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Monatliches Archiv für: January, 2006

Neuere Einträge »

Ganz kurz: Wetta!

Jan19
2006
2 Kommentare Geschrieben von tiagra

Da ich zur Zeit kaum zum Schreiben komme, hier ein kurzer Eindruck vom Wetter heute morgen (die restlichen Wochentage sind wohl eingefroren….):

wetta

Auch wenn man eventuell den größten Teil der Zeit bekloppt ausgesehen hat, spätestens jetzt macht sich die Tschapka bezahlt! Mit einer zweiten Hose und den Händen samt Handschuhen in den Jackentaschen läßt sich das eigentlich recht gut aushalten – zumindest wenn man nicht stundenlang auf der Stelle steht. Ständiges Naseputzen verhindert leider die Wirksamkeit einer dicken Schicht Kindercreme, was die Sache wiederum unangenehmer macht. Bei Wind sollte man zusätzlich ab und zu eine Grimasse schneiden, damit die Gesichtsschollen wieder weicher werden und man das Vorhandensein von Nase und Wangen kurzeitig erahnen kann.

Mein Professor gab mir heute den Tip(p), auf keinen Fall heißen Tee kurz vor dem Rausgehen zu trinken, denn mit dieser heiß/kalt-Kombination würde man sich garantiert den Tod (= den toten Hals) holen. Komisch, in Deutschland wird immer schön warm getrunken, damit einem nicht so kalt ist. -33°C sind jedoch zugegebenermaßen jenseits vom deutschen Alltag…

Jetzt muß ich erst einmal dringend schlafen, den morgen muß ich schon früh zu Russisch. Wahrscheinlich werde ich danach gleich noch einmal kurz einschlafen, um dann frisch und munter die Abendhitze für den Kauf einer russischen (endlich!!!) Tastatur zu benutzen. Danach ins Kino und überhaupt. Das Leben ist so hart!

Geposted in Moskau, Rußland
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Der erste Tag und 108m Klopapier

Jan11
2006
4 Kommentare Geschrieben von tiagra

Heute ist also ganz Rußland urplötzlich aus dem 10-Tägigen Exzess aufgewacht (worden). Nach Angaben meiner Russischlehrerin wird aber heute noch nicht viel passiert sein, denn, speziell in kleineren Städten und Dörfern, kommt mann nur schwer wieder auf Trab, nachdem mann 10 Tage duchgesoffen hat. Gesehen habe ich das eigentlich nur in der Neujahrsnacht selber, als schon um 7 Uhr Abends in den U-Bahnen die Schnapsleichen zwischen den Endbahnhöfen pendelten.

Dieser erste Tag folgte auf die kälteste Nacht, die ich in diesem Wohnheim bisher erlebt habe. Draußen waren nur -7°C, aber der Wind muß ungünstig gestanden haben. Lange Rede kurzer Sinn: In meinem Zimmer zieht es wie Hechtsuppe. Nachts mußte ich erst einmal aufstehen und mir eine Fleecejacke anziehen.

Nach der Uni habe ich dann einmal die Fenster untersucht: Fast alle Kanten und Fugen sind mit breitem Paketklebeband überklebt worden. Das muß mein Vorgänger gewesen sein, welcher unter anderem im ganzen Zimmer die Fuge zwischen Fußboden bzw. Wand und Scheuerleiste auf selbige Art gegen Kakerlaken abgedichtet hat. (Danke Shiva!) Ich will nicht wissen, wie viele hier ohne dieses Klebeband wären….

Jedenfalls, und jetzt kommt der Haken, hatte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vor einigen Tagen schon einmal das Fenster geöffnet. Wie sich herausstellte, habe ich damit große Teile des äußerst wirkungsvollen Klebebandbaus zerstört, welcher an den meisten Stellen die einzige Grenze zur Außenwelt darstellt. Bei näherem Hinsehen, kann man in den Fensterfugen auf über 1cm Breite das nächtliche Moskau beobachten. Nun gut, da Moskau kalt ist und Moskau natürlich auch reinkucken kann, wird es nachts also kalt.

Da ich nicht MacGyver bin, war ich natürlich nur ungügend mit Klebeband ausgestattet. Der Blick fiel zum Entsetzen selbiger auf zwei Rollen Klopapier zu je 54m. Da die zwei Gabeln mit Echtholzgriff für’s bloße Essen einfach zu teuer waren, wurden sie zum Klopapier-in-große-Lücken-Stopfen verwendet. 54m später zog es schon weniger. 54m! Die zweite, vor kurzem der Toilette des benachbarten Naturvolkes gespendet, wurde unter wilden Gesten wieder eingezogen und unter Zuhilfenahme der o.g. Gabel zweckentfremdet.

108m

Heute liege ich schon ohne Fleece um Bett und ich fühle mich schon fast wie zu Hause. Fazit: man sollte immer 108m Klopapier dabei haben – oder wahlweise 50m Paketklebeband. Wählt man die erste Variante, sollte natürlich auch die Echtholzgriffgabel nicht weit sein.

