bla bla von ТИАГРА

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Orientexpress

Visa warten nicht, Omas auch nicht. Also, auf nach Saarbrücken, Schokolade einladen und essen. Gefühlte 200kg schwerer verlassen wir das dortige Sofa mit allen nur erdenklichen Wünschen und fahren endlich los. Na zumindest loser, denn jetzt geht es endlich in die passende Richtung: Nach Südosten.

Auf der Autobahn hat die Kiste gesoffen wie ein Loch, noch dazu geräuchert wie ein Kohlekraftwerk und wir überlegen krampfhaft, was wir denn falsch gemacht haben könnten. SMS gehen zum Motorbauer, der Kopf arbeitet, nix. Alles richtig, da kann gar nix kaputt sein. Oder doch? Sensor hier, Sensor da, könnte, hätte, vielleicht. Wir halten bei unserem Oberunterstützer in Zweibrücken an, laden noch mehr Ersatzteile ein, ergattern einen weiteren Laptop für Pakistan und legen seinen Privatbus lahm – seinen guten Luftfilter bekommen wir mit auf die Reise. Mehr Luft gleich weniger Ruß, so die Devise. Also auf nach Österreich.

Wir verbrauchen schon weniger, nicht ganz zufriedenstellend, aber es geht in die richtige Richtung. Nachts um 2 schlagen wir irgendwo bei Linz auf und treffen den großen Pakistankenner Mukti. Er hatte uns einst in der Küche einen Privatvortrag über Pakistan gehalten und die letzten Ängste beseitigt. Er hat außerdem zusammen mit anderen einen Verein zum Bau einer Schule in einem flutgeschädigten Dorf in Pakistan gegründet und schon viel Zeit in diesem Land verbracht. Zu eben jener Schule bringen wir Material und mit dem Neffen des Schulleiters werden wir außerdem Pakistan erkunden und Kleiderspenden verteilen. Jetzt also letzte Tips zur aktuellen Situation im Karakorum-Gebirge und dem Weg dorthin, wir bekommen eine Pizza und eine CD mit indischer Entspannungsmusik von ihm geschenkt- das ist Mukti. Danke für alles, und schon sind wir auf dem Weg. So richtig weg sind wir doch nicht, denn wir schlafen gleich an Ort und Stelle – mit einer kurzen Unterbrechung, denn Mukti hat seine Mütze vergessen :)



Über Wien geht es nach Budapest, dann ganz in den Süden über Szeged und in einem wilden Ritt durch Rumänien. Der Hintern von Ungarn sieht schon ziemlich rumänisch aus, Rumänien selbst überrascht (im Gegensatz zum letzten Eindruck von vor 5 Jahren) mit aufgeräumten Straßen, blitzsauberen Dörfern und einer Menge hübsch restaurierter Kirchen. Natürlich sollte man nicht zu weit abseits der Hauptstraße fahren… Die Wege zwischen den fast nicht vorhandenen Autobahnstückchen sind nicht weit, aber unendlich lang und anstrengend. Wir verbingen 16h im Schneckentempo, aber das macht sich bezahlt: Der Bus verbraucht jetzt weniger als er leer vor der Reise je verbraucht hat, jetzt sind endgültig alle Sorgen verschwunden. Offenbar hängt der Verbrauch bei einem 3-Tonnen-Gefährt proportional an der Geschwindigkeit. Gut zu wissen, dass zwischen 15km/h 3-4l liegen. Wir schlafen wohlgeordnet durch das Personal auf einem LKW-Parkplatz und wachen bei bester Sonne auf. Natürlich ist es schweinekalt, aber das Anzeigemodul der Solaranlage vermeldet den bisherigen Rekord. Wir werfen uns eilig auf die Sitzheizungen – deren Einbau wir absolut nicht bereuen… – und brennen Richtung Bukarest.

