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tiger2asia Kick-off-Video-Trailer!

In den letzten Tagen ist Dank Stefan Henning von east system music der Auftakt-Trailer zum tiger2asia-Projekt entstanden.

Kurze, spritzige Vorstellung des Projektes, den Zeitdruck und den immensen Vorbereitungsaufwand widerspiegelnd :) Viel Spaß!

tiger2asia 2011/12 – Tigerbus on tour – Trailer from Tiger Bus on Vimeo.

Von Bambi bis Estland

Die Nacht war spektakulär ruhig, auch wenn sich Stephan über nächtlichen Lärm und Diskobeleuchtung von gegenüber beschwert hat – wir haben doch nur den Bus aufgeräumt und nach der Reparaturaktion vom Morgen wieder alles an seinen Platz gepackt! Beim Zähneputzen steht plötzlich ein Tier neben uns. Schnell wird es als Rotwild identifiziert und wir fragen uns, was sein Problem sein könnte, denn es kommt näher wie eine lange nicht gestreichelte Katze. Wir müssen förmlich wegrennen um nicht selber gestreichelt zu werden. Der Bus und sein Innenleben werden ausgiebig beäugt und Sarah ist so begeistert, dass sie sogar das Rauchen vergißt. Als Stephan vondannen rollt, läuft das Bambi ihm den Weg entlang hinterher. Erst als wir dann den Diesel anwerfen und ebenfalls den Weg entlangrollen, verschwindet es im Wald. Komisch die Polen.

Bambi

Es fühlt sich so an als hätten wir ziemlich rumgegammelt, weil wir Russland gar nicht näher kommen. Nach Kaliningrad dürfen wir nicht rein, also müssen wir durch die kleine Schneise zwischen Kaliningrad und Weißrussland nach Litauen einreisen. Dieser politische Unfug kostet den geneigten Reisenden gut und gerne einen Tag, aber dafür wird man durch die Masuren gezwungen, was ja auch nicht schlecht ist (allerdings als gesondertes Reiseziel erhöhte Aufmerksamkeit verdient). Wir hatten schon zu Hause alles bis zur russischen Grenze als nähere Berliner Umgebung und damit als Anreisegebiet deklariert, einfach weil wir bis Murmansk fahren wollen und das Baltikum sowieso nicht in 2 Tagen sinnvoll zu bereisen wäre. Ganz in diesem Sinne brennen wir über litauische Autobahnen Richtung Riga, welches wir gegen Mitternacht erreichen.

Dreckswetter in Litauen

In Litauen gibt es ein wenig nördlich von Siauliai einen interessant klingenden Ort: Kryziu kalnas, den Berg der Kreuze. Ein Hügel, welcher schon vor fast 200 Jahren – nach der Niederschlagung eines Aufstandes durch die Russen – von den frommen Litauern mit ein paar Kreuzen für die Opfer bestückt wurde, erfährt mit der Zeit ungeahnte Aufmerksamkeit. Es kommen Kreuze für die Opfer des Gulag und weiterer Taten hinzu, sodass die Zahl der Kreuze stetig wächst. Regelmäßig wird die Gedenkstätte von den Russen dem Erdboden gleich gemacht, nur um danach mit einer noch größeren Anzahl von Kreuzen wieder zu entstehen. Heute sollen es über 10000 sein, welche dem Umfrommen und ungläubiges Staunen und manchmal etwas Entsetzen entlocken. Entsetzen genau dann, wenn man an 1m großen Kreuzen vorbeikommt, welche von Bewohnern deutscher Kleinstädte gebracht wurden, um den Kanarienvogel der Nachbarin zu beweinen. Selbst für die Opfer der letzten Loveparade hat schon jemand etwas vorbeigebracht. So traurig diese sind, irgendwie hatte ich die Bedeutung des Hügels tiefer, politischer oder “ernster” eingeschätzt? Man hat streckenweise das Gefühl, dass die Stätte zu einem Graceland für Kreuzliebhaber mutiert – noch ist sie nicht da, aber die ersten Ansätze sind deutlich sichtbar.