Von Bääääärbel kam heute per eMail der Tip(p), das Bett doch in wassergefüllte Schalen zu stellen… Dankeschön! Scheinbar hat es sich jedoch herumgesprochen, dass ich es hier rigeros knacken lasse, denn die kleinen Haustiere kommen täglich seltener zu Besuch – vielleicht weil er immer so lange dauert………………..

Geposted in Moskau, Rußland
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Das Unfaßbare ist passiert!

Jan09
2006
7 Kommentare Geschrieben von tiagra

Ich habe es geschafft, meinen einzigen Löffel in einem 10m2 großen Zimmer zu verbummeln. Verdammte Axt! Wieder 7 Rubel weg – und ich hab’ mich bis zum Hals eingesaut, als ich versucht habe die restlichen Nudeln aus der Tasse zu essen.

Life is too short for löffelverbummeling!!

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Gewaschen!

Jan08
2006
5 Kommentare Geschrieben von tiagra

Ich habe gewaschen! Zwei Stunden hat es gedauert und nun ist mein Zimmer voll mit nassen Sachen:

trocknen

Leider habe ich nach zwei Stunden Imwasserwühlen beim Auswringen nicht aufgepaßt, und so muß ich nun schwer verletzt vor dem Computer sitzen und unter Tränen diese Zeilen verfassen…

daumen

Die Anstaltsleitung beantragt eine Runde Mitleid und verordnet 3 Tage Bettruhe. Gute Nacht.

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Weihnachten #2

Jan07
2006
4 Kommentare Geschrieben von tiagra

Irgendwie ist heute schon wieder Weihnachten, aber ich merke nichts davon. Sitze zu Hause und will etwas Arbeiten, komme aber nicht so richtig dazu… Leichte Konzentrationsschwierigkeiten.

Eigentlich wollte ich ja Klamotten waschen, aber ich bin mir noch nicht so sicher, wie ich das Waschbecken ohne Stöpsel dicht bekommen könnte. Vielleicht schneide ich ein Tüte auf und lege sie hinein? So gartenteichartig? Mal sehn.

wasch

Dies ist mein Waschmittel. Es freut sicher nicht nur alle polnischen Mädchen gleichen Namens, sondern auch einen großen, westlichen Konzern, welcher die halbe russische Waschmittelindustrie aufgekauft hat und sich auf seiner Website als the world no. 1 in household cleaning bezeichnet. Siehe Calgon. Der ganze Mist kommt mir doch sehr bekannt vor…

Wenigstens eins funktioniert heute: Das Internet… Aber nur weil Sonnabend ist. Habe jetzt endlich den live-stream von Радио России gefunden – das kann man hier in Moskau eigentlich auch per FM empfangen – sofern man ein Radio hat. Das Programm kann man sich so etwa wie die Deutsche Welle nur auf Russisch vorstellen. Will heißen: Es wird viel geredet und die Sprecher sprechen zumeist sehr deutlich und verständlich. Genau richtig. Dass der Spaß politisch relativ flach gehalten wird, merkt man allerdings auch… sogar als Ausländer mit beschränktem Wortschatz. Oh, gerade fängt ein neues Thema an! “Wie können Computer krank sein?” HyPsch!

So, dann geh ich mir nebenbei mal ‘ne Tüte machen *kreisch*

EDIT: In den Nachrichten kam gerade etwas über ГЕОРГ ХАКЛЬ aus ОБЕРХОФ … jetzt macht mir Russisch gleich noch viel mehr Spaß!

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Ein kleiner Eindruck von…

Jan05
2006
Kommentieren Geschrieben von tiagra

… Moskau, wie es ganz normal und ohne Hochglanztourismuseffekt aussieht. Geschossen leider ohne Stativ aus der 14. Etage unseres Wohnheims – einmal aus Andreas’ und einmal aus meinem Zimmer. Ich habe die krummen Ränder mal alle drangelassen, weil ich sonst zu viel hätte wegschneiden müssen. Irgendwie ist es beeindruckend, wie doll die billigen Digitalkameras ein Bild selbst bei 70mm Brennweite noch verzerren… nichts zu machen.

Einmal aus meinem Fenster:

pan_01

Und dann die andere Seite des Hauses – aus Andreas’ Zimmer:

pan_02

[Bitte Anklicken... Achtung, jeweils ca. 500kB!]

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Vielleicht kauf’ ich mir doch…

Jan04
2006
8 Kommentare Geschrieben von tiagra

… eine eigene Herdplatte.

Gestern war ich mit einer Freundin in der Metro (Großhandel…). Dort gab es viel zu essen, also habe ich zugeschlagen: 2 kg Spaghetti und 4 l Soße dazu. Außerdem noch einen Topf.

