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Das Schneeschiebespektakel und anderes

Dec26
2005
1 Kommentar Geschrieben von tiagra

Auf vielfachen Wunsch hin, habe ich heute das tägliche Schneesschiebeundschneewegräumspektakel ausführlich dokumentiert. Funktionieren tut das Ganze also so:

  • Zuerst schiebt man mit der entsprechenden Maschine den Schnee in eine Reihe, in die Mitte der Straße. In etwa so:

    snow_1
  • Danach geht man zum Kollegen mit der Einsammel- und Wegräummaschine und stellt gemeinsam fest, dass der Schnee viel zu weit in der Mitte der Straße liegt.

    snow_2
  • Also fährt man die ganze Strecke rückwärts zurück und schiebt den gleichen Schnee noch einmal zurecht, dieses Mal wieder Richtung Bordstein.

    snow_3
  • Gleich darauf schickt man 2 Fußarbeiter auf die Strecke, um den versehentlich auf den Bürgersteig geschobenen Schnee wieder zurück auf die Straße zu schippen. Derweil geht man wieder zum Kollegen Schneeeinsammler um die nächsten Schritte zu beraten.

    snow_4
  • Wie sich jedoch herausstellt, ist der Kollege Schneeeinsammler überhaupt nicht zufrieden, weil man den Schnee in einer Seitestraße um die Kurve geschoben hat. Folglich streitet man sich kurz, hält den Verkehr an, bugsiert die Schneeschiebemaschine in die Seitenstraße, und schiebt den Schnee wieder heraus – in eine Linie.

    snow_5
  • Danach kann endlich der Verkehr wieder angehalten werden, damit der LKW sich rückwärts hinter die Schneesammelmaschine stellen kann.

    snow_6
  • Jetzt kann es endlich losgehen! Im Schritttempo fährt jetzt die Schneesammelmaschine die Straße entgegen der Fahrtrichtung entlang, und der LKW rückwärts hinterher – immer auf die Zeichen der mitlaufenden Kollegen achtend:

    snow_7

Während der ganzen Aktion warten noch 2 leere LKW und 3 Mann zu Fuß auf ihren Einsatz. Für 100m Straße braucht man also folglich: 9 Mann, 3 LKW, eine Schneeschiebemaschine und einen Schneeeinsammler. Das Ganze dauert etwa eine Stunde, was wir nach kurzer Rechnung wohl auf ca. 1 Straßenkilometer pro Tag hochrechnen können. Beschäftigungstherapie vor dem Herrn.

Beschäftigungstherapie gibt’s übrigens auch im Wohnheim: Dort wurden offensichtlich vor 6 Monaten neue Wasserhähne und neue Fliesen etc. verbaut. Leider hatte niemand Lust, sich des teuren Materials anzunehmen, weshalb es auch ein 2-Jähriges Kind hätte an die Wand werfen können. Da die Arbeit mit der Silikonspritze lebensgefährlich anstrengend ist, hat man sich das gleich gespart. So fallen die Fliesen munter von der Wand und das Duschwasser läuft durch alle Ritzen. Jetzt frag ich mich nur noch, was die 3 ständig anwesenden Bauarbeiter die ganze Zeit machen. Saufen hab ich sie jedenfalls noch nie gesehen – wo ist also das Problem? In einem Jahr können sie jedenfalls den ganzen Bau zusammenschieben. Ich bin mir aber sicher, dass man dann noch eine ganz andere Lösung finden wird – wie die aussieht, möchte ich mir jetzt nicht vorstellen.

In der Zwischenzeit habe ich mein Bett einfach um einen Meter verschoben, damit ich nicht dauernd aufwache, weil mir das Duschwasser der 15. Etage auf die Füße tropft. Anstelle des Bettes steht dort jetzt eine Flasche, was gleichzeitig die sowieso zu trockene Luft im Zimmer verbessert. Aus die Maus – es lebe die russische Kultur. Manchmal frage ich mich wirklich, was den ganzen Laden hier am Leben erhält… Traurig wie böse ich heute bin, aber Verschwendung in einem Land wo eigentlich überall Mangel herrscht… Da kriege ich Pickel.

Geposted in Moskau, Rußland
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1 Kommentar

  1. Boltze's Gravatar Boltze
    January 4, 2006 at 8:57:20 pm | Permalink

    Hi gelP,

    danke für diesen Ausführlichen Bericht, hoffentlich bist du bei deiner “Beaobachtungsmission” nicht erfroren ;)

    Grüße

    Christoph

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