Auch über den Osten Europas (ja, Europa erstreckt sich deutlich weiter als der geliebte Shell-Autoatlas suggeriert) ist diese westliche Importtradition schon seit langer Zeit hereingebrochen. Erfunden von der Liga beziehungsgeschädigter Frauen, hilft er heutzutage mehr oder minder erfolgreich, im Gehirn eines Mannes wenigstens einmal im Jahr einen Hauch von Romantik vor dem eigentlichen Akt einfließen zu lassen. Unterstützt wurde die Einführung dieses Feiertages natürlich auch hier vom Verband streunender Blumenhändler und den Vereinigten Kitschkartendruckereien.

Mal abgesehen von den Blumenläden dieser Stadt, in welche man zeitweise das Geld mit Schuhkartons bringen muß, ist der Hauptaustragungsort dieses Festtags natürlich die Metro. Dort sieht man, was solcher Gruppenzwang eigentlich alles anrichten kann. Männer kaufen Blumen und versuchen dabei die Haar- und Kleidungsfarbe ihrer Angebetenen gut zu ergänzen. Die Ergebnisse reichen von geschmack- bis grauenvoll. In der U-Bahn empfängt eine Russin von ihrem etwas klein geratenen Verehrer soeben einen Strauß roter Rosen und einen Sack voll Hundeblick. Beim Anblick der Karte sieht man ein verkrampftes Dankeslächeln auf ihr Gesicht gleiten – fast mitleidig blickt sie ihm in die Augen, während er nervös mit seiner Hand an seinem MP3-Player nestelt. Voller Inbrunst und Romantik hatte er es im dritten Anlauf tatsächlich geschafft, seinen Namen eigenhändig unter den vorgedruckten Liebesbrief zu krakeln – angesichts der Tatsache, dass er einen Füllfederhalter wahrscheinlich mit Mönchsritualen während der Hexenverfolgungen assoziiert und seit ca. 10 Jahren sämtliche Kommunikation jenseits des Bettes ausschließlich über die 12 Tasten seines Mobiltelefons abwickelt, ist das eine bemerkenswerte Leistung. Seine Freundin erkennt dies auch sofort und gibt ihm einen dicken Kuß. Hach, was hat sie doch für einen Lieben gefunden. Er strahlt und richtet sich wieder etwas auf. Während er die anderen Fahrgäste mustert, schiebt er langsam seine Schultern in die Breite, und dreht gekonnt und ohne hinzusehen seine Musik lauter. Leider ist sein Hosenstall offen.

Im nahegelegenen Einkaufszentrum laden die Herren die Damen in ein Fastfoodrestaurant ihrer Wahl ein. An die folgende Nacht denkend, sitzen sie verträumt an die Tischen – bedeckt mit den Klamotten der Freundin, ihre Handtasche bewachend und möglichst männlich aussehend – während sie sich in die Schlange stellt, um das Essen zu holen. Leider hat man hier die Bedeutung des Wortes Fastfood noch nicht ganz verstanden, und so dauert es mal fix 30 oder 40 min, bis man seine Bestellung in den Händen hält. Die Schlangen ringeln sich durch die halbe Passage und man wartet mit russischer Geduld.

Während ich unterbewußt die noch unbenutzte Kinokarte mit den Fingern zu Altpapier knete, fällt mir eine McDonalds-Werbung aus der U-Bahn ein: 10000 Rubel Verdienst für den Thekenjob. Im Kleingedruckten steht noch etwas von 21 Tagen à 8 Stunden. Das macht also genau 1.70 EUR pro Stunde. Verglichen mit Deutschland, müßte ein Menü dann also etwa 85 Cent kosten. Da man jedoch meist mehr als 150 Rubel (über 4 EUR) bezahlt, frage ich mich, wie das ganze System hier überhaupt funktioniert. Die Löhne mögen für russische Verhältnisse angemessen sein, die Preise jedoch unter aller Sau. So richtig brummen tut es natürlich für McDonalds.

Neulich bin ich an einem ausgebrannten Spielzeuggeschäft vorbeigekommen und wurde informiert, dass es hier gängige Praxis sei, einen unwilligen Ladenbesitzer durch einen plötzlichen Brand zum Verkauf seines Geschäfte zu zwingen. Ich bin gespannt, wann die ersten Fastfoodrestaurantfilialen brennen – ganz ohne Kaufabsicht.

Mittlerweile hat man aufgegessen, im Kino die Hollywoodklamotte auf russisch überstanden und befindet sich auf dem letzten Bummel durch die Passage. Auf dem Weg zum Ausgang werden noch möglichst viele Glaskästen mit billigem Schmuck aus Übersee umkreist und man kann förmlich sehen, wie der Mann mit steigender Anzahl von Glaskästen tiefer und tiefer in die Rolle des verständnisvollen, perfekten Mannes fürs Leben rutscht und sich dort sichtlich wohl fühlt. Zum Abschluß gibt es zu Hause eine große Runde Blümchensex und wir sind uns alle sicher, dass es nur die Liebe war, die uns just an diesem 14. Februar solch’ schöne Stunden bereitet hat.