Wir wollen eigentlich direkt bis Istanbul kommen, aber mehr als 1000km sind unter diesen Umständen selbst für zwei Fahrer zu viel. Sarah ist vom Zusehen so überanstrengt, dass sie heute keinen Meter fahren kann :) Wir fahren auf dem letzten Tropfen nach Bulgarien und saugen den billigen Sprit in uns hinein. Wie wir da so saugen, fotografieren Jugendliche den Tigerbus, Sarah muss natürlich auch mit drauf. Kaffee einladen und auf nach Burgas, den DJ treffen.

Der DJ hat sich irgendwann vor Monaten im Blog gemeldet, als er Wind von unserem Vorhaben bekommen hatte. Unbedingt besuchen, Bier und überhaupt. Gut, genau das haben wir gesucht. So kommen wir – wiederum morgens um 2 – an einer Tankstelle in Burgas mit einem total durchgeknallten Typen zusammen, DJ Ivan Todorov. Quietschvergnügt macht er eine Expressführung ans Schwarze Meer, schiebt und Pizza in den Bus und entlässt uns wieder in die dunkle Nacht. Ein großer Tigerbus-Fan winkt und filmt dabei unsere Abreise. Danke Ivan, ein sehr nettes Treffen!



Keine 50km weiter sind unsere großen Pläne dahin, auch ich kann nicht mehr fahren. Aus, Ende, müde. Irgendwo im Hinterland Bulgariens, in Riechweite zum Meer, rollen wir auf ein Mittelding aus Baustelle, Wiese und Bauschuttentsorgungsplatz. Egal. Als die Sonne schon einige Stunden Rekorde auf das Display zaubert, wachen wir beim Geräusch eines Dieselmotors auf. Kurz hinter die Gardine geschaut: Polizei. Na wunderbar, kann’s denn Besseres geben?



Unsere Standardantwort auf die Frage nach dem Wohin lautet bisher “China”, das funktioniert prächtig. Hier sei aber gar kein Grenzübergang, sondern der sei da und da und der Iran und Pakistan… uuhh… good luck. Weg waren sie. Im Radio plärrt die gleiche Soße wie zu Hause, als wir Altug in Istanbul unsere baldige Ankunft vermelden. Was haben wir uns da getäuscht…

Kaum nähern wir uns der Grenze zur Türkei, fällt auch schon der erste Schnee. Auf der Autobahn nach Istanbul ist alles weiß, die Flocken fallen immer dichter – trotzdem fahren alle mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, also kein Problem. Wir melden 143km nach Istanbul, Altug schreibt: Das werden die längsten 143km Eures Lebens! Haha, wir fahren doch? 20km vor der Stadt die erste Mautstation. Wir haben vorsorglich eine Karte gekauft, also kein Problem. Die Autos schiessen aus allen Ecken, die dreispurige Autobahn wird plötzlich 100m breit, Spuren sind Schnee von gestern. In Schrittgeschwindigkeit schiebt und drängelt alles auf die Mautbrücke zu. Auch die nächsten 10km geht es in Schrittgeschwindigkeit weiter, nur die Spuren haben wieder an Bedeutung gewonnen. Das Navigationsgerät will an irgendeinem Bulvar raus, doch den verpassen wir natürlich. Hektisch beginnen auch wir das Schieben und Drängeln, schlagen uns gefühlte 8 Spuren quer über die Autobahn, weil “es dahhinten so aussieht, als gäbe es da eine Abfahrt”. Und tatsächlich, hier ist ein Loch, hier kann man fliehen. Über Berg und Tal geht es durch einbahnverstrasste Wohngebiete, auf in den nächsten Stau. Schickimickimeile, alles steht, der Bus wippt zu Folklore-Pop aus dem Radio von einem der ca. 150 Radiosender. Alle 200kHz ein Sender, sowas hat die Welt noch nicht gehört. Irgendwann schiebt von hinten lautstark ein Krankenwagen, alles soll weg, er muss hier durch. Es bleibt keine Wahl, Allrad rein, links Bein in die Blumenrabatte und los. Wir schlüpfen in eine Seitenstraße und telefonieren noch einmal mit Altug. Koordinatenabgleich. Irgendwann finden wir den Weg durch eine Baustelle und sitzen alsbald auf Altugs Sofa. Seine Frau macht Nudeln und wir sind bereit für morgen: Auf ins wilde Kurdistan! Danke Euch, aber kauft euch bitte, bitte Winterreifen! :)


Vorbereitung Teil 2 und…

… Abfahrt.

