bla bla von ТИАГРА

Heutzutage, wo jeder Vollproll im carbonfolienbeklebten Honda CRX bei romantischem Licht der 4-stelligen Siebensegmentanzeige einer Spannungsstabilisatorschaltung den bestringtangaten Hintern seiner Freundin auf die Kühlrippen der Mediamarkt-Endstufen nagelt, besinne ich mich zurück zum gammligen Kleinbus mit Drecksdiesel. Die Zeiten mit Doppelvergaser und mehr Rost als Blech sind zugegebenermaßen vorbei, denn heutige Fahrzeuge sind zumindest teilverzinkt, weshalb sie nur tigerartig an bestimmten, aber ganz sicher tüvrelevanten, Stellen braun werden. Dieses Verhalten ist in Deutschland besonders bei der Gattung VW-Bus zu beobachten, welche in meisterhafter Blecharbeit von einem Punktschweißroboter als selbstfahrende Fugenrostfabriken zur Welt gebracht wurden.

Auch in Rußland gibt es solche Boliden zu bewundern, und ihre Halter gleich mit. Seit Urzeiten nahezu unverändert gebaut, hat der UAZ 4**/3**** nicht nur in Rußland unerschrockene Anhänger gefunden. Während der VW-Bus in (West-)deutschland eher als modernes Fortbewegungsmittel für kinderreiche Familien und Kleinunternehmer entwickelt wurde (mal abgesehen von den Preisen, aber die waren bei VW standardmäßig daneben – man denke da nur an diese wunderbar langen Aufpreislisten… Motor? Aufpreis!), hat man in Rußland von Anfang an das allesüberdauernde, rollende Wunder der russischen Technik vor Augen gehabt. So kommt der UAZ leichtfüßig auf schweren Starrachsen durch die russische Taiga gewetzt, wo der VW-Kunde in Deutschland noch beim Händler an den Nägeln kaut, weil die Version mit 4WD so unverschämt viel mehr kostet.

Im Gegensatz zum Lada gammelt der UAZ nicht speziell auf den großen Blechflächen, sondern an den Ecken. Dafür aber an allen. Damit kommt er dem VW-Bus schon sehr nahe. Im Internet findet man schon reihenweise Fans des russischen Hippiebusses, und irgendwie gefällt auch mir die dieses russische Universalschwein sehr gut. Wie dem Reiseprospekt eine Mietwagenanbieters kurz hinter Ulan-Bator zu entnehmen ist, läßt sich auch dieser Wagen für die Freuden eines jugendlichen Lebens einsetzen: “Bei schneller Fahrt über staubige Pisten kann bei diesem Fahrzeug Sand in die Fahrgastzelle dringen.” Ausdrücklich wird jedoch die Geländegängigkeit betont, welche natürlich besonders für Pärchen zum Aufsuchen abgelegener Plätzchen wichtig ist.

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Da ich schon die Gesichter meiner Familie sehen kann, wie sie sich beim Gedanken an meine eigene VW-Investionsruine zur Unkenntlichkeit verziehen, schreibe ich jetzt nicht, dass der UAZ für knappe $7000 nagelneu in Uljanovsk vom Band läuft und ich ja zu gerne… Hach, lassen wir das. Ähnliche Buskranke mögen sich ein wenig durch diese Seiten klicken. Und nein, ich habe keine Ahnung wie man so eine Kiste nach Deutschland importiert, geschweige denn zugelassen bekommt!

3 Comments

  1. March 20, 2006    

    Oje, bei den heutigen Spritpreisen eine mutige Idee…
    Bei gesteigertem Interesse…ich könnte ja mal einen fragen, der mehrmals jährlich Mainz Nowosibirsk pendelt (mit deutschem Auto hin, zurück mit Flugzeug, wieso auch nicht mit einem UAZ?)
    Ich rate aber mit Händen und Füßen ab, bin die Dinger in grün 3 Jahre gefahren…NIE wieder :-)

  2. March 21, 2006    

    sagen wir mal so: wenn ich in .ru leben würde, wäre ich verrückt genug – hier ist es absolut sinnlos. zulassung unwahrscheinlich, teile gibts nicht… neenee… trotzdem danke :)

  3. May 4, 2006    

    Privet!

    Einen UAZ in Deutschland? Kannst Du auch einfacher haben. Guck mal nach bei
    http://krusenstern.kaywa.ch/ostwind/der-russen-range-rover.html

    Poka, poka!

    Grischa

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