bla bla von ТИАГРА

Viiiieeel zu spät, treffen die beiden endlich bei meiner Mama ein. Natürlich waren wir schon seit Stuuunden wach und haben gewartet. Haha. Nun denn, technisch gesehen, sind wir ein Gespann wie es ungleicher nicht sein könnte. Eine Syncro-Rohkarosse auf etwas größeren Rädern und moderater Höherlegung, einem nicht-aufklappbaren Weinsbergdach und hurtig reingestellten Uraltmöbeln, einem TDi und keinem Radio steht ein voll ausgestatteten Multivan gegenüber, welcher auf 185er Reifchen von Sarahs Schlachtwesti durch die Gegend rollt, eben erst einen 2.0l Golf GTi Benzinmotor samt Edelstahlauspuffanlage verpaßt bekommen hat und nach 6-jähriger Standzeit und 500 Probekilometern das erste Mal wieder richtig rollt. Profigalaktisch hat Stephan seinem Schätzchen noch neue Radlager verpaßt und die Bremsen überholt. Hauptbremszylinder und Kupplungsgeber nehmen wir vorsorglich mit, wer weiß wie soetwas nach 6 Jahren Standzeit reagiert. Bei mir hat der Billigzylinder an der Kupplung keine 20tkm gehalten, also werfe ich auf die Schnelle wieder einen rein, das muss für die Reise reichen. Sarahs Syncro soll noch beim Karossoriebauer abgeliefert werden, damit er während der Reise ein paar Löcher verliert. An der ersten Tankstelle auf der Autobahn steigt sie schon total entnervt aus dem Auto: Scheibenwischer geht nicht mehr aus und jetzt startet die ganze Karre nicht mehr. Na das ist ja ein toller Anfang. Ein Griff hinter die Zentralelektrik fördert einen nur halb gesteckten Zentralstecker zutage und für Sarah ist die Welt wieder in Ordnung – zumindest bis zum nächsten Hügel, an welchem wir sie aber wohlwissentlich mit ihrem 69PS-Moppel nicht stehenlassen. Wir sind ja sooo nett. Wie sagt Kashi immer? “Jauchepumpe”. *kicher*

Diverse furchterregende Russlandratgeber haben uns zum Kauf von Feuerlöschern und diversen anderen angeblichen Pflichtuntensilien bewegt – was jedoch niemand von uns hat: Einen D-Aufkleber für’s Heck. Wir spekulieren auf die letzten Tankstellen vor Polen, doch daraus wird nichts. Schengen und die EU haben sämtliche D-Schilder verschwinden lassen.

Warten auf ein D-Schild...

Direkt nach der Grenze kommen die traurigen Überreste einstiger Schwarzmarkthöllen und eine solche ist unser erstes Ziel: D-Aufkleber! Nach einigem Suchen wird Stephan fündig und ergattert für den Traumpreis von 5 EUR ein magnetisches D-Schild. Preislich ein Schlag ins Gesicht, aber immerhin hat er einen Aufkleber! Sarah geht gleich ersteinmal verloren und so stinken wir uns mangels Absprache auch schon kurz an. Von meinem Papa habe ich mir 2 recht gute PMR-Funkgeräte ausgeborgt, welche wir jetzt für die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen nutzen. Über Chojna rollen wir in die polnische Pampa zur ersten Tankstelle. Billiger Sprit – der Reisegrund überhaupt! Bald fängt es an zu regnen, bald an zu schütten und nach kurzer Zeit regnet es nur noch Schweinebärchen. Die Straßen verwandeln sich bei diesem Wetter in abenteuerlicher Huckelpisten und wir verfluchen leise dieses grausige Land.

Wir können uns nicht so recht zu einem Stop entschließen und die Nacht wird immer dunkler. Es ist mittlerweile halb 12 und beiläufiges Stöbern auf der Osteuropakarte des TomToms fördert einen “Wohnmobilstellplatz” zutage – auf der letzten Halbinsel vor Kaliningrad, schlappe 150km vor uns! Kurz darauf bedeutet ein Pfeil auf dem Display energisch nach links in die Pampa und ich rolle bedenkenlos in die angegebene Richtung. Die Straße führt durch ein Dorf, führt aus dem Dorf, führt ins Feld und weiter ins nächste Feld. Wurzeln haben die 2m breite Piste in ein abenteuerliches Stück Untergrund verwandelt und so kriechen wir mit 30 durch die Dunkelheit. Stephans Stimme klingt leicht säuerlich aus dem Funkgerät, aber ich hoffe ihnen mit einem perfekten Wohnmobilstellplatz entgegnen zu können. Hoffentlich der letzte vor Russland, harhar.

Wir warten auf den Multivan, weil Stephan inzwischen Schrittgeschwindigkeit fährt, um sich nicht den kompletten Bauch aufzureissen. Insgeheim freuen wir uns tierisch über die Abwechslung, den gerade erst neu montierten Unterfahrschutz mit Zusatzplatten unter Getriebe und Kardanwelle. Die Karte im Nachtmodus zeigt einen Fluß und unsere Route mittendurch. Brücke also. Hier in der Pampa? Gut, der Weg verwandelt sich in Schlamm und Loch, wir brechen durch ein unbefestigtes Flußufer und ich warte darauf, dass mir ein aufgeschreckter Kaiman die Frontscheinwerfer zerschlägt- Ah nee, falscher Film. Also jedenfalls ist es schlimm. Zumindest für Stephan und Anne. Warum? Es gibt keine Brücke! Wir stehen mit der Stirnlampe am schlammigen Ufer und leuchten über’s Wasser. Gesprochen wird nicht mehr viel, vielleicht fängt man sich ja eine vom Gegenüber? Wir schlagen vor, mit dem Syncro dem bis zur Unkenntlichkeit verschwindenen Pfad am Ufer zu folgen, um vielleicht doch noch eine Brücke zu finden – “Zur Not ziehen wir Euch da durch!” Denkste. Nach 300m steckt die Karre knöcheltief im Flußschlamm und wir wühlen uns mit Allrad und Sperre wieder zurück zum Ausgangspunkt. Schwein gehabt. Irgendetwas macht bei belastetem Allrad unter der Vorderachse laut schlagende Geräusche, aber auf der Straße läßt sich das nicht reproduzieren. Egal, es ist dunkel und naß, weiter geht der wilde Ritt.

Auf Umwegen finden wir morgens um 4 endlich auf die gewünschte Halbinsel und fallen aus allen Wolken. Hier ist Ballermann 7 angesagt, alles voller Hotels und die Küste komplett zugebaut. Natürlich sind alle Campingplätze zu und zur Feier des Tages fallen bei Stephan das Abblendlicht und der Scheibenwischer aus. Stephan hat jetzt so richtig sein Fett weg. Wie Anne das bis zum Morgen wieder hinbekommen hat, kann man nur vermuten… Wir schlafen direkt an der Küste auf einem Parkplatz mit Parkuhr. Ein paar polnische Münzen retten uns vor dem frühen Aufstehen. Gute Nacht.

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