mit dem Taxi fahren. Vor den Taxipreisen hat mich Yana schon gewarnt, die sind wohl kaum noch mit westeuropäischen Preisen zu vergleichen – erst recht wenn der Fahrer merkt, dass man auch Deutschland kommt. Nach einigen Verhandlungen und der Bemerkung, dass weder Andreas, Even oder ich auch nur ansatzweise genug Geld hätten, wurde die Sache so geregelt: Die Uni bestellt das Taxi, erklärt dem Fahrer was zu tun ist, und wenn wir wieder da sind, dann bezahlt die Uni den Fahrer. Na bitte, geht ja! Ob das nun wirklich so klappt, kann ich jetzt noch nicht sagen, denn wir sind noch gar nicht losgefahren.

Da ich schmal in besagtem Büro war, habe ich auch gleich die Verlängerung meines Visums, der Registration und des Studentenausweises beantragt. Yanas Eltern haben wieder einmal den erforderlichen Stapel Dokumente besorgt… scheint geklappt zu haben, jedenfalls soll ich in 7 bis 10 Tagen meinen Paß wieder abholen – hoffentlich mit Visum.

Zur Zeit warte ich wieder einmal 3 Stunden – bis zur Abfahrt. Glücklicherweise sagt mir das Fallobst noch 5 Stunden Akkulaufzeit voraus, sodass ich wenigstens etwas tun kann. DeviceNet-over-CAN-Bus-Spezifikation lesen zum Beispiel!

Wo ich hier gerade in der Uni rumsitze: Hier hat noch eine alte Tradition überlebt, welche in Deutschland nahezu ausgestorben ist… es gibt ein Uniradio in den Pausen! Soeben tönt die letzte Single von Madonna lautstark über die Flure. Zwischendurch gibt es ein paar Informationen, teilweise auch von offizieller Seite – da kommt dann extra eine wichtige Frau aus der Verwaltung und liest ihren Zettel selbst vor.

Draußen auf der Straße fährt gerade eine lustige Maschine vorbei: Sieht aus wie eine Mähdrescher, ist aber keiner. Mit einer Art Schaber kratzt sie den Schnee aus der Ecke zwischen Bordstein und Straße, um ihn dann mit spinnenartigen Schaufelbewegungen auf ein Förderband zu schippen. Das Förderband führt nach hinten und endet über einem LKW, welcher der Maschine rückwärts fahrend folgt. Damit der LKW-Fahrer nicht so genau fahren muß, hängt zwischen dem LKW und der Kratzschaufelförderbandschneeschippmaschine ein dicker Autoreifen, wo er ab und zu mal gegen fahren kann. Nach einem kurzen Stop fährt die Maschine nun gerade weiter – leider pennt der LKW-Fahrer ein wenig, weshalb jetzt 2m3 Schnee auf die Straße fallen. Die fährt der LKW nun einfach platt, und weiter geht die lustige Fahrt. Wie weit man so pro Tag kommt, ist nur schwer abzuschätzen, in der letzten Viertelstunde haben sie es jedenfalls noch nicht an meinem Fenster vorbeigeschafft. Diese arbeitsplatzvernichtende Effizienz westeuropäischer Staaten ist hier sowieso völlig unbekannt.

Geposted in Moskau, Rußland
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