Sun 25 Dec 2005
Da man am 24.12. in Moskau überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben will, ist das wohl traditionell ein Fest unter den ausländischen Studenten. Wir waren bei ein paar Franzosen zu Besuch und haben dort recht beschaulich das Fest begangen. Einer der Franzosen hat eine Wohnung an der U-Bahnstation “Полянка“, aus welcher man einen herrlichen Ausblick über die Stadt hat. Leider lag auf dem Balkon ein nasser Teppich herum, sodaß man den Rest des Abends unsere Fußspuren in der Wohnung verfolgen konnte…
Steigt man aus der U-Bahn, kommt man zunächst auf einer Art Hof an, welcher ziemlich häßlich ist. 10m weiter dann jedoch eine niedliche Straße, welche dann doch ganz anders aussieht… Das Bild entstand von einem vom Schnee befreiten Mülleimer herab in genau 10 Sekunden:

Parties in Moskau sind meist recht schnell zu Ende, da um 1 die letzte Metro fährt. Alles etwas ungewohnt. Also wurde in aller Eile gekocht und gesoffen – Russen Martini mit Saft, Franzosen Martini pur, Martin Saft. Als dann die russische Nationalhymne und französische Volksmusik erklangen, wußte ich, dass ich zu wenig Alkohol getrunken hatte. Komischerweise stehen Franzosen voll auf französischsprachige Musik – ein Phänomen, welches man beispielsweise in Deutschland gar nicht so beobachten kann. Russen scheinen in dieser Hinsicht recht französisch gestrickt zu sein – was die Sprache anbelangt natürlich auch, aber dazu andermal.
Im Studentenwohnheim wird man als Ausländer ja ständig bewacht, weshalb man also wirklich allerspätestens um 1 zu Hause zu sein hat. Um 11 werden die Fahrstühle abgeschaltet und man muß schonmal in die 14. Etage laufen. Zusätzlich wird dann aber auch ein Gitter im Treppenhaus zugeschlossen, welches Ausländer von Russen trennt. Die Kakerlaken kommen aber trotzdem durch – Ätsch. Kommt man also um 1 nach Hause, trifft man unten um Hausflur schon jemanden, der das ganze Wohnheim bis morgens um 6 zuschließt. Kommt man 5 nach 1, schläft man auf der Straße. Gut, wir sind 7 nach 1 gekommen, und hatten Glück. Ist man wieder im Wohnheim, hat man es als Russe schon geschafft, als Ausländer noch nicht – der schwierigste Teil kommt noch. Man läuft in die 14. Etage und kurz vor dem Ziel knallt man gegen besagtes Gitter. Dort betätigt man eine Klingel, welche die wachhabende Deshurnaja aus dem Bett reißt. Die kommt dann mit der größtmöglichen Hackfresse angetapert und nölt die ca. 10 wartenden Studenten voll, wie spät es denn sei und warum sie erst jetzt kämen. Naja, mittlerweile nehmen wir uns das nicht mehr so zu Herzen und denken uns den Rest. Unter 10 Deshurnajas gibt es übrigens auch eine nette, aber die war zu Weihnachten nicht da, weshalb es natürlich feierliches Gemaule gab.

Im Flur steht dann noch der Duft der fernöstlichen Kochorgien in der Kakerlakenküche, was einen zu schnelleren Schritten in Richtung Zimmer bewegt. Für Blogger beginnen jetzt harte Zeiten, denn man muß noch schreiben – steht man morgens nämlich nach 6 Uhr auf, ist das Internet im Wohnheim schon wieder lahmgelegt und nichts geht mehr bis ca. 20 Uhr.
Gute Nacht.