Heute wollte ich dann also meine erste warme Mahlzeit im Wohnheim zubereiten, bin aber leider nicht dazu gekommen. Beim Betreten der Kochhalle rannten ersteinmal 50 Kakerlaken in alle Richtungen davon. Nach einem Meter erfaßte mich der betäubende Geruch von 1000 Jahren burmesischer Kochkunst und zwang mich zum Rückzug. Ich erinnere mich noch, dass das Fenster offen stand, doch die Luft konnte aufgrund ihrer Viskosität wohl nicht mehr durch selbiges entweichen.

kueche_01

Wieder in meinem Zimmer angekommen, bemerkte ich ein schüttelfrostartiges Gefühl und entschied mich spontan heute abend nichts zu kochen. Zusammen mit Andreas traute ich mich dann noch einmal mit der Kamera zurück.

kueche_02 kueche_3

Dort gab es dann possierliche Tierchen beim Fressen zu sehen. Gleich daneben kunstvoll aufgereiht eine Friteusensammlung aller Baujahre, welche offensichtlich zur Zubereitung o.g. Tierchen gut geeignet sind. Der Herd ist ein wahres Prachtstück zeitgenössischer Kunst, und so verharre ich andächtig einige Sekunden vor diesem Stillleben der Evolutionsgeschichte.

kueche_04

Der Versuch ein 6m-langes-Abenteuerland fotografisch festzuhalten, scheiterte leider mehr oder minder kläglich an den beengten Platzverhältnissen und dem damit notwendigen Weitwinkelobjektiv (gut, die Kamera… na ja, lassen wir das…).

kueche_05

(250kb – Anklicken für größere Ansicht…)

Eventuell gehe ich demnächst noch einmal in die Metro… dort gab’s auch sehr preiswerte Wasserkocher und hoffentlich auch elektrische Herdplatten…………….

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С Новым годом!

Jan02
2006
Kommentieren Geschrieben von tiagra

Das neue Jahr…

Wieder einmal lassen unvorhergesehene Privatereignisse den Jahreswechsel etwas blaß aussehen, aber so langsam gewöhne ich mich dran.

Andreas und ich waren bei einer Freundin eingeladen, welche alleine mit Mama in einer 2-Zimmer-Plattenbauwohnung lebt. An dieser Stelle ein großen Dankeschön an die beiden – ohne Sie wären wir wohl einfach im Wohnheim geblieben, da es in Moskau keinen Ort gibt, wo ich bis zur Wiederaufnahme des Metro-Betriebes hätte warten wollen… Dort angekommen bewunderte ich zunächst den Kühlschrank, welche an an das 60er-Jahre Streamline-Design erinnerte und wohl auch mindestens so alt war. Der einzige Unterschied zum Original: Es war ein echt russischer Kühlschrank.

Im Bad war der Wasserhahn kaputt und man erklärte uns, dass sie so ca. im Februar vor hätten das Bad zu sanieren, da würde das dann mitgemacht. Bis dahin , Wasseraufdrehen mit Rohrzange oder in die Küche gehen. Schätzungsweise werde ich dort in den nächsten Wochen mal einige Quadratmeter Fliesen auswechseln, eine Pappwand wegreissen (Trennung zwischen Klo und Bad aufheben…), eine Tür versetzen und eine neue Badewanne einbauen. Die Handwerker können sie sich dann sparen und vielleicht schon Ende Januar das Bad wieder benutzen.

Begonnen haben wir den Abend mit der Herstellung von Salaten und Fisch-/Kaviarbrötchen. Bis um 23:45 Uhr waren wir knapp fertig geworden, sodass wir pünktlich um 0:00 Uhr vor derm 12″-Fernseher antreten konnten, um der Rede des kleinen Dresdner KGB-Mitarbeiters zu lauschen. Eigentlich nur das übliche Familien-mir-ist-so-warm-ums-Herz-Geschwafel. Politik kam etwas kurz, gab ja auch nichts besonderes. Ach ja, das mit dem Gas und der Ukraine, naja, ist ja auch nicht so wichtig.

new_year

[Einwurf: Eben fangen im Nebenzimmer burmesische Stammesgesänge an, ich werde mal dem Türriegel noch eine Umdrehung geben...]

Wie dem auch sei, um 0:05 Uhr hat man mich dann zu einem halben Glas Champagner genötigt. Igittibaba. Danach haben wir bis morgens um 8:30 Uhr die Salate gegessen und dabei unaufhörlich russische Neujahrsshows mit Volksmusik angesehen. Diese Shows sind hier übrigens nichts besonderes und schon gar nicht zu Neujahr – täglich kann man diese Mutantenstadl auf mind. 3 Programmen gleichzeitig bewundern und dabei immer wieder die gleichen Interpreten hören. Besonders beliebt ist hier ein blondes Schönchen, welches bei Yanas Vater zum Ärger der Mutter immer scherzhaft “Kolja Tabletka” hieß. Sehr passend wie ich finde.

Da ich bei dem Lärm auf dem Sofa nicht schlafen konnte, war ich gegen Morgen so fertig, dass ich kaum noch nach Hause fahren konnte. Mittlerweile fuhr auch die Bahn wieder (der Hauptgrund für die lange Nacht…) und so konnten wir uns in Richtung Wohnheim begeben. Dort angekommen, mußte ich nicht einmal meinen Ausweis vorzeigen, denn man erkennt mich inzwischen an dem kleinen Waschbärchen, welches ständig auf meinem Kopf rumhockt. Dann also gleich ins Bett und mal so richtig das neue Jahr genießen.

Gute Nacht Marie.

(Diesen Satz haben wir samt Bedeutung unseren Gastgebern beigebracht…)

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