bla bla von ТИАГРА

Wir stehen am Strand des Schwarzen Meeres, kurz unter Constanta. Nach einer unruhigen Nacht im Schallgemisch mindestens dreier Bars, sind wir heute wie gerädert. Piotr und Dominik waren bis um 5 Uhr in einer der Bars und sind jetzt totale Wracks. Der Strand ist dicht an dicht mit Zelten bebaut, und um die Situation etwas aufzulockern, hat der Künstler mit gekonnter Leichtigkeit wahllos verkrampfte Schnapsleichen ins Bild gestreut. Nicht weit von hier, steckt ein dickes, rostiges Wrack im in der Morgensonne glitzernden Meer. Nähert man sich einer der Bars auf dem Strandweg, beginnt es alsbald komisch zu riechen und man erkennt schnell viele Haufen menschlicher Scheiße, garniert mit locker umherfliegendem Verpackungsmüll. Ein Rudel streunender Hunde hat ganz offensichtlich seinen Spaß. In der Morgensonne entdecke ich auf einem verblichenen Holzstapel eine wunderschöne, buntgefleckte Katze. Sie leckt sich gerade die Pfötchen und paßt so gar nicht hier her. Zurück am Bus bin ich froh, meine Sandalen an zu haben, denn eigentlich müßte man hier nach jeder Nacht mit einer Harke den Boden von benutzten Kondomen befreien…

vama veche

Um sieben wurde Dominik zwangsgeweckt. Piotr liegt im Schatten vor dem Bus im Halbkoma und behauptet auf Nachfrage ihm ginge es wunderbar. Er besteht – wie immer – darauf, selbst zu fahren. Da wir heute durch ganz Bulgarien bis nach Istanbul wollen, hoffe ich, dass er seine Meinung noch ändert.

black sea

Trotz allem, haben wir im Schwarzen Meer gebadet und uns notdürftig gewaschen. Um der Sache einen Sinn zu verleihen, baue ich mit Pawel eine Dusche hinter seinem Bus. Mit 5 Leuten verduschen wir 20l Süßwasser. Wenn wir bald in die Spur kommen, könnte ich das gute, saubere Gefühl bis ins Auto retten, bevor der Ort selber wieder durchbricht.

map

Bulgarien erreichen wir schon nach kurzer Zeit. Die Grenze ist absolut unspektakulär. Schön, wenn wieder kyrillische Buchstaben zu sehen sind und man wieder etwas versteht. Gleich viel besser. Um die Laune zu heben, sehen wir auch unseren ersten bulgarischen T3:

bulgarian t3

Als nächstes suchen wir uns eine Tankstelle, wo man ohne Seuchengefahr weitere Geschäftchen erledigen kann. Als Vorgeschmack auf den Ostblock fährt ein wunderbar orangener GAZ-LKW der Stadtwerke Varna vor und holt Diesel. Nebenan holt jemand Sprit für seinen Rasenmäher. Da er keine Kanister hat, werden einfach große Wasserflaschen befüllt. Man merkt, so langsam entfernt man sich von den Zwängen unserer geregelten Gesellschaft. Wir finden es großartig und lassen gut gelaunt 6 Deutsche Anhalter einfach an der Straße stehen.

gaz

sprit in wasserflasche

Unterwegs halten wir auch noch an einem Strand an und kochen gemütlich Nudeln, um dann vollgefressen im Meer zu baden. Wenig später sehen wir in einer kleinen Stadt einen Autoteilehändler und wollen mal nach einem Thermoschalter für den Kühler fragen. Die Auslagen sind voll mit VW-Teilen, sodaß wir guter Dinge sind. Die Verkäufer scheinen nicht so guter Dinge zu sein und ignorieren uns einfach. Egal wie wir es anstellen, Sie wollen uns einfach nichts verkaufen. Verwundert verlassen wir den Laden. Neben dem Parkplatz klebt ein Werbeplakat vergangener Wahlen: ATAKA! Vielleicht im nächsten Laden?

ataka

Im Süden wird das Land immer hügeliger und man fährt bald nur noch durch bewaldetes, schwer zugängliches Gebiet. Plötzlich sehen wir an der Straße eine Wasserstelle und wollen mal fix all unsere Kanister mit Süßwaser befüllen. Die Aktion zieht sich furchtbar in die Länge, denn das Wasser läuft nur sehr spärlich. So verbringen wir fast eine Stunde mit Warten neben der Quelle…

wasserholen

Wir kommen dann auch recht fix in Richtung Türkei, doch kurz vor der Grenze halten wir noch einmal an einer Tankstelle an, um billigen Sprit zu bekommen. Die Frau an der Tankstelle ist offanbar alleine und reagiert sehr böse, als einer von uns ihren kleinen Laden betritt während sie draußen unsere Busse volltankt. Offenbar wird hier einfach nur geklaut was das Zeug hält. Verwundert kucken wir ihr beim Tanken zu und erklären ihr mit Händen und Füßen, dass die letzten 10l bei diesem Auto immer etwas länger dauern. Nun gut, solange wir alle um sie herumstehen ist sie zufrieden und hat alle Zeit der Welt. An der Straße in Richtung Grenze hält gerade ein Landrover der Grenzpolizei und zwei Polizisten bereiten sich mit Warnweste und Kelle auf ein paar Polizeikontrollen vor. Von der Tankstelle aus beobachten wir sie heimlich mit einem Fernglas und sind total aufgeregt: Unsere erste Polizeikontrolle! Die sind bestimmt voll die Abzocker!! Wir haben etwas Schiß, aber wir können es nicht lassen: Die Videokamera wird auf dem Dach in einem alten Schuh angebracht und mittels T-Shirt getarnt.

