bla bla von ТИАГРА

Heute sind wir mal wieder um 7 Uhr aufgestanden und essen gerade Schmalzbrot mit rohen Zwiebelringen. Dies dient der Anpassung an Land und Leute. Jetzt soll es endlich in die Berge gehen… Ich hoffe auf ein paar vernünftige Bilder… aufgehende Sonne, viel Morgennebel… usw. Fotografenträume.

nebel

Als wir oben ankommen gibt es keinen Nebel mehr, aber Sonne. Ich mache ein paar Fotos, aber irgendwie stört mich der fette Strommast mitten im Tal. Wir fahren weiter zu einem kleinen See, wo Pawel spontan sein Tauchzeug aus dem Bus holt und für eine Viertelstunde abtaucht. Der See sei ziemlich kahl und leer, sagt er.

tauchen

nix

Rumänien hat hier wirklich ein paar sehr schöne Berge, aber leider stört der Mensch. Eigentlich sind es Müllberge, verziert mit brennenden Müllhaufen am Straßenrand und grotesken, geschmacklosen Betonbauten. Da kann mir keiner erzählen, das sei der Kommunismus gewesen – das war einfach der Mensch ohne Sinn und Verstand. Ich habe irgendwie keinen Spaß mehr an Rumänien und will nur noch Richtung Kaukasus. Es ist bereits nach Mittag, als wir endlich den verdreckten Touristenbergen (Ich bin mir sicher, dass Rumänien auch das Gegenteil zu bieten hat!) entkommen und Richtung Bukarest rollen.

Auf der Fahrt überlege ich, ob ich dem Land mit dieser negativen Sicht Unrecht tue… Wenn ich mich so umschaue, sind nicht nur die Berge verdreckt. Überall liegen Müll, Schrott und Autowracks herum. Gefahren wird generell voll am Limit und gefährlicher als gefährlich, sodass man sich fragt, ob die Hitze hier irgendwelche gehirnschädigenden Einflüße auf Autofahrer hat. Eben springt vor uns ein kleines Kind in den Straßengraben, als drei Autos nebeneinander mit 90km/h durch ein Dorf brettern. Eine Ecke weiter biegt eine Gruppe Gänse in einen Seitenweg ein – eigentlich ein wahres Wunder, dass man sie nicht im Fotoalbum umhertragen muss…
Wahrscheinlich sind die Menschen hier aber eigentlich alle ganz toll, aber äußere und innere Einflüße außerhalb ihrer Kontrolle sind für das alles verantwortlich… – dann mache ich hier natürlich wirklich alles schlechter als es ist. Der Beweis dürfte allerdings noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Immerhin, auf Landstraßen habe ich mehrfach gesehen, dass Fahrradfahrer freiwillig in gelben Warnwesten ihre Schlangenlinien auf den weißen Straßenbegrenzungslinien vollführen.

Auf dem Weg nach Constanta, unweit der Hauptstadt Bukarest kommen wir direkt an einem Gefängnis oder Arbeitslager vorbei. Es besteht aus voll vergitterten Flachbauten in erbärmlichem Zustand und einem Hof voll mit Wracks von Gefangenentransportern. Das Ganze ist von einem meterhohen, rostbraunen Stacheldrahtzaun mit Wachtürmen in 50m Abstand umrahmt. Auf den Türmen, und zwar auf wirklich allen, sitzen tatsächlich Wachposten. Manche sonnen sich mit hochgelegten Beinen, andere lesen oder sitzen stoisch in die Gegend schauend ihre Zeit ab. Bewachen tun sie in dieser brachialen Hitze eine erbärmliche Rostruine, in welcher hoffentlich keine Lebenwesen ihr Dasein fristen – es muß die Hölle sein.

An der Straße steht ein Betonlaster und kippt die Reste seiner Fracht munter in das staubgraue Gras des Seitenstreifens. Überall springen streunende Hunde bellend auf die Straße, um dann erst kurz vor dem Zusammenprall mit einem herannahenden Auto wieder von dieser zu weichen. Der eine war wohl schon etwas älter und der alte Dacia eben etwas schnell… jedenfalls flog er plötzlich zur Seite und rennt jetzt jaulend auf drei Beinen an der Straße entlang.

Plötzlich muß ich über die Warnschilder für Spurrillen zu Hause lachen. Hier gibt es solcher Schilder nicht, aber wir stehen ungelogen in 20cm tiefen Spurrillen. Wir sind sozusagen tief beeindruckt. Leise rastet die Zentralverriegelung ein, als zwei zwielichtige Gestalten an einer Kreuzung mit allerlei zusammengewürfelten Verkaufsgegenständen auf unser Auto zulaufen…

spurrillen

Während auf der rechten Seite das Gelände der Firma Dumaley Stalingrad auftaucht, erstreckt sich links eine riesenhafte Mülldeponie. Der Dreck wabert in Fetzen durch die Luft, es stinkt unbescheiblich, und an der Straße stehen tatsächlich Anhalter in Hemd und Krawatte. Über CB-Funk röhrt ein langgestrecktes Wuaaaaahhhrghl durch den Bus – was für ein Moloch. Endlich erreichen wir die Autobahn A2 nach Constanta und das TomTom zeigt wie immer unnamed road.

Die Autobahn führt erst durch üble Industrieruinen, doch je weiter wir von Bukarest wegkommen, desto angenehmer wird es. Rechts tauchen ein paar über und über mit Seerosen bewachsene Tümpel auf und in einem Flußbett sitzt ein alter Mann bei deinen Schafen. Ein schwarzes Pferd steht auch dabei – fast wie im Film. Die Sonne steht schon tief und alles leuchtet in gelblichem hellbraun. Wir rollen mit gemütlichen 85km/h dem nächsten Moloch entgegen. Ich sehe zu, wie die Schatten der Strommasten doppelt so lang werden wie die Masten hoch sind… endlich wieder Strecke, endlich kommen wir weiter.

Das Land ist wie gebügelt, die Straße auch. Felder, Felder, Felder – so weit das Auge reicht. Die Sonne ist nich nicht ganz weg, aber der Mond ist schon da. Wiesiek macht etwas zu essen, während wie weiter in Richtung Schwarzes Meer rollen. Kurz vor der Donau hat die Autobahn plötzlich Leitplanken, Blendschutz und sogar einen (noch geschlossenen) Rastplatz – man merkt sofort, dass man auf einem EU-Projekt fährt… Im Dunkel rollen wir an der Küste entlang und suchen nach einem Stellplatz für die Nacht. Irgendjemand schickt uns in eine Seitenstraße, dort könne man auf dem Strand stehen. Den Namen des Ortes werde ich nie vergessen: Vama Veche.

3 Comments

  1. September 27, 2007    

    Juchuu, endlich wieder gelP lesen :)

    Schön das es weitergeht :)

    Grüße

    Christoph

  2. September 28, 2007    

    Super, es geht weiter *thumbs up*

    Hätte ja nicht geklaubt, dass du nach dem Chat an dem Abend noch in die Tasten greifst.

    Nur, die Straßenköter sind ja jetzt weg 8O

  3. swolf swolf
    October 1, 2007    

    die super-Bilder suggerieren unberührte Natur – der Text ist dann wie ‘ne Klatsche mit nem nassen Lappen…im ehemalig deutschsprachigen Teil (Siebenbürgen, Hermannstadt) soll aber wohl einiges passieren.

    Lass uns nicht solange auf den nächsten Abschnitt warten;-)

    Werner

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