Ich war beim Friseur. Nach einem dreiviertel Jahr ohne Haarschnitt, sah ich offensichtlich schon wieder aus wie der Bombenleger von nebenan, weshalb ich mich zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschied.
Ort des Geschehens war ein von gelben und weißen Neonröhren erleuchtetes Zimmer, welches über den Hintereingang eines Industriehofes im Plattenbaunorden Moskaus zugänglich ist. Meine des Russischen mächtige Begleitung verhandelte die Bedingungen: Haarschnitt ohne alles. Auf dem Stuhl angekommen, ging alles wie gewohnt. Ab und zu eine Frage nach der Länge dieser und jeder Stellen und fertig. Gegen Ende noch ein paar mir nicht ganz verständliche Fragen, welche ich als guter Ausländer lächelnd nickend beantwortete. Das Grauen begann. Offensichtlich hatte ich zu oft genickt, denn die Friseuse fing an den Inhalt irgendwelcher Dosen und Büchsen auf meinem Kopf zu verteilen. Mittendrin sollte ich noch einmal zum Waschen und der Gipfel war eine halbstündige Föhnorgie, welche mich endgültig in einen ostsibirischen Waffenschieber verwandelten.
Ende der Geschichte: Ich bin das erste mal so richtig gelackmeiert worden. Der teuerste (Herren-)Haarschnitt des Tages (ca. 11 EUR) hat den Inhabern sichtlich Freude bereitet. Den Versuch meiner Begleitung, mit nicht im Wörterbuch abgedruckten Vokabeln die Situation wieder gerade zu biegen, unterbrach ich peinlich berührt und wir verließen laut streitend den Ort des Geschehens. Eigentlich ein Wunder, dass es mir erst nach fast 4 Monaten passiert ist. Zusammen mit Yanas Willkommensgeschenk (Ballonseidenjacke einer bekannten Prollfirma…) sehe ich nun echt russisch aus. Die Anzahl und Art der Komplimente (Chef des hiesigen Lehrstuhls: … wirklich angenehm anzusehen!) machen das Grauen der Vergangenheit deutlich….
