bla bla von ТИАГРА

Der Lärm rings um die Busse nimmt proportional zum Sonnenstand zu, sodass wir gegen 11 aus dem Bett getrieben werden. Sarah war vorsorglich schon mal 2h früher aufgestanden, um die beiden Parkuhren erneut für einige Stunden zu befriedigen. Während sich die Damen spontan zur Strandbesichtigung bereit erklären, wollen wir uns dem Problem des fehlenden Lichtes annehmen. Inmitten von fliegenden Händlern, Strandbesuchern und einer auf einem alten Traktor basierenden Touristen-Bimmelbahn, wälzen wir die Schaltpläne. Gelangweilte Kinder schlendern ihren fetten Eltern zum Strand hinterher, während diese argwöhnisch unser Treiben im Augenwinkel beobachten.

Der Parkuhrparkplatz

Polnische Strandschönheiten gibt es keine zu sehen, und so haben wir das Elektrikproblem schnell eingekreist. Der Zündanlassschalter sollte es sein, jener, der zu Hause in meiner Ersatzteilkiste liegt – extra gekauft für Reisen. Der Motor läuft noch, also müssen ja wenigstens die Klemme 50 (Anlasser) und Klemme 15 (Zündungsplus) intakt sein – der dreistufige Schalter ist also nur zu zwei Dritteln über den Jordan. Der fehlende Kontakt sorgt u.a. für Saft auf dem X-Relais und den Scheinwerfern, sodaß wir kurz entschlossen ein weiteres Relais an die Klemme 15 hängen und damit ein neues, geschaltetes X erzeugen. Papas Lötkolben am 150W Spannungswandler funktioniert prächtig, so schnüffeln wir alsbald Kolophonium in der Morgenluft. Die ehemalige Innenraumbeleuchtung meines Messgerätetransporters spendet noch die 2 fehlenden Kabelschuhe und schon fließt wieder ordentlicher Saft zu Stephans Schweinewerfern. Tag gerettet. So nebenbei habe ich auch mal unter die Vorderachse gesehen: Ich habe den Bolzen des vorderen Getriebelagers verloren, beide Lagerhälften samt Unterlegscheibe sind aber noch da. Kein Wunder, dass da etwas schlägt – muss wohl irgendein Idiot im nächtlichen Wahn die Schraube nur locker reingesteckt haben. Man man man, Schlamperei. Stephan flickt das Ganze mit ein paar Stücken Schweißdraht zusammen, der nächste Baumarkt soll’s dann richten. M10x90 sagt der Laptop, das sollte ja machbar sein.

Die Mädels tapern tropfnass aber glücklich zurück zum Parkplatz – sie waren im Meer baden. Da wir unsere Aufgabe erledigt haben, dürfen nun auch die Jungs zum Strand. Dort angekommen, zollen wir den Gebadeten gerne Respekt und verschieben unsere Badeaktion auf später – ist doch schweinekalt hier! Ich halte Papas geborgte Nikon D90 in alle möglichen Richtungen und verzweifle am Autofokus, welcher sich nicht zur angedachten Funktionsweise überreden läßt. Zwei Fischer friemeln an ihren Netzen herum und zeigen dabei ihre gebräunten Oberkörper. Meine Kameraexperimente werden nicht ohne stolz geschwellte Brust heimlich genossen – dabei mache ich gar keine Bilder… Weiter oben treffen wir auf ein jämmerliches Exemplare des kleinen UAZ-Bus, sodass Stephan auch endlich in den persönlichen Genuß dieses (an anderer Stelle schon beschriebenen) russischen Kleinbusurgesteins kommt. Der Zustand ist leider kein Zustand mehr, aber trotzdem erhellt diese Begegnung den zu Regen neigenden Tag. Mit den ersten Tropfen steigen wir in den Bus und rauschen vorbei an Tüten-bewehrten Souvenirständen wieder Richtung Festland.

Strand mit Wetter

Ein UAZ, der es hinter sich hat...

Vorbei an Fischverkäufern geht es in die Masuren. Die Straße ist eine einzige Baustelle und man fährt Schlangenlinien um Sandhaufen und Schlaglöcher, aber das sind wir ja gewohnt. Auffällig beschäftigt sind die Menschen, Polen lebt! Mein letzter Eindruck war irgendwie trister, vergammelter und hoffnungsloser. Hier zeigt sich genau das Gegenteil: An allen Ecken und Enden wird emsig bewegt und geschoben, man arbeitet am Detail des Hauses und es sieht so aus, als hätte das Leben eine Richtung. Nichts mit verwahrlosten Dörfern und vor den Häusern sitzenden, dumpf dreinblickenden Menschen, wie man sie vielleicht in der hinteren Slowakei oder Teilen Rumäniens gesehen haben mag. Es macht Spaß durch die Landschaft zu fahren und man erfreut sich an der herrschenden Aktivität.

Landschaft...

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen bis nach Litauen zu fahren, aber kurz vor der Grenze überfällt uns die Unlust und wir streben einen Schlafplatz an. Wir biegen wahllos in eine ruhig aussehende Straße ein, welche sich alsbald zu einer Fahrspur durch einen Wald verändert. Genauer gesagt ist es ein Forst, wie die Dame vom Fach auf dem Nebensitz erklärt. Wir kurven also so durch den Forst, das Funkgerät im Griff, wägen eine Möglichkeit nach der anderen ab und kommen schließlich inmitten des Forstes an einem fast stillgelegten Weg zum Stehen. Es ist mittlerweile sackdunkel und die Lampen an unseren Stirnen werfen ein unwirkliches Licht. Ich stapfe noch ein wenig mit der Kamera und dem Stativ durch den Wald und versuche die Situation einzufangen, aber das Scharfstellen gestaltet sich schwierig und so entsteht nicht viel mehr als ein Haufen Pixelabfall. Das Stativ hat bei der Rüttelei einen Fuß verloren, aber darum kümmere ich mich morgen. Die Nacht ist ruhig und wir danken erstmals der Standheizung für ihre Dienste – endlich Sommerurlaub.

gelP

blauer Tupperbus

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