Hügel der Kreuze #1

Hügel der Kreuze #2

Schon auf dem Hügel der Kreuze hat es geregnet wie aus Eimern, mittlerweile regnet es schneller als der Scheibenwischer wegbewegen kann. Die Idee ist: Wir finden einen leere Holzhütte und dann kochen wir. Gesagt, nicht getan. Natürlich findet sich keine Holzhütte, schon gar keine leere und so rattern wir durch Seitenwege und Käffer, immer auf der Suche nach einem geeigneten Kochplatz irgendwo in Litauen. Letztendlich haben wir die Nase voll und halten einfach mitten auf einem verschlammten Feldweg. Der Wind pfeift wie irre um die Busse, sodass der Regen waagerecht durch die Landschaft fliegt. Wir haben einen russischen Benzinkocher, genauer gesagt einen kirgisischen, vom Typ Dastan-1, welcher jetzt dem Wetter trotzt. Die Hosen kleben nass am Hintern, doch wir braten munter Zwiebeln für die Soße an. Je schlechter das Wetter, desto besser schmeckt es. Nudeln mit Tomatensoße können so gut sein! Der Bus hängt voll mit nassen Klamotten, die Standheizung bollert, alles gut. Zum Essen bleiben wir gleich draußen, das warme Essen läßt auch den Regen vergessen – man muss nur den Wind im Rücken haben und schneller essen, als sich Eiskristalle bilden. Sarah schafft es nicht ganz, und so halten wir Ihren Napf noch einmal auf den Kocher. Abgewaschen wird gleich in der Lehmpfütze neben dem Bus, dann hurtig alles in die Karre geworfen und weg hier – auf die schöne, warme Landstraße.

In Riga wenden sich die Blicke der Fahrer unwillkürlich den hübschen Frauen zu – eine rustikale Straßenbahn war aber auch mal dabei. Selbige erinnern mich an meine früheste Kindheit, unten im Gepäckkorb des Kinderwagens sitzend, von meiner Mama über die kleine Fußgängerbrücke zum Konsum nach Buchholz geschoben werdend… dort, in Buchholz, fuhr eine ebensolche Straßenbahn – mörderisch in den Kurven quietschend, mit einem grauen Fahrkartenlocher, dessen Locheisen so stumpf waren, dass die einzelnen ausgelochten Papierreste wie kleine Klodeckel halboffen zum Stehen kamen. Am Fahrradständer der Haltestelle funktionierte schon damals nicht mehr das Sicherungssystem, welches es einem gegen den Einwurf von 10Pf ermöglichen sollte, sein Fahrrad sicher zu verwahren. Wir haben immer unser eigenes Schloß mitgebracht, welches angesichts heutiger Titan-NewYork-Mega-Schlößer wohl in die Kategorie Geschenkband sortiert werden würde. Jetzt, 25 Jahre später, stehen wir also in Riga und kucken den Frauen nach, die uns damals über die Brücke geschoben haben. Ach nein, meine Mama war nicht blond und sie trug auch keine HighHeels, aber der Rest stimmt.

Eigentlich wollen wir in Riga rechts abbiegen um auf die Küstenstraße Richtung Estland zu kommen, aber irgendwie ist Rechtsabbiegen bei den Letten verpönt. Wir fahren über die große Brücke, und auf der anderen Seite gleich wieder, um dann endlich zum wiederholten Male über die blau beleuchtete Brücke an der richtigen Stelle herauszukommen. Die uralte Osteuropakarte des TomToms leistet dabei gute Dienste, auch wenn man da überall rechts Abbiegen gedurft hätte.

Die Küstenstraße ist perfekt ausgebauter Asphalt und so rollen wir des Nachts unaufhaltsam Richtung Estland. Die Lichthupe entgegenkommender Fahrer bewahrt uns auch vor einer lettischen Geschwindigkeitkontrolle und so kommen wir bis morgens um 4 nach Pärnu, Estland.

Laut TomTom gibt es hier einen Campingplatz, aber der will ersteinmal gefunden werden. Die Straße endet in einer Baustelle und so biegt man in die seitlichen Gassen ab, knattert durch kleine Holzbauten um eine Kurve um schließlich vor einem recht modern anmutenden Campingplatz anzukommen. In der Rezeptions ist Licht, der Zugangsschlüssel für das Wlan hängt an der Wand, aber es läßt sich kein Bediensteter auftreiben. Wir beschließen einfach auf dem Parkplatz vor der Rezeption zu schlafen und beenden diesen Tag recht unspektakulär.

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