Eigentlich koche ich ja immer einen alten Wäschetopf voll Hühnersuppe, damit ich dann drei Tage nur noch warmmachen und löffeln muß, aber heute wird alles anders. Eben stand ich an der Fleischtheke und habe mir 1kg Rindermarkknochen nebst 500g Suppenfleisch gekauft. Um mich noch einmal zu vergewissern, dass Hühnersuppe nichts anderes als Rindersuppe mit Huhn ist, habe ich gleich im Kaisers noch meine Oma angerufen. Sieheda, ich hatte recht! Allerdings habe ich nicht bedacht, dass ausgekochte Knochen dazu neigen, eklige Knochenkrümel zu erzeugen, welche man laut meiner Oma mittels Sieb entfernt. Sieb? Habe ich nicht. Zufällig stand ich gerade in der Siebabteilung, wo es ein passendes für 5.49 EUR gegeben hätte. Da dies den Wert der Suppe verdoppelt hätte, beschloß ich, stattdessen ein frisches Handtuch zu mißbrauchen.
Zum Schluß gab Sie mir noch den Tipp, kaltes Wasser zu verwenden um die Brühe anzusetzen. Jetzt wird sie aber wirklich langsam alt dachte ich, doch die Erklärung war gar nicht so schlecht: Mit heißem Wasser würden sofort alle Poren zugehen und man kriegt dann schwer den typischen Fernsehkochgeschmack aus dem Ding herausgekocht. Deshalb schon mit kalt anfangen, dann geht alles seinen Gang. Wie gut, dass ich meine Oma angerufen hab. Mittlerweile lächeln mich die anderen schon freundlich an, während sie ihren Einkaufswagen um Haaresbreite an einem wackeligen Stapel Kohlenanzünder vorbeibuchsieren.
Heute also mal ganz anders: Knochen zusammen mit Suppengrün auskochen, wieder alles rausfischen, Brühe neu ansetzen – diesmal das gekochte Supengrün kleingehackt – ein, zwei Hände voll Nudeln rein, warten. Vielleicht laß’ ich die Nudeln auch weg, die verwandeln meine schöne Suppe nämlich spätestens am dritten Tag in Tapetenkleister.
Drum merke: Rindersuppe ist nicht Hühnersuppe mit Rind, denn man braucht ein Sieb.
