bla bla von ТИАГРА

Eben hatte ich den netten Moldawier aus dem Flugzeug aus den Augen verloren, nachdem er mit seinen Stift für die Immigrationskarte geborgt hatte, nun stehe ich ihm im Flughafenbus auf den Füßen. Von hinten schiebt eine Gruppe deutscher Touristen und macht sich über die übrig gebliebenen Vokabeln aus der Schulzeit lustig. Draußen vermischt sich frischer Schnee mit dreckigem Matsch, innen steht die brabbelnde Menge in einer Wolke aus feuchtem Nebel, während aus dem Radio ein klebriges Sommerlied entweicht: “Letniy Doszhd”. In Moskau paßt alles.

An Grenzkontrolle gerate ich an eine junge Beamtin, vieleicht knapp über 20. Sie hat eigentlich ein sehr hübsches Gesicht, aber sie verzerrt es extra für mich, um richtig ernst auszusehen. Ich muß mir das Lachen verkneifen, als sie voller Ernst zuerst das falsche Visum scannt. Sie wird langsam sauer und entschließt sich für eine detailierte Überprüfung meiner Daten, während ich ihrer Kollegin bei der Kontrolle über die Schulter auf den Monitor schaue. Sieht gar nicht so kompliziert aus, was hat meine Beamtin nur? Nach geschlagenen 11 Minuten entläßt sie mich endlich mit einem angesäuerten Blick.

Yana hat über ihre Firma ein Auto besorgt, sodaß wir jetzt in einem schwarzen Saab durch Moskau schwimmen. Der große Autobahnring ist wie immer hoffnungslos verstopft und wir werden mind. 2h nach Hause brauchen. Die Straßen sind mit einer millimeterdicken Dreckschicht überzogen, welche langsam jedes Auto in ein feuchtes Dunkelbraun taucht. Volltarn im Straßenverkehr. Peinlich genau achten manche LKW-Fahrer jedoch darauf die Buchstaben und Zahlen ihres Kennzeichens hinten am Wagen freizukratzen, denn verdreckte Kennzeichen kosten Geld machen Ärger.

Nach anderthalb Stunden hält der Fahrer auf einer schleimigen Autobahnabfahrt an und macht die Motorhaube auf. Es dampft. Er kramt im Kofferraum und kommt mit einer Lampe wieder, welche ihm schließlich hilft, den völlig zerschlissenen Keilriemen der Wasserpumpe aus dem Motorraum zu operieren. Lächelnd erklärt er uns das Ende der Fahrt – kann jedem einmal passieren. Wie in Moskau üblich, stellt man sich einfach an die Straße und hält ein x-beliebiges Auto an, dennn irgend jemand braucht immer etwas Geld. Keine 5 Minuten später jagen wir in einem Lada mit abgedunkelten Scheiben durch das inzwischen nächtliche Moskau. Der Fahrer ist ein junger Mann im Sportanzug und sein Weg wird von zwei goldenen Ikonen in einem Wunderbäumchenwald auf seinem Armaturenbrett begleitet. Wie durch Zufall erkennt Yana den Namen einer Straße und so kommen wir schließlich nach Hause.

Das Haus wurde inzwischen renoviert. Mit spielerischer Leichtigkeit haben ein paar Bauarbeiter einen Kubikmeter heller Ziegelsteine vor dem Eingang zu einer Mauer drappiert, ja man könnte fast meinen sie hätten versucht die Wand zu verklinkern. Das elektronische Codeschloß der Tür wurde natürlich freigelassen, zumindest das Tastenfeld. Im Frühjahr wird dann ein Telekommunikationsingenieur mit einem rostigen Schraubenzieher die halbe Wand wieder einreissen – um die Klingelanlage zu reparieren.

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