Die Nächte ziehen sich lang und länger, die Werkstatt wird kalt und kälter. Wir bereuen keinen Euro des kürzlich angeschafften Diesel-/Heizölwarmluftgebläses und schrauben, sägen und bohren bis spät in die Nächte.

Wie es immer so ist, wird aus einem kleinen Stück Elektrik gleich ein ganzes Kraftwerk, weil der Herr das nur einmal in seinem Leben machen möchte. Also gleich alles vorsehen, was schon über Jahre ausgebrütet wurde, jedes Relais muss rein, jedes Kabel ordentlich isoliert und rüttelfest befestigt sein. So ganz nebenbei wird der Solarlader-Erbauer Michael zum Lötsklaven umgeschult und crimpt und lötet mehrere Nächte lang gewärmt von seiner Standheizung im eigenen VW-Bus den halben Kabelbaum des Tigerbus zusammen. Der passende Schaltplan existiert auf zwei A4-Seiten, mit Bleistiftstrichen kreuz und quer, hier ein Kabel mit bla Quadrat, hier noch eine kleine Sicherung… am Ende stehen 240A Gelbatterie, ein Solarlader für Gel- und Starterbatterie mit externem Display und temperaturkompensierten Ladekennlinen, ein 45A-Gel-Lader an der Lichtmaschine, 15 Relais für Scheinwerfer und Kleinkrams, einige Sack voll Sicherungen und fast 100m Kabel aller Querschnitte. Dazu gibt es jetzt Steckdosen, Licht (zumindest vorne, hinten haben wir “vergessen”) sowie 220V – man kann nicht jedes Ladegerät als 12V-Version anschaffen, da wird man ja arm. Für die grandiose Hilfe sei an dieser Stelle noch einmal Michael ganz herzlich gedankt!



Der Innenausbau erfolgt im Gegensatz zur Elektrik nur profisorisch, da hier weder Zeit noch Geld für die eigentlichen Träume vorhanden waren. So erstanden wir von Max ein paar Westfalia-Wrackteile – namentlich einen Heckschrank, einen Dachschrank und die Überreste einer Sitzbank, welche sodann zusammen mit alten OSB-Platten, anderen Holzabfällen, irgendwelchen Stahl- und Aluwinkeln, vielen Kabelbindern (ja sind die wirklich sooo praktisch? JA!) und sogar zwei Blindnieten völlig unfachgerecht in den Bus geferkelt. Danke an Stephan für die tatkräftige Hilfe, auch, wenn die ohnehin nur sehr kurzen Nächte dadurch zu kürzesten Nächtchen degradiert wurden… mehrfach… immer wieder.

Für die Küche musste allerdings ein Neubau her, welcher dann in einem Tag und einer Nacht aus 6.5mm Birkensperrholz, Aluwinkelprofil und Blindnieten zusammengeschossen wurde. Euroboxen werden zu Schubladen, Gummiseile über Kanthölzern zu Verschlüssen. Eine Dose narzissengelb aus dem Baumarkt – danke an Anne für die weise Farbwahl! – brachte das Schmuckstück zur Vollendung. Da sich sowohl der Kocher als auch ein kleines Klo darin wohlfühlen, nennen wir diese Kreation die KKK – die Koch-Kack-Kombi.





