bla bla von ТИАГРА

Als wir aufstehen, ist draußen schon reges Treiben. Über Nacht haben sich noch 4 weitere Wohnwagen zu uns gesellt und da steigt man munter ein und aus. Das berühmte Schiebetürgeräusch, welches man von Bustreffen schon kennt, fehlt hier gänzlich. Stattdessen gibt es erst ein kurzes Klopfen, dann ein Klicken, und dann ein dumpfes Schlagen. Warum? Der Mann steht draußen und will rein. Dazu stellt er einen Fuß auf die quietschbunte Kunststofftrittstufe und klopft an die Tür. Nun ertönt von drinnen ein zustimmendes oder ablehnendes Geräusch, welches sich vielleicht mit dem Knurren einer vollgefressenen Säbelzahntigerin vergleichen läßt. Die Tür wird geöffnet, der Fernfahrerhintern für den Bruchteil einer Sekunde auf Zargenbreite zusammengezogen und man ist drin. Danach fliegt die Tür mit einem gekonnten Schwung ins Schloß. Etwa so, wie die Altpapiertonne zu Hause, nur noch pappiger.

Aus eine ebensolchen Tür erscheint nun eine strubbelige Gestalt mit einer Wäscheleine in der Hand. Nach einem Meter strafft sich die Leine und es erscheint eine schwarz glänzende Katze auf dem Treppenabsatz, die sich völlig verängstigt gegen die Leine um ihren Hals wehrt. Zwangsweise wird sie nach draußen befördert, die Frau reicht schnell noch den Katzenkäfig nach. Jetzt wird das arme Vieh einmal um den Wohnwagen geführt, wobei alle 2m angehalten wird, um die bereits zugezogene Schlinge um den Hals leicht zu lockern. Es ist eine wirklich hübsche Katze, welche jetzt, ängstlich um sich blickend, vorsichtig um den Wohnwagen schleicht. Sie entdeckt hohe Grashalme und stapft darauf zu, doch die Leine hält sie kurz vor dem Verlassen des Schotterplatzes zurück. Das bedauernswerte Vieh darf sich nicht dreckig machen und geschissen wird gefälligst auch zu Hause auf der Plastetütte, gefüllt mit saugfähigem, schneeweißen Katzenstreu. Am liebsten würde ich jetzt jemanden erwürgen. Nach der Runde um den Wohnwagen kommt die Katze wieder in die Kiste und selbige verschwindet im Kofferraum eines Tiguan. Problem erledigt. In weitere Wohnwagen regt sich etwas und ich weiß, wir müssen dringend hier weg. 15min später sind wir auf der Straße und rollen Richtung Westen.

auf dem weg zum nordkap auf der 98

Bevor wir am Nordkap aufschlagen, müssen wir aber definitiv noch eine Dusche auftreiben und so beschließen wir, einfach an einem x-beliebigen Campingplatz zu fragen.

In Lakselv soll es eine Tankstelle geben, sie ist bereits ausgeschildert. Da wir unseren Reservekanister ja kurz vor der russischen Grenze bereits geleert hatten, ist es jetzt schon ein etwas komisches Gefühl, wenn sich die Nadel der Tankanzeige tapfer auf dem Weg in den roten Bereich befindet. Kurz vor der Tankstelle kommt ein Campingplatz, doch wir wollen erst tanken und später noch einmal zurkückkommen. In der Tankstelle kaufen wir auch gleich die einzige Norwegenkarte weit und breit: Schön bunt mit touristischen Attraktionen und kaum Straßen. Oh je.

Einige Kilometer später fällt uns auf, dass wir den Campingplatz vergessen haben. Nur wenige Augenblicke später sticht uns ein sehr tiefer, türkisfarbener T3 ins Auge, welcher links an der Straße steht. Wir halten an und stellen uns daneben: Mitten auf den Vorplatz einer Campingplatzrezeption – wenn das kein Zeichen ist? Wir sehen noch keine 5 Sekunden auf den fremdartig anmutenden Bus, da hat auch schon ein Mann unser Interesse bemerkt – ob uns das Auto denn gefallen würde? Wir lügen ein wenig und schon schlägt er uns vor, doch mit ihm zu tauschen. Aha, er ist also der Besitzer des Busses und die süßen Kleinen sind seine Kinder. Dann kommt das übliche Beschnuppern: Warum sind eure Räder so groß, warum is dein Bus so flach, usw. Er zeigt uns die komplett in Kuhfell ausgekleidete Inneneinrichtung und auch die dicke Anlage im Kofferraum, welche vom Kettensägeverkäufer im letzten Baumarkt konzipiert worden sein muss. Seine Kinder würden den Bus lieben und seit er ihn vor 2 Jahren für 12000NOK gekauft habe, würde er einfach nur problemlos fahren. Was fährt er? Lachs. Ja, der Mann fährt Lachs aus. Das geht im Gespräch ersteinmal so unter und ich erwähne beiläufig, dass wir eigentlich hier sind, um nach der Dusche zu fragen. Er fragt uns, ob denn 50NOK ok seien? Huch?! Der Mann ist der Besitzer des Campingplatzes!