camera im schuh

camera im schuh 2

Wenn wir schon abgezockt werden, dann bitte auf Video. Gesagt getan. Tanken ist inzwischen erledigt und wir rollen mit vorschriftsmäßigem Blinken und extra langsam auf die Straße. Übervorsichtig rollen wir Richtung Kontrolle und… nichts. Gar nichts. Nicht einmal angekuckt haben Sie uns! Wir sind einigermaßen enttäuscht und bauen die Kamera an der nächsten Kreuzung wieder ab.

Die türkische Grenze ist recht unspektakulär, zumal ich einen Deutschen Paß habe. Unsere Polen mußten für $15 ein Visum kaufen, aber das war bis auf ein paar Sprachprobleme nicht weiter schwer. Natürlich steht mitten auf dem Grenzstreifen eine beleuchtete Atatürk-Statue. Willkommen in der modernen Türkei.

grenze turkey

Irgendwie schlagen wir uns auch noch bis nach Istanbul durch und kommen dort mitten in der Nacht an. Wir haben von einem großen Parkplatz vor irgendeiner großen, berühmten Moschee gehört und wollen dort hin. Leider war noch niemand von uns je in Istanbul! An einer Mautstelle halten wir an und wollen LKW-Fahrer befragen. Die sind alle nicht so auskunftsfreudig aber komischerweisen sitzen an der ganzen Autobahn irgendwelche Menschen an der Böschung und machen Picknick. Oder so. Na jedenfalls sitzen hier überall Leute rum und man ist sehr hilfsbereit. Sogleich ereilt und das größte Problem unserer gesamten Türkeierlebnisse: Ohne Türkisch bist du erschossen. Es ist wirklich zum Piepen. Mit Händen und Füßen und einer künstlerisch gestalteten Karte der Innenstadt aus unserem Reiserführer erklären wir unser Ziel. Letztendlich hat es keinen Sinn. Ich nehme mir das Buch zur Hand – es ist auf Polnisch – und suche nach dem Beschreibungstext für die Moschee. Irgendwann ist der gefunden und es steht tatsächlich eine Straße dabei. Nicht, dass man die jetzt einfach in das TomTom eingeben könnte, aber mittels der Karte aus dem Buch und einem Vergleich mit der Karte im TomTom konnte ich ungefähr die Stelle ausmachen. Hier setzt man dann einfach einen Favoriten und navigiert sodann zu selbigem. Diese Methode hat sich sehr bewährt. Straßennamen sind unbekannt, aber Straßen sind bekannt und folglich navigierbar!

Wir fahren durch ein Gewirr von Autobahnauf- und abfahrten und Landen schließlich vor einer dicken, fetten Sackgasse mit Wendeschleife. Das TomTom zeigt 500m bis zum Ziel, nur darf man hier nicht mehr fahren: Fußgängerzone. Wir sind schwer begeistert. Ein paar Taxifahrer sind sehr hilfsbereit und verstehen was wir suchen: Einen Platz zur Übernachtung im Auto. Der erste ist ein Scherzkeks und zeigt uns viele freie Parkplätze in einer Seitenstraße. Das ist alles ganz wunderbar, doch leider geht die Straße bergab wie die Laderampe bei Lidl. Der nächste Taxifahrer will uns zu einem Otopark gleich neben der großen Polizeidienststelle führen. Wir fahren nach seinen Angaben quer durch Istanbul und sehen kein Stück Polizei. Langsam geht uns Istanbul mächtig auf die Ketten, als wir zufällig an einem bewachten Parkplatz vorbeikommen, wo tatsächlich noch jemand im Wärterhäuschen sitzt. Das Preisschild läßt 8 Türkische Lira für 24 Stunden erahnen und der Wächter ist sehr nett. 2 Minuten später läuft auch schon unser Duschwasser quer über den Parkplatz und der Mond schimmert in der Riesenpfütze. Endlich im Bett. Morgen wollen wir uns Istanbul ansehen. Den Parkplatz habe ich für’s nächste Mal gleich als Favoriten gespeichert…

4 Comments

  1. swolf swolf
    October 2, 2007    

    na bitte – geht doch;-)))

  2. October 2, 2007    

    klar, wenn ich heute abend wieder einen eintrag schaffe… ich sollte mal früher von der arbeit nach hause gehen :P

  3. October 2, 2007    

    will noch mehr davon …
    im übrigen schreibst du echt gut. hattest wohl bei aufsätzen immer gute noten? :D

  4. September 8, 2011    

    Next time when you are in Bulgaria near Burgas, call me foru support and beer :) +359 888 417 383.

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