Wasser musste her, Tank hier Tank da, aber nur wohin mit der Pampe? Also Waschbecken, Wasserhahn mit Filter. Gut, wenn Filter, dann Druckwasser, sonst filtert da nix. Also Druckwassersystem mit selbstansaugender Pumpe, Tankumschaltung zwischen zwei Tanks. Ach, wir fahren ja 10 Monate? Gut, dafür haben wir vorgesorgt: 10l Kühlwasserwärmetauscher mit Vormischer, Druckminderer damit das Überlaufventil nicht dauernd rumsabbert, Dusche ausziehbar. Keine 10m Schlauch und 30 Schlauchschellen später ist das Wassersystem “fertig” – alles rein provisorisch in die KKK “gebaut”. Mit Kabelbindern. Komplett. So langsam beginne ich Kabelbinder zu mögen.

Die Standheizung hat jetzt zwei Pumpen – eine für über 1500m ü.n.N., eine für drunter. Das Armaturenbrett hat eine neue Luftdüse eingeschweißt bekommen, so wird die warme Luft direkt durch die Lücke zwischen den Vordersitzen nach hinten geblasen.



Irgendwann haben wir dann auch mal gepackt, noch schnell einen Turbolader gewechselt und einen Unterfahrschutz umgeschweißt – wie die Antriebswellen in den Bus gekommen sind, weiß ich schon gar nicht mehr. Plötzlich waren sie drin. Ach ja, zwischendurch waren sowohl Weihnachten als auch Neujahr, wobei wir ersteres nur durch das Weihnachtsessen bei Stephan und Anne bewußt mitbekommen haben (nein nein, bei Mama gab es auch etwas…) und letzteres nur durch lauteres Grölen aus der Nebenhalle aufgefallen ist. Ansonsten: Aufstehen, Werkstatt, Bett. Anzumerken ist, dass wir die ganze Zeit Stephans Bus für die Fahrten zur Werkstatt, zum Baumarkt, zum ADAC und sonstewohin zur Verfügung hatten. Einfach so, jeden Tag. Gran-di-os. Vielen Dank dafür.

Nachdem also sämtliche Packlisten aus “ja haben wir schon, nein brauchen wir nicht”-Krakelei bestanden, fuhren wir eines Tages los. Höchste Zeit, denn das Pakistan-Visum läuft in nicht weniger als 15 Tagen ab. Vorher machen wir noch den Pflichtbesuch bei Oma, aber natürlich am anderen Ende der Republik, wie sich das gehört! Also: Wir sind dann mal weg.

Vorbereitungsmarathon Teil 1

Nachdem sich das Unileben mit eine simplen Stück Papier … hat die Masterprüfung am 29.11. erfolgreich bestanden eher unspektakulär selbst beendet hat, brennt in der Werkstatt die Luft.

Der Bus will schleunigst vorbereitet und vom leeren Messgerätetransporter zu einem ansatzweise reisetauglichen Fahrzeug umgebaut werden. Die leidvollen Erfahrungen der letzten Russlandreise haben die Prioritäten bei der Vorbereitung leicht verschoben. Höchste Priorität hat alles, was vibrieren kann, alles was sich bewegt. Denn: Auf zehntausenden Kilometern Piste fällt alles ab, was sich auch nur ansatzweise aufschwingen kann. Die Zerstörungskraft langanhaltener Drecksstraßen ist so verheerend, dass wir uns auf gerade mal 1 000km Piste in Rußland das halbe Weinsberg-Dach zerrüttelt haben. Hier setzen wir also als erstes an. Alle Scharniere sind verstärkt, das ganze Dach wird auf dem Bus verspannt usw. usw.

