Zurück in die Zukunft auf TelekanalKanal 1 Rossija… mit dem weltberühmten kompensator platok!
Werbung ist im Großen und Ganzen lang und übertrieben wie bei uns. Kein Wunder, denn 50% der angepriesenen Produkte sind nicht russisch. Kleine Katzen in Katzenfutterwerbung gibt es natürlich auch, und diese mußte man extra mit Whiskas füttern, weil es in Rußland natürlich kein Katzenfutter gibt.

Ah, Werbung zu Ende. Gerade filmt Sportsfreund Marty mit seiner klobigen 1985er JVC-Videokamera den Steckdosenfrisur-Doc bei einem seiner Experimente, als da zwei Palestinänser in einem VW-Bus T2 mit abgerissenem Westfaliadach angerast kommen und die ganze Situation mit einigen Maschinengewehrsalven wieder etwas auflockern.

Beim darauffolgenden Zeitsprung wird der gute DMC leicht beschädigt und nach dem nächsten Schnitt sehen wir gleich eine Begrüßung auf amerikanisch: Der alte Bauer schießt Marty freundlich eine Ladung Schrot entgegen.

Ich schalte ein Programm weiter. Hamas trifft sich mit Fatah. Chaos in Gaza, Parlament in Ramallah gestürmt. Nächster Kanal. MTV. Soeben erklärt ein total durchgeknalltes Girly dem MTV-Moderator was sie an ihrem VW Käfer nicht mag: Scheibenwischer gehen nicht, Farbe ist mist, Radio geht nicht. Er versteht sofort und eine Weile später wird präsentiert, was man aus dem Käfer gemacht hat: Neuer, großer Auspuff, Alufelgen, TFT-Monitore in den Türen, Motorhaube und Türen öffenen falsch herum, Lavalampe in der Hutablage. Was man eben im täglichen Leben so braucht.

Solche Programme kann auch der LKW-Fahrer sehen, den ich gestern auf der Straße traf. Er war soeben mit seinem Fahrzeug auf der Straße vor der Uni liegengeblieben. Verdacht: Sprit alle. Nur wie herausfinden? Tankanzeige geht nicht, denn die geht immer als erstes kaputt – nicht mal mein VW-Bus hat eine funktionierende. Also Schraubenzieher, Sieb raus aus dem 100er Tankeinfüllstutzen und mangels Peilstab mit dem Arm in den Tank gelangt. Als die Achselhaare am Rand aufschlagen, werden auch die Finger naß und ein Lächeln zieht auf sein Gesicht. Alles wieder zu, 30 mal Anlasser und geht. Ab nach Hause vor den Fernseher.

Soeben freut sich jemand über den 20″-Flachbildschirm, der hinten in seinem aufgemotzen Honda CRX auch noch den letzten Kofferraum verbaut. Endlich kann er die PlayStation auch im Auto benutzen. Tag gerettet.

Ich muß umschalten, weil ich ein Drücken im Magen empfinde. Bericht aus der Nähe von Moskau. Ein Mann zeigt dem Kameramann sein Badezimmer. In der Badewanne steht eine Schüssel mit Wasser – falls mal die Leitungen einfrieren. Er holt Wasser für seine Frau, die dem Kamerateam einen Tee kochen will. Dazu hat er sich einen Hammer mitgebracht, denn das Wasser in der Schüssel ist hart. Eis. Unter 0°C im Badezimmer. Und ich habe mich schon gewundert, warum die da alle im Fellmantel rumrennen…

Zeit den Fernseher auszumachen! Es gibt Chi von letzter Woche – frisch aufgetaut aus dem Kühlschrank von Samsung. Im Internet wird ja schon das Rennen um den Mars angeheizt. Spätestens dort im roten Sand sind wir dann wohl alle gleich: Zerbrechliche kleine Menschlein mit Schläuchen in allen Körperöffnungen. Vielleicht doch nicht, denn irgendein Depp wird wieder eine Fahne mitbringen. Heul!