Natürlich hat er es wieder einmal geschafft: Systematisch vorbereitet, plump, dreist und grausam sind die “Wahlen” gleich neben Polen in die einzig mögliche Bahn gelenkt worden. Lukaschenko führt mit Hilfe seines Geheimdienstes ein eisenhartes Regime, welches keine Störungen durch Andersdenkende duldet.

Hauptunterstützer Lukaschenkos sind alte Menschen, welche sich über die besseren Lebensbedingungen freuen, die ihnen ihr Präsident beschafft hat. Bessere Bedingungen wie niedrige Gaspreise zum Beispiel, welche Onkel Putin für das kleine Land am linken Rand bereit hält. Denkende Menschen gibt es beispielsweise an Universitäten, aber die kann man ja schließen. Alle anderen buchtet man vorher ein und die Metro hat im Ernstfall technische Störungen – Hauptsache niemand brüllt laut gegen den Präsidenten.

Seit Tagen durchforste ich die Nachrichtenmagazine der westlichen Presse, aber Weißrussland ist nicht großartig vertreten. Einen Tag vor der Wahl gibt es die üblichen Berichte über die böse Diktatur, aber das war’s auch schon. Am Tag der Wahl wird das Thema auf der Seite der Tagesschau ganz nach oben gesetzt, aber der Bericht dazu ist äußerst dürftig. Man scheint beschlossen zu haben, dass die Zeit noch nicht reif ist. Unterstützung wie damals für die Ukraine hat noch keinen Sinn.

Warum gibt es 3 Gegenkandidaten? Die zersplitterte Opposition ist wahrscheinlich die Lebensversicherung für Lukaschenko, denn selbst mit Geld- und Sachspenden aus dem Westen, kann man so nur schwer das Volk zum Systemsturz bewegen. Aus Rußland hört man mittlerweile verhältnismäßig neutrale Worte, das läßt hoffen. Vielleicht das nächste Mal. Weißrussland sei ein Puffer zur Nato – das klingt wie vor 20 Jahren, also doch noch nicht so viel Hoffnung.

Zehntausende Menschen sind auf dem Oktoberplatz in Minsk, und man fragt sich, wie lange der Geheimdienst noch warten wird. Das amtliche Fälschungsergebnis bringt einen fast zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre… Die Bundesregierung wird die weißrussische Opposition unterstützen – vielleicht bei der nächsten Wahl