bla bla von ТИАГРА

Um halb 6 steht der Erste auf und auch ich kriege keinen Schlaf mehr. Die aufgehende Sonne und der Dunst über dem See versprechen ein paar gute Bilder für die Videokamera, doch ich komme mit der wackeligen Zoomtaste absolut nicht klar. Nach 5 Minuten ist auch noch der Akku alle und so werfe ich den ganzen Rassel entnervt zurück in den Bus, um mich in Zukunft auf Standbilder zu beschränken.

see

Das GPS ist wieder scharfgeschalten und wir wollen gegen 8 langsam Richtung Rumänien. Heute sollten wir möglichst viel von Transsilvanien hinter uns lassen. Erstes Ziel: Alba Iulia.

Wir sind immer noch nicht weg. Pawel und Eugenius entpacken eine große Reisetasche, welche Pawel von einer Bekannten in Warschau für deren Ehemann in Georgien mitgenommen hat. Wir sind uns nicht ganz sicher ob darin eventuell Drogen oder Waffen versteckt sind, da der Mann unter mysteriösen Umständen Warschau verlassen mußte. Die Frau soll aber ganz in Ordnung sein. Er wohl auch – werden wir bald sehen. Die Tasche war übrigens sauber.

syncro sonne

An der ungarisch-rumänischen Grenze kaufen wir für 5 EUR eine Monatsvignette und fahren weiter. Bald passieren wir kilometerlange Industriebrachen, welche komplett mit ihren unzähligen Rohren, Fenstern und Wänden in rostrotes Braun getaucht sind. Kinder klettern auf alten Fernwärmeleitungen über einen nahegelegenen Fluß und springen ins Wasser. Schon nach wenigen Kilometern ist nur noch die Hauptstraße asphaltiert, während sich auf staubigen Seitenstraße unzählige Dorfköter tummeln. Neben der Straße sitzt ein Mann vor seinem Gartentor und zählt Geld. Es sieht so aus, als würde er hier den Wegenzoll für Fußgänger auf dem nicht vorhandenen Bürgersteig kassieren. Anderswo verkauft man Weintrauben und Blumen an der Straße…

Architektonisch steckt in vielen Kleinstädten großes Potential, was im Vergleich zu Ungarn jedoch noch nicht richtig genutzt wird. Es gibt Unmengen wunderschöner, alter Häuser mit Verzierungen, aber für solche Spielereien fehlt hier natürlich das Geld. In fensterlosen Hausruinen hängen Wäscheleinen und eine Katze leckt sich auf dem Rest eines Fenstersims’ majestätisch die Pfötchen.

Vorbei geht es an einer verlassenen Tankstelle, in welcher jetzt Pferde im Schatten grasen und wir erreichen endlich die offene Landstraße. Die Landschaft würd man wohl gemeinhin als Pampa bezeichnen – mittendrin ein Abfüllwerk von CocaCola. Auf den Dörfern wirken viele Häuser eher verfallen, jedoch gab es auch einen Typ Steinhaus, welcher richtig hrausgeputzt war. Alle im gleichen Stil, alle mit kontrastreich umrahmten Fenstern und buntem Zaun davor. Heute ist Sonntag und wir treffen viele Menschen in traditioneller Kleidung auf der Straße – das Ganze erscheint in dieser Gegend so unwirklich…

stop

Die Straße führt an einem großen Stausee vorbei, an dessen Ufer man Familien beim Picknick sieht. Die anderen Autofahrer sind unterwegs wie die Henker. Auf der Straße drängeln sich behaarte Fahrradfahrer in zu engen, roten Turnhosen, Pferdefuhrwerke, Dacias Baujahr 1977, Rumänen in Westautos mit kaputtem Bremspedal, wir und diverse andere Verrückte. Man weicht nicht selten dem plötzlich zweispurig entgegenkommendem Verkehr auf den Sandstreifen neben der Straße aus. Im Radio plärrt: “Do you feel the same… blabla… eteerniityyyy…”. Rumänien ist total geil.

beton

Unterwegs halten wir in einem der zahlreichen Hauptstraße+Staubstraße-Dörfern an, um Wasser zu tanken. Wir treffen eine Frau, welche uns durch den Gartenzaun beobachtet während sie mit einer Rolle ihren Eimer in den Brunnen hinabläßt um Wasser zu holen. Sie fängt an mit uns zu reden, doch wir verstehen nichts. Sie findet das alles ganz wunderbar und läßt uns in ihren Garten, holt uns eimerweise Wasser aus dem Brunnen und redet und redet über Gott und die Welt, und wir verstehen nichts. Das Ganze geschieht so freundlich und selbstverständlich, dass wir uns wundern was denn hier wohl geraucht wird. Aber nein, die Frau ist echt. Nach dem 11. Eimer Wasser sind wirklich alle Kanister voll und wir wollen weiter. Ich glaube sie wünscht uns viel Glück… und Gottes Segen war auch dabei. Wir schenken ihr eine Tafel Schokolade und ziehen verdattert von dannen.

