bla bla von ТИАГРА

Nach dem Aufstehen registrieren wir uns, denn die Dusche lockt und wir wollen einen Tag Ruhe einlegen, damit ich noch liegengebliebene Arbeit erledigen kann. Das kostenlose Wlan paßt natürlich perfekt und so kann ich nach einigen Stunden am Laptop die letzte Last von mir schicken. Der GPS-Tracker wird erstmals ausgelesen und hat vorbildlich seinen Dienst verrichtet. Ich freue mich und Willy freut sich noch viel mehr, denn der wußte das schon vorher. (* An dieser Stelle mögen die geneigten Leser einfach schnell weiterlesen, Willy wird es aber verstanden haben :))

Der ausgesuchte Platz erweist sich als sehr sonnig, direkt am Kanal, allerdings hat er auch einen Nachteil: Genau am gegenüberliegenden Ufer steht ein großer Steinbrecher, welcher von morgens bis abends große Steine in kleine Steine verwandelt. Da wir hier nicht im Zauberwald vom Herrn der Ringe sind, macht das auch einigen Lärm. Nach einiger Zeit kompensieren wir selbigen irgendwo zwischen Ohr und Denkzentrum und der Tag wird ganz gut. Auf dem Fluß werden Ruderer von ihrem zickig klingenden Trainer im Motorboot auf und ab gescheucht. Einer, Zweier, Vierer, alles dabei. Eine Trainerin ist auch dabei, die scheint netter zu sein. Sie fährt auch nur ein kleineres Schlauchboot und lacht zwischendurch, da macht das Zukucken doch gleich viel mehr Spaß.

Weil es auf dem Campingplatz so schön ist, haben Stephan und Anne irgendwem im Ort ein paar Lachssteaks abgequatscht, welche nun gegrillt werden sollen. Ich bin noch etwas mit der Arbeit beschäftigt und allgemein nicht so richtig dabei, und so machen sich die anderen daran den Grill für die Orgie vorzubereiten. Eine schwer durchdachte Konstruktion aus Grillrost, Alufolie und Hoffnung läßt abenteuerliche Ergebnisse vermuten, doch… Letztendlich sitzen wir am Kanal und essen die überraschend gut gewordenen Lachssteaks – das hatte wohl niemand erwartet. Eine fette, schwarze Katze streicht und um die Beine, weigert sich aber gekonnt mal so richtig gestreichelt zu werden. Das Biest ist so verwöhnt, dass wir ihr die gebratenen Lachsstücken förmlich hinterhertragen müssen, wobei sich Stephan mit besonderem Eifer um das leibliche Wohl dieses Geschöpfes kümmert. Diese Katze sucht sich von jedem der Anwesenden Reisenden das Beste aus, da sind Lachssteaks eher untere Kategorie. Was essen die anderen wohl? Getrüffelte Kalamari in Schokoladensoße?

Neben uns fährt ein finnisches Wohnmobil auf. Es entsteigt dem Fahrersitz eine kleine Gestalt mit zurückgegelten Haaren und Glitzerweste. Seine Augen blitzen wie bei Asterix und es ist sofort klar, dass er in diesem Haufen das Sagen hat. Dem hinteren Teil entfleuchen noch ein paar Finnen und man macht sich unter fachkundiger Anleitung daran, das Campinggerümpel aufzubauen. Der Chef bekommt als erstes seine Dose Bier gereicht und stellt sich demonstrativ neben die lustige Schar. Einen Hund haben sie auch dabei, welcher allerdings die besten Jahre deutlich hinter sich hat. Es ist jene Art Hund, welche schon als Jahreswagen als Ofenrohrreiniger verschrien sind. Unser Exemplar besitzt aus unerfindlichen Gründen keinen Schwanz mehr, hat kaum noch Fell und ein einzelner Zahn ragt furchterregend aus dem Maul. Zum Weinen.
Beim kleinen Finnen erlischt so langsam das Licht in der Birne, weshalb ihm die Mannschaft wieder ein Döschen reicht. Es blitzt kurz, und er ist wieder voll da. Ein Mädchen ist übrigens auch dabei, aber noch trinkt sie nichts. Als alles aufgebaut ist, rückt die komplette Mannschaft ab. Wir vermuten: Nachschub holen.

Mit der Zeit wird uns klar, dass die Gegend total mit Mücken verseucht ist, und so packen wir das mitgebrachte Moskitonetz erstmalig aus und zimmern es mit ein paar Magneten kastenförmig über das Bett. Das sieht sehr professionell aus und scheint auch gut zu funktionieren. Mückenstiche haben wir nun trotzdem, aber wir gehen dennoch zufrieden ins Bett. Morgen soll’s bis zur russischen Grenze nach Narva gehen, alles weitere ist offen – wer kann schon die Grenze zeitlich vorher abschätzen…

Der Kanal von Pärnu, Estland

Die Nacht ist unruhig, denn die Finnen saufen wie die Löcher. Das Mädchen fängt mitten in der Nacht laut an zu weinen, und wir fragen uns, welche Emotionen die leztzte Dose Bier da wohl hervorgeholt hat. Sarah und Anne treffen sich morgens um 3 vor dem Bus zum Rauchen, an Schlafen ist bei diesem Lärm ja nicht zu denken. Stephan steht nachts noch einmal auf, spaziert wortlos zu den Finnen, und versucht ihnen ohne Worte und durch einen eindringlichen Blick die Situation näher zu bringen. Es hilft nichts. Später versucht Sarah es noch einmal mit Worten, das hilft. Etwas. Stephan meint, in Schweden werden die Finnen als die Russen des Nordens bezeichnet – warum nur?

1 Comment

  1. Willy Willy
    August 30, 2010    

    Willy hat verstanden ;)

    Aber Willy wundert sich, warum es hier keine Tracks gibt ;)

    Ansonsten wie immer: grosses Kino!

    Man kommt sich vor wie ein Beifahrer und malt sich das Geschilderte farbenprächtig aus ;)
    Wenn ich nicht wüsste, dass der gelPe keinen 3. Sitzplatz hätt, würd ich sagen mitten drin statt nur dabei ;)

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