bla bla von ТИАГРА

Mein Visum war ja dieses Mal besonders teuer, doch dafür habe ich auch gleich eine Telefonnummer des befreundeten Reiseunternehmens bekommen, wo ich mich zur Registrierung vor Ort melden könnte. Ein Anruf sagte uns, dass die Frau am anderen Ende schlecht gelaunt war, und dass wir binnen 45 Minuten durch ganz Moskau rasen mußten, weil die Firma danach geschlossen in die Ferien ginge. Frühstück war dieses Mal nicht mehr drin und so sind wir dann gegen 14 Uhr an der Metro Smolenskaya angekommen. Wo ist nun die gesuchte Straße? Neben mir stand ein fragender Blick und in der Hand hatte ich einen rudimentären Stadtplan im Maßstab eines Globus. Na jedenfalls waren wir dann 20 Minuten zu spät in einem Moskauer Hinterhofskellerbüro bei der unfreundlichen Dame – morgen zwischen 16 und 18 Uhr hätte sie die einbehaltene Immigrationskarte bestempelt.

Zur Belohnung sind wir noch ins Kino gegangen – natürlich nicht ins Riesenmultiplex “Luxor”, welches in ein großes Einkaufscenter integriert ist, sondern gleich gegenüber ins “Baikonur”. Hier erwartet einen klassischer Chic der Sowjetära, gepaart mit wiederkehrenden Bauarbeiten an wechselnden Orten. Zur Zeit hat man zwei Drittel der Außentreppen neu gebaut und im Inneren ein paar unerklärliche Glaswände aufgestellt. Yana sagt, man schafft neue Orte um Geld zu verdienen. Ja, denke ich, wenn das so weiter geht, könnte man hier sicher einen internationlen Kohlenhandel aufziehen…

Der Film war sehr gut. Ein russischer Episodenfilm namens Жара, was man wohl in etwa mit “Bullenhitze” übersetzen könnte. Der Film zeigt einen heißen Sommer in Moskau, junge Leute und wie das Leben so spielt. Viele kleine Spitzfindigkeiten zeigen selbst in einem Kinofilm wahre Seiten der russischen Gesellschaft und man hat so seine Freude. Allerdings sagte man mir, dass der Regisseur ein Georgier sei, was eventuell den lockeren Umgang mit Kritik an russischen Verhältnissen erklärt. Bei aller Leichtigkeit verliert der Film nämlich nicht an Ernsthaftigkeit, denn der aufmerksame Zuschauer wird immer wieder durch geschickte Diaglogfetzen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Eingeprägt hat sich mir die Szene, in der ein amerikanischer Tourist erst einmal prophylaktisch ins Gefängnis geworfen wird und dort einen anderen Gefangenen mit einem italienischen T-Shirt aufgeregt fragt, ob er denn auch Tourist sei… dieser entgegenet trocken: “Net, Grusin” (Nein, Georgier)… Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Film – für den interessierten Rußlandreisenden sowie den normalen Kinogänger.

Im Fernsehen läuft gerade Werbung einer Immobilienfirma. Angeboten werden Mietwohnungen im Plattenbau für 8300 Rubel pro Quadratmeter und Jahr. Rechnet man das auf eine 60m2-Wohnung, bezahlt man knappe 1500 EUR Miete pro Monat. Dafür bekommt man bei uns ein vollsaniertes Loft im Dachgeschoß eines schönen Altbaus im Szeneviertel nach Wahl. Die Einkommen in Rußland dürften bei ca. 1/10 der in Deutschland liegen, was solche Angebote aus unserer Sicht nahezu absurd erscheinen läßt… jetzt werden Digitalkameras vom MediaMarkt angeboten und ich schalte endlich um. Blend-a-med-Zahnpasta. Verdammte Axt!

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