Das neue Jahr…
Wieder einmal lassen unvorhergesehene Privatereignisse den Jahreswechsel etwas blaß aussehen, aber so langsam gewöhne ich mich dran.
Andreas und ich waren bei einer Freundin eingeladen, welche alleine mit Mama in einer 2-Zimmer-Plattenbauwohnung lebt. An dieser Stelle ein großen Dankeschön an die beiden – ohne Sie wären wir wohl einfach im Wohnheim geblieben, da es in Moskau keinen Ort gibt, wo ich bis zur Wiederaufnahme des Metro-Betriebes hätte warten wollen… Dort angekommen bewunderte ich zunächst den Kühlschrank, welche an an das 60er-Jahre Streamline-Design erinnerte und wohl auch mindestens so alt war. Der einzige Unterschied zum Original: Es war ein echt russischer Kühlschrank.
Im Bad war der Wasserhahn kaputt und man erklärte uns, dass sie so ca. im Februar vor hätten das Bad zu sanieren, da würde das dann mitgemacht. Bis dahin , Wasseraufdrehen mit Rohrzange oder in die Küche gehen. Schätzungsweise werde ich dort in den nächsten Wochen mal einige Quadratmeter Fliesen auswechseln, eine Pappwand wegreissen (Trennung zwischen Klo und Bad aufheben…), eine Tür versetzen und eine neue Badewanne einbauen. Die Handwerker können sie sich dann sparen und vielleicht schon Ende Januar das Bad wieder benutzen.
Begonnen haben wir den Abend mit der Herstellung von Salaten und Fisch-/Kaviarbrötchen. Bis um 23:45 Uhr waren wir knapp fertig geworden, sodass wir pünktlich um 0:00 Uhr vor derm 12″-Fernseher antreten konnten, um der Rede des kleinen Dresdner KGB-Mitarbeiters zu lauschen. Eigentlich nur das übliche Familien-mir-ist-so-warm-ums-Herz-Geschwafel. Politik kam etwas kurz, gab ja auch nichts besonderes. Ach ja, das mit dem Gas und der Ukraine, naja, ist ja auch nicht so wichtig.

[Einwurf: Eben fangen im Nebenzimmer burmesische Stammesgesänge an, ich werde mal dem Türriegel noch eine Umdrehung geben...]
Wie dem auch sei, um 0:05 Uhr hat man mich dann zu einem halben Glas Champagner genötigt. Igittibaba. Danach haben wir bis morgens um 8:30 Uhr die Salate gegessen und dabei unaufhörlich russische Neujahrsshows mit Volksmusik angesehen. Diese Shows sind hier übrigens nichts besonderes und schon gar nicht zu Neujahr – täglich kann man diese Mutantenstadl auf mind. 3 Programmen gleichzeitig bewundern und dabei immer wieder die gleichen Interpreten hören. Besonders beliebt ist hier ein blondes Schönchen, welches bei Yanas Vater zum Ärger der Mutter immer scherzhaft “Kolja Tabletka” hieß. Sehr passend wie ich finde.
Da ich bei dem Lärm auf dem Sofa nicht schlafen konnte, war ich gegen Morgen so fertig, dass ich kaum noch nach Hause fahren konnte. Mittlerweile fuhr auch die Bahn wieder (der Hauptgrund für die lange Nacht…) und so konnten wir uns in Richtung Wohnheim begeben. Dort angekommen, mußte ich nicht einmal meinen Ausweis vorzeigen, denn man erkennt mich inzwischen an dem kleinen Waschbärchen, welches ständig auf meinem Kopf rumhockt. Dann also gleich ins Bett und mal so richtig das neue Jahr genießen.
Gute Nacht Marie.
(Diesen Satz haben wir samt Bedeutung unseren Gastgebern beigebracht…)