Er zeigt uns das kleine Badehaus, welches wir ganz für uns alleine haben. Hinter dem Haus bewundern wir einen reißenden Fluß, als welchem er augenscheinlich die Lachse zieht. Die Saison sei vorüber, aber er holt ein kleine Exemplar aus der Kühltruhe auf der Veranda: Das sei nur ein 9kg-Exemplar, aber trotzdem der größte, den ich je gesehen habe. In einem kleinen Verschlag liegen geräucherte Lachse in allen Größen und es duftet nach dem Räucherofen nebenan.

Wir duschen ausgiebig bis das warme Wasser sich dem Ende neigt. Mein Bart ist schon so lang, dass die Rasur mit dem Einwegrasierer zum Blutbad gerät. Ich entkomme der Schlacht nur mit schweren Verlusten und so rollen wir alsbald fröhlich blutend gen Nordkapp.

lakselv

elchiiiiis

Der T3-Fahrer sprach irgendetwas von “teuer”, was sich auch schnell bewahrheiten sollte. Der Tunnel, welcher die Nordkapinsel mit dem Festland verbindet kostet schlappe 192NOK. Gut, muss man mal investieren, dafür sehen wir jetzt das Nordkap. Ein paar Australier auf Weltreise begegnen uns in ihrem Landcruiser, da will man auch sofort weg. 2km vor dem eigentlichen Nordkap kommt plötzlich wieder eine Mautstation. Jenseits 200 Kronen Eintritt für’s Nordkap an sich. Wir sehen uns um: Nebel, Regen, überall Nordkapp.

nordkap

Schnell beschließen wir, dass man für weitere 200 Kronen auch nicht mehr Nordkap bekommt und drehen direkt vor der Mautstation um. Die Australier können sich das natürlich nicht entgehen lassen und zahlen fröhlich. Leicht angesäuert rollen wir auf der Insel umher, als plötzlich eine Fahrspur rechts in die Pampa abzweigt. Ohne Worte ist schnell klar, das ist unser Nordkap. Allrad rein, ab durch die Mitte.

unser nordkap

Wir fahren vorbei an mümmelnden Rentieren und kleinen Bächen, immer höher in Richtung eines Hügels. Unterwegs füllen wir die Wassersäcke auf und merken, dass es doch eigentlich schweinekalt da draußen ist. Der Hügel ist mit komischen Anlagen bebaut und wir kraxeln immer der Spur folgend über fettes Geröll. Selbst die hintere Differentialsperre muss hier mal ran – die hatten wir bisher noch nie gebraucht. Kurz unter dem Gipfel endet die Fahrspur auf einer Schotterpiste, welche laut Navi nur 300m waagerechte Luftlinie von der eigentlichen Staße entfernt ist – nur eben 800m zu hoch. In einer Biegung auf dem Weg nach unten wird dann auch schnell klar, warum wir hier so alleine sind: Militärstraße, nur für authorisierten Verkehr. Ooops. In der Pampa stand davon aber nix, können wir ja nichts dafür, dass wir oberhalb dieses Schildes herausgekommen sind. Also schnell ein Foto davon machen, fotografieren ist hier ja auch gleich mal verboten. Erinnert alles sehr an Rußland, das Militär ist doch überall gleich komisch…

ooops

Wie wir so glücklich über das erfrischende Zwischendurch im sonst so zivilisierten Norwegen auf der Straße gen Tunnel rollen, kommt uns wieder die Mautstation in die Quere. Man möchte vermuten, dass man jetzt einfach durchfahren kann, doch weit gefehlt: Auf der Rückfahrt bezahlt man gleich noch einmal die 25 EUR. Das schlägt doch dem Fass den Boden aus. Auf der Rückfahrt wollten wir eigentlich noch einmal kurz vor Lakselv auf dem Campingplatz Lachs essen, aber jetzt hat Sarah Bauchschmerzen und wir sparen uns das. Wenigstens fotografieren wir noch das Schild mit der Adresse drauf, damit wir dem netten Mann später ein Foto schicken können. Sarah bekommt noch einen Tee verordnet, den sie allerdings alsbald wieder ins Gebüsch trägt. Wir schlafen dann auch irgendwo in selbigem und hoffen auf den nächsten Tag.

1 Comment

  1. RL RL
    January 22, 2011    

    Hallo, eure Tour ist echt eine tolle Sache. Ich werde eine ähnliche Route diesen Februar fahren. Jedoch “leider” mit einem “normalen” T3 Kasten. Bin ja mal gespannt. Ich hoffe auf weniger Touris, aber im Winter hat man da sicher seine Ruhe. Das “Nordkapp” sparen wir uns aus Kostengründen…..

    Grüße aus Bayern!

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