Zweites Problem außerhalb der Zivilisation war und ist: Licht. Man kann seiner staunenden Mama nur schwer die Nützlichkeit eines zusätzlichen Fernscheinwerfers klar machen, denn auf einer deutschen Autobahn reicht ja das Standard-Teelicht völlig aus. Wir sollten doch mal lieber im Innenraum etwas Tapete kleben! :)

Fernscheinwerfer Hella Jumbo 320

Jetzt haben wir genau noch eine Woche Zeit, und alles zieht sich wie kalter Honig in die Länge. Die Visa scheinen zu klappen – angeblich werden wir am Donnerstag gar unser Iranvisum in den Händen halten, während durchgeknallte Großmächte auf dieser Erde schon Sanktionen verhängen und mit mehreren Kilotonnen Säbelrasseln die Medien manipulieren.

Erfreuliche Nachrichten sind derzeit eher materiell, beispielsweise die Ankunft von 2 Paar Schneeketten. Nicht irgendwelcher Schneeketten, sondern sozusagen top of the line, wenn man das so sagen darf. Dank der grandiosen Hilfe meines Vaters nennen wir ab sofort 4 PEWAG Forstmeister unser Eigen – Ketten, die bei Schnee nur leise kichern, Ketten die sich in Matsch und Dreck wohl fühlen wie ein Karpfen in einem Eimer Fischfutter. Die Strategie sieht demnach so aus: Wir fahren auf AT-(all terrain)-Reifen und haben damit für Nässe und Straße die deutlich besseren Karten. Dafür können wir in Schnee und wirklich hartem Gelände die Ketten aufziehen, ohne 30 000km auf speziellen, supergroben Geländereifen abreissen zu müssen. Wir sind gespannt, ob und wie sich diese Taktik bewähren wird. Unser Dank geht an dieser Stelle auch an Frau Gutschi von PEWAG Austria, sowie Herrn Linnig von PEWAG Deutschland!

Pewag Forstmeister FM80 Schneeketten

Die kommende Woche soll Strom, Wasser und ein Bett in den Bus bringen, außerdem wird Mamas Freiheit im eigenen Wohnzimmer durch hektisches Probepacken arg eingeschränkt werden.
So ist das nun mal, wir sind ja bald weg :)

In den letzten Wochen…

…haben wir eine Menge erledigt, den Bus vorbereitet, Visaanträge bearbeitet, die Organisation eines zweiten Reisepasses, Vetragskündigungen, Versicherungen kündigen & abschließen und, und, und…
Bei jedem Blick auf den Kalendar wird uns bewusst, dass es bald los geht – derzeitiger geplanter Abfahrttermin ist der 6.Dezember, mal sehen, ob wir das schaffen. :)
Die Artikel, die wir geschrieben bzw. erweitert haben, sind zum Beispiel “Weinsberg Dachbox“, “Zusatztanks“, “Reiseapotheke” und unsere “Packliste“.
Außerdem nutzen wir jetzt das Amazon-Partnerprogramm, wenn ihr die Amazon-Suche in diesem Blog nutzt, bekommen wir ein paar Cent von Amazon für jeden darüber getätigten Einkauf, wir würden uns also freuen, wenn ihr darüber eure Weihnachtsgeschenke kaufen würdet. :)
Ein neues Logo haben wir auch bekommen, gezeichnet von Inka Erichsen. Vielen Dank, Inka! :)

2x85l Zusatztanks abgeholt!

Als Ergebnis eines 1200km Höllenritts mit unserem Chauffeur Maik, halten wir seit heute unsere Zusatztanks in den Händen – abgeholt direkt von MRB bei München.



Die Tanks sind die ersten Exemplare der neuen, weiterentwickelten Form mit perfektionierter Entlüftung und kapazitivem Füllstandssgeber für den Wassertank. Außerdem wurde im Vergleich zu den bisherigen Serien die Montage/Halterung der Tanks stark verbessert. Für extreme Offroadfahrten wurden einige Details verbessert, sodass in allen Lebenslagen über Stock und Stein gerutscht werden kann, ohne durch den Tank behindert zu werden. Damit haben wir für Wasser und Diesel je 85l zusätzliche Tankkapazität!