Später fahren wir durch Cluj na poca. Es gibt einen Trolleybus wie in vielen Städten des ehemaligen Warschauer Paktes, und, abgesehen von Werbeplakatewald am Stadteingang und dem Protzbau des Studentischen Kulturklubs, viel alte Architektur, die an die Gassen des alten Stadtkerns von Moskau erinnert. Wir fahren langsam ziemlich rumänisch, als wir auf einem großen Platz vor der Banca Transilvania urplötzlich im rechten Winkel und quer über 3 Spuren rechts abbiegen. Ich glaube es hat nicht einmal jemand gehupt. Als wir endlich aus der Stadt finden, wünscht uns eine Lichterkette über der Straße ein fröhliches Jahr 2002.

Über Turda geht es weiter Richtung Alba Iulia. Die Landschaft wird hügeliger und schon müssen wir öfter mit Heizung fahren, weil Piotrs Turbomotor trotz Ladeluftkühler viel zu warm wird. Wie soll das erst im Kaukasus werden? Der extra angebrachte Steinschlagschutz in Forum dicker Blechgitter vor dem Kühler fliegt wohl spätestens hinter Istanbul wieder raus…

Hinter Turda kommen wir durch ein Dorf mit niedlichen, kleinen Häuschen. Davor stehen Pferdefuhrwerke und fast rechtwinklige Mütterchen verkaufen Zwiebelzöpfe und Birnen. 100m nach dem Ortsausgang schlägt uns die Zivilisation wieder voll ins Gesicht: 10m2 Werbetafeln für den neuen VW Touareg. Hier. Ich kann es nicht fassen. Ein Dorf später das gleiche Bild, nur mit dem neuen Pajero. Es ist unglaublich…

Kurz vor Alba Iulia begrüßen einen plötzlich deutsche Ortseingangsschilder mit Namen wie Srassburg am Mierisch – ob hier wirklich noch jemand Deutsch spricht? Im Ort selbst gibt es viele alte Häuser und sogar eine Burg, jedoch kann ich außer einer Raiffeisenbank und einer Allianzfiliale auf die Schnelle keine deutschen Spuren entdecken.

In anderen Dörfern liegen die Gasleitungen vor den Gärten direkt auf dem Bürgersteig – an einer Hauptstraße. Bei Toreinfahren wird die Leitung einfach mittels 4 rechten Winkeln freitragend in genügender Höhe über die Einfahrt verlegt, um dann sofort wieder in 30cm Höhe über dem Bürgersteig zum nächsten Grundstück zu schlängeln. Man fragt sich insgeheim, ob bei einem Autounfall nur ein einzelnes Haus oder gleich die ganze Straße explodieren würde…

rep

Nachdem wir einen Kurzschluß im Thermoschalter vom Kühler an Pawels Bus und die Wasserpumpe des Küchenblocks bei unserem repariert haben, gibt es Spaghetti à la wenig Zeit. Jetzt kämpfen wir uns kurz hinter Sibiu auf der Straße 7C in die Berge. Wir befinden uns jetzt auf 500m Höhe und werden laut Karte schon in wenigen Kilometern die 1000er Marke überfahren. Oben wollen wir dann schlafen – wird wenigstens nicht so heiß!

Pustekuchen, es wird schon dunkel. Wir sehen neben der Straße ein paar Dacias stehen und finden alsbald eine nette Wiese an einem Bergbach, welche offensichtlich schon von anderen zum Campen benutzt wurde. Mittlerweile ist die Sonne wirklich ganz weg und so suchen wir mit Taschenlampen im feuchten Unterholz des nahegelegenen Waldes nach Feuerholz um uns aufzuwärmen. Ich stelle mich mit meiner Waschtasche mitten in den Bergbach und freue mich über die neu erlangte Sauberkeit. Wiesek und ein paar andere folgen, aber nicht alle – zu kalt. Danach werden am Feuer noch eine Flasche Absolwent-Wodka und ein paar Club Mate geleert und wir fallen geschafft ins Bett. Mein viel zu warmer Schlafsack hat hier erstmals einen Sinn.

absolwent wodka

feuer

4 Comments

  1. September 20, 2007    

    Hey gelP,

    netter Reisebericht, der Mate Sticker ist nett, allerdings sollen die die Rezeptur geändert haben…

    Bin gespannt was da noch so alles passiert auf eurer Reise :)

    Grüße

    Christoph

  2. September 20, 2007    

    da sind gar keine sticker, sondern die etiketten von den flaschen :P wenn man das zeug im bergbach kühlt, fallen einem die etiketten hinterher gleich entgegen… :) ich kann zu der rezeptur gar nichts sagen, denn ich trinke weder das eine noch das andere :D

    ciao,

    gelP

  3. swolf swolf
    September 20, 2007    

    Martin,
    hast du mal ein Foto von Hermannstadt?

    Gruss
    Werner

  4. September 20, 2007    

    ha, nein, habe ich leider nicht. und was noch viel schlimmer ist: ich hab mein netzteil im institut vergessen *gnaaaaaaa* ich versuche jetzt noch auf akku einen eintrag zu zaubern und dann wird wohl ersteinmal bis donnerstag ruhe sein…. vorher nix strom :/ sorry…

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