bla bla von ТИАГРА

Es ist 2:45 nachts und ich vermisse mein Portemonaie. Heute um 10 wollen wir endlich mit fast 10 Tagen Verspätung Richtung Baltikum und Kola aufbrechen und jetzt fehlt das verdammte Ding. Noch einmal Nachdenken: In der Werkstatt Ersatzteile und Werkzeug eingeladen, dann aus der Wohnung Klamotten und Kühlbox geholt, auf dem Weg zu Mama bei McDonald’s schnell etwas eingeworfen und dann ab in die Garage um letzte Vorbereitungen am Auto zu treffen. Später die 2 verschiedenen GPS-Tracker konfiguriert und alle wichtigen Personen zu deren Benutzung eingeladen. Alles gut.

Werkstattromantik spät nachts...

Nur wo ist das verdammte Portemonaie? Alle Dokumente sind da, Visum im Paß, Autoversicherung für Russland wollen wir uns direkt an der Grenze kaufen, da Russland auf sämtlichen grünen Karten gestrichen wurde. Die HuK hat mir heute zusätzlich noch eine Kasko-Versicherung aufgrund des Wertgutachtens für meinen Syncro verwehrt, sodass ich über die installierten GPS-Tracker doppelt froh bin. Eigentlich ist es auch kein so großer Unterschied, da die Versicherung in den relevanten Gebieten (Russland…) sowieso nicht gegolten hätte und die an der Grenze nachgekaufte nur eine Haftpflicht beinhaltet – also: Auto nicht aus den Augen lassen.

Ich werfe mich in das gepackte Auto und rase zur Werkstatt. Die Stirnlampe war schon eingepackt, also suche ich damit jeden Zentimeter nach dem verdammten Portemonaie ab – Nichts. Ich fahre noch einmal in meine Wohnung. Von meiner Mitbewohnerin hatte ich mich eigentlich schon verabschiedet, da bin ich wieder – morgens um halb 4. Aber auch hier ist nichts zu finden, außer ein völlig verkramtes Zimmer, welchem in aller Eile aus jeder Ecke ein paar wichtige Reiseutensilien entrissen wurden. Hinter der Kühlbox (gut, woanders auch…) lag schon Staub – ich sollte öfter reisen.

Bei McDonald’s machen sie gerade sauber, aber niemand will mich sehen. Ich laufe wild gestikulierend durch den McDrive, bis mich endlich jemand sieht. Ich muß furchterregend dahergekommen sein, denn die Frau hat panische Angst und so schreien wir uns durch die Scheibe an. Sie versteht mich nicht. Irgendwann öffnet sich der Spalt am Schalter für einen Millimeter und ich kann ihr mein Anliegen mitteilen. Ihr Gesicht entspannt sich merklich. Ich will ihr nicht das Portemonaie rauben, sondern frage höflich nach dem Verbleib meines eigenen. Sie ruft nach hinten und die Antwort kann ich auf ihrem Gesicht schon ablesen: Nichts. Wo zum Geier…

Enttäuscht und sauer trete ich wieder ins Zimmer und überlege was ich denn Schlaues in einer SMS an Stephan und Anne schreiben könnte, um irgendwie die Beantragung eines neuen Führerscheins und die weitere Reiseverzögerung zu rechtfertigen. Ich sacke auf dem Bett zusammen und denke noch einmal über den gepackten Bus nach. Mir kommt die Sparvariante des T3-Handschuhfachs in den Sinn: Ein simpler Kunststoffeimer, welcher mit ein paar Schräubchen direkt vor dem vorderen Querträger unterm Armaturenbrett baumelt – sozusagen die Krönung des Sparprogramms für Postfahrzeuge und ähnlich spartanisch zusammengeschossene Gruppenverkaufsobjekte. Ich renne zum Bus und greife in den Querträger: Das Portemonaie. Verflucht! Ab ins Bett, den Termin mit Stephan und Anne haben wir nicht verschoben – das kann ja heiter werden.

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