An dieser Stelle nochmals ein ausdrückliches Dankeschön an Martin von MRB-Fahrzeugtechnik sowie Maik für die irre Abholaktion.

tiger2asia Kick-off-Video-Trailer!

In den letzten Tagen ist Dank Stefan Henning von east system music der Auftakt-Trailer zum tiger2asia-Projekt entstanden.

Kurze, spritzige Vorstellung des Projektes, den Zeitdruck und den immensen Vorbereitungsaufwand widerspiegelnd :) Viel Spaß!

tiger2asia 2011/12 – Tigerbus on tour – Trailer from Tiger Bus on Vimeo.

Abreise Richtung Murmansk

Viiiieeel zu spät, treffen die beiden endlich bei meiner Mama ein. Natürlich waren wir schon seit Stuuunden wach und haben gewartet. Haha. Nun denn, technisch gesehen, sind wir ein Gespann wie es ungleicher nicht sein könnte. Eine Syncro-Rohkarosse auf etwas größeren Rädern und moderater Höherlegung, einem nicht-aufklappbaren Weinsbergdach und hurtig reingestellten Uraltmöbeln, einem TDi und keinem Radio steht ein voll ausgestatteten Multivan gegenüber, welcher auf 185er Reifchen von Sarahs Schlachtwesti durch die Gegend rollt, eben erst einen 2.0l Golf GTi Benzinmotor samt Edelstahlauspuffanlage verpaßt bekommen hat und nach 6-jähriger Standzeit und 500 Probekilometern das erste Mal wieder richtig rollt. Profigalaktisch hat Stephan seinem Schätzchen noch neue Radlager verpaßt und die Bremsen überholt. Hauptbremszylinder und Kupplungsgeber nehmen wir vorsorglich mit, wer weiß wie soetwas nach 6 Jahren Standzeit reagiert. Bei mir hat der Billigzylinder an der Kupplung keine 20tkm gehalten, also werfe ich auf die Schnelle wieder einen rein, das muss für die Reise reichen. Sarahs Syncro soll noch beim Karossoriebauer abgeliefert werden, damit er während der Reise ein paar Löcher verliert. An der ersten Tankstelle auf der Autobahn steigt sie schon total entnervt aus dem Auto: Scheibenwischer geht nicht mehr aus und jetzt startet die ganze Karre nicht mehr. Na das ist ja ein toller Anfang. Ein Griff hinter die Zentralelektrik fördert einen nur halb gesteckten Zentralstecker zutage und für Sarah ist die Welt wieder in Ordnung – zumindest bis zum nächsten Hügel, an welchem wir sie aber wohlwissentlich mit ihrem 69PS-Moppel nicht stehenlassen. Wir sind ja sooo nett. Wie sagt Kashi immer? “Jauchepumpe”. *kicher*

Diverse furchterregende Russlandratgeber haben uns zum Kauf von Feuerlöschern und diversen anderen angeblichen Pflichtuntensilien bewegt – was jedoch niemand von uns hat: Einen D-Aufkleber für’s Heck. Wir spekulieren auf die letzten Tankstellen vor Polen, doch daraus wird nichts. Schengen und die EU haben sämtliche D-Schilder verschwinden lassen.

Warten auf ein D-Schild...

Direkt nach der Grenze kommen die traurigen Überreste einstiger Schwarzmarkthöllen und eine solche ist unser erstes Ziel: D-Aufkleber! Nach einigem Suchen wird Stephan fündig und ergattert für den Traumpreis von 5 EUR ein magnetisches D-Schild. Preislich ein Schlag ins Gesicht, aber immerhin hat er einen Aufkleber! Sarah geht gleich ersteinmal verloren und so stinken wir uns mangels Absprache auch schon kurz an. Von meinem Papa habe ich mir 2 recht gute PMR-Funkgeräte ausgeborgt, welche wir jetzt für die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen nutzen. Über Chojna rollen wir in die polnische Pampa zur ersten Tankstelle. Billiger Sprit – der Reisegrund überhaupt! Bald fängt es an zu regnen, bald an zu schütten und nach kurzer Zeit regnet es nur noch Schweinebärchen. Die Straßen verwandeln sich bei diesem Wetter in abenteuerlicher Huckelpisten und wir verfluchen leise dieses grausige Land.

Wir können uns nicht so recht zu einem Stop entschließen und die Nacht wird immer dunkler. Es ist mittlerweile halb 12 und beiläufiges Stöbern auf der Osteuropakarte des TomToms fördert einen “Wohnmobilstellplatz” zutage – auf der letzten Halbinsel vor Kaliningrad, schlappe 150km vor uns! Kurz darauf bedeutet ein Pfeil auf dem Display energisch nach links in die Pampa und ich rolle bedenkenlos in die angegebene Richtung. Die Straße führt durch ein Dorf, führt aus dem Dorf, führt ins Feld und weiter ins nächste Feld. Wurzeln haben die 2m breite Piste in ein abenteuerliches Stück Untergrund verwandelt und so kriechen wir mit 30 durch die Dunkelheit. Stephans Stimme klingt leicht säuerlich aus dem Funkgerät, aber ich hoffe ihnen mit einem perfekten Wohnmobilstellplatz entgegnen zu können. Hoffentlich der letzte vor Russland, harhar.

Wir warten auf den Multivan, weil Stephan inzwischen Schrittgeschwindigkeit fährt, um sich nicht den kompletten Bauch aufzureissen. Insgeheim freuen wir uns tierisch über die Abwechslung, den gerade erst neu montierten Unterfahrschutz mit Zusatzplatten unter Getriebe und Kardanwelle. Die Karte im Nachtmodus zeigt einen Fluß und unsere Route mittendurch. Brücke also. Hier in der Pampa? Gut, der Weg verwandelt sich in Schlamm und Loch, wir brechen durch ein unbefestigtes Flußufer und ich warte darauf, dass mir ein aufgeschreckter Kaiman die Frontscheinwerfer zerschlägt- Ah nee, falscher Film. Also jedenfalls ist es schlimm. Zumindest für Stephan und Anne. Warum? Es gibt keine Brücke! Wir stehen mit der Stirnlampe am schlammigen Ufer und leuchten über’s Wasser. Gesprochen wird nicht mehr viel, vielleicht fängt man sich ja eine vom Gegenüber? Wir schlagen vor, mit dem Syncro dem bis zur Unkenntlichkeit verschwindenen Pfad am Ufer zu folgen, um vielleicht doch noch eine Brücke zu finden – “Zur Not ziehen wir Euch da durch!” Denkste. Nach 300m steckt die Karre knöcheltief im Flußschlamm und wir wühlen uns mit Allrad und Sperre wieder zurück zum Ausgangspunkt. Schwein gehabt. Irgendetwas macht bei belastetem Allrad unter der Vorderachse laut schlagende Geräusche, aber auf der Straße läßt sich das nicht reproduzieren. Egal, es ist dunkel und naß, weiter geht der wilde Ritt.

Auf Umwegen finden wir morgens um 4 endlich auf die gewünschte Halbinsel und fallen aus allen Wolken. Hier ist Ballermann 7 angesagt, alles voller Hotels und die Küste komplett zugebaut. Natürlich sind alle Campingplätze zu und zur Feier des Tages fallen bei Stephan das Abblendlicht und der Scheibenwischer aus. Stephan hat jetzt so richtig sein Fett weg. Wie Anne das bis zum Morgen wieder hinbekommen hat, kann man nur vermuten… Wir schlafen direkt an der Küste auf einem Parkplatz mit Parkuhr. Ein paar polnische Münzen retten uns vor dem frühen Aufstehen. Gute Nacht.

Letzte Vorbereitungen…

Es ist 2:45 nachts und ich vermisse mein Portemonaie. Heute um 10 wollen wir endlich mit fast 10 Tagen Verspätung Richtung Baltikum und Kola aufbrechen und jetzt fehlt das verdammte Ding. Noch einmal Nachdenken: In der Werkstatt Ersatzteile und Werkzeug eingeladen, dann aus der Wohnung Klamotten und Kühlbox geholt, auf dem Weg zu Mama bei McDonald’s schnell etwas eingeworfen und dann ab in die Garage um letzte Vorbereitungen am Auto zu treffen. Später die 2 verschiedenen GPS-Tracker konfiguriert und alle wichtigen Personen zu deren Benutzung eingeladen. Alles gut.

Werkstattromantik spät nachts...

Nur wo ist das verdammte Portemonaie? Alle Dokumente sind da, Visum im Paß, Autoversicherung für Russland wollen wir uns direkt an der Grenze kaufen, da Russland auf sämtlichen grünen Karten gestrichen wurde. Die HuK hat mir heute zusätzlich noch eine Kasko-Versicherung aufgrund des Wertgutachtens für meinen Syncro verwehrt, sodass ich über die installierten GPS-Tracker doppelt froh bin. Eigentlich ist es auch kein so großer Unterschied, da die Versicherung in den relevanten Gebieten (Russland…) sowieso nicht gegolten hätte und die an der Grenze nachgekaufte nur eine Haftpflicht beinhaltet – also: Auto nicht aus den Augen lassen.

Ich werfe mich in das gepackte Auto und rase zur Werkstatt. Die Stirnlampe war schon eingepackt, also suche ich damit jeden Zentimeter nach dem verdammten Portemonaie ab – Nichts. Ich fahre noch einmal in meine Wohnung. Von meiner Mitbewohnerin hatte ich mich eigentlich schon verabschiedet, da bin ich wieder – morgens um halb 4. Aber auch hier ist nichts zu finden, außer ein völlig verkramtes Zimmer, welchem in aller Eile aus jeder Ecke ein paar wichtige Reiseutensilien entrissen wurden. Hinter der Kühlbox (gut, woanders auch…) lag schon Staub – ich sollte öfter reisen.

Bei McDonald’s machen sie gerade sauber, aber niemand will mich sehen. Ich laufe wild gestikulierend durch den McDrive, bis mich endlich jemand sieht. Ich muß furchterregend dahergekommen sein, denn die Frau hat panische Angst und so schreien wir uns durch die Scheibe an. Sie versteht mich nicht. Irgendwann öffnet sich der Spalt am Schalter für einen Millimeter und ich kann ihr mein Anliegen mitteilen. Ihr Gesicht entspannt sich merklich. Ich will ihr nicht das Portemonaie rauben, sondern frage höflich nach dem Verbleib meines eigenen. Sie ruft nach hinten und die Antwort kann ich auf ihrem Gesicht schon ablesen: Nichts. Wo zum Geier…

Enttäuscht und sauer trete ich wieder ins Zimmer und überlege was ich denn Schlaues in einer SMS an Stephan und Anne schreiben könnte, um irgendwie die Beantragung eines neuen Führerscheins und die weitere Reiseverzögerung zu rechtfertigen. Ich sacke auf dem Bett zusammen und denke noch einmal über den gepackten Bus nach. Mir kommt die Sparvariante des T3-Handschuhfachs in den Sinn: Ein simpler Kunststoffeimer, welcher mit ein paar Schräubchen direkt vor dem vorderen Querträger unterm Armaturenbrett baumelt – sozusagen die Krönung des Sparprogramms für Postfahrzeuge und ähnlich spartanisch zusammengeschossene Gruppenverkaufsobjekte. Ich renne zum Bus und greife in den Querträger: Das Portemonaie. Verflucht! Ab ins Bett, den Termin mit Stephan und Anne haben wir nicht verschoben – das kann ja heiter werden.

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