bla bla von ТИАГРА

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Doppelt hält besser… Nun auch alles bei youtube

Wir haben unsere Videos nun auch bei youtube hochgeladen, abonniert unseren Kanal, um über die nächsten Videos benachrichtigt zu werden:
Der Tigerbus-Kanal

Here are the links to the individual clips:
Trailer – The plan
Part 1 – Preparations and leaving Berlin
Part 2 – Orient Express or from Berlin to Istanbul in 4 days
Part 3 – Getriebeschaden-City or how to repair a Tigerbus”
Part 4 – The son of god or how to cross Iran in a tigerstriped van

Oder als komplette Playlist:
Alle Tigerbus Videos bei youtube

….und wie immer: Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare von euch!

tiger2asia video – Teil 2 veröffentlicht!

Wir präsentieren: Stefan Henning von east system music hat Video Teil 2 zum tiger2asia-Projekt fertiggestellt! Danke…

Viel Spaß!

tiger2asia Kick-off-Video-Trailer!

In den letzten Tagen ist Dank Stefan Henning von east system music der Auftakt-Trailer zum tiger2asia-Projekt entstanden.

Kurze, spritzige Vorstellung des Projektes, den Zeitdruck und den immensen Vorbereitungsaufwand widerspiegelnd :) Viel Spaß!

tiger2asia 2011/12 – Tigerbus on tour – Trailer from Tiger Bus on Vimeo.

Ballermann auf Rumänisch

Wir stehen am Strand des Schwarzen Meeres, kurz unter Constanta. Nach einer unruhigen Nacht im Schallgemisch mindestens dreier Bars, sind wir heute wie gerädert. Piotr und Dominik waren bis um 5 Uhr in einer der Bars und sind jetzt totale Wracks. Der Strand ist dicht an dicht mit Zelten bebaut, und um die Situation etwas aufzulockern, hat der Künstler mit gekonnter Leichtigkeit wahllos verkrampfte Schnapsleichen ins Bild gestreut. Nicht weit von hier, steckt ein dickes, rostiges Wrack im in der Morgensonne glitzernden Meer. Nähert man sich einer der Bars auf dem Strandweg, beginnt es alsbald komisch zu riechen und man erkennt schnell viele Haufen menschlicher Scheiße, garniert mit locker umherfliegendem Verpackungsmüll. Ein Rudel streunender Hunde hat ganz offensichtlich seinen Spaß. In der Morgensonne entdecke ich auf einem verblichenen Holzstapel eine wunderschöne, buntgefleckte Katze. Sie leckt sich gerade die Pfötchen und paßt so gar nicht hier her. Zurück am Bus bin ich froh, meine Sandalen an zu haben, denn eigentlich müßte man hier nach jeder Nacht mit einer Harke den Boden von benutzten Kondomen befreien…

vama veche

Um sieben wurde Dominik zwangsgeweckt. Piotr liegt im Schatten vor dem Bus im Halbkoma und behauptet auf Nachfrage ihm ginge es wunderbar. Er besteht – wie immer – darauf, selbst zu fahren. Da wir heute durch ganz Bulgarien bis nach Istanbul wollen, hoffe ich, dass er seine Meinung noch ändert.

black sea

Trotz allem, haben wir im Schwarzen Meer gebadet und uns notdürftig gewaschen. Um der Sache einen Sinn zu verleihen, baue ich mit Pawel eine Dusche hinter seinem Bus. Mit 5 Leuten verduschen wir 20l Süßwasser. Wenn wir bald in die Spur kommen, könnte ich das gute, saubere Gefühl bis ins Auto retten, bevor der Ort selber wieder durchbricht.

map

Bulgarien erreichen wir schon nach kurzer Zeit. Die Grenze ist absolut unspektakulär. Schön, wenn wieder kyrillische Buchstaben zu sehen sind und man wieder etwas versteht. Gleich viel besser. Um die Laune zu heben, sehen wir auch unseren ersten bulgarischen T3:

bulgarian t3

Als nächstes suchen wir uns eine Tankstelle, wo man ohne Seuchengefahr weitere Geschäftchen erledigen kann. Als Vorgeschmack auf den Ostblock fährt ein wunderbar orangener GAZ-LKW der Stadtwerke Varna vor und holt Diesel. Nebenan holt jemand Sprit für seinen Rasenmäher. Da er keine Kanister hat, werden einfach große Wasserflaschen befüllt. Man merkt, so langsam entfernt man sich von den Zwängen unserer geregelten Gesellschaft. Wir finden es großartig und lassen gut gelaunt 6 Deutsche Anhalter einfach an der Straße stehen.

gaz

sprit in wasserflasche

Unterwegs halten wir auch noch an einem Strand an und kochen gemütlich Nudeln, um dann vollgefressen im Meer zu baden. Wenig später sehen wir in einer kleinen Stadt einen Autoteilehändler und wollen mal nach einem Thermoschalter für den Kühler fragen. Die Auslagen sind voll mit VW-Teilen, sodaß wir guter Dinge sind. Die Verkäufer scheinen nicht so guter Dinge zu sein und ignorieren uns einfach. Egal wie wir es anstellen, Sie wollen uns einfach nichts verkaufen. Verwundert verlassen wir den Laden. Neben dem Parkplatz klebt ein Werbeplakat vergangener Wahlen: ATAKA! Vielleicht im nächsten Laden?

ataka

Im Süden wird das Land immer hügeliger und man fährt bald nur noch durch bewaldetes, schwer zugängliches Gebiet. Plötzlich sehen wir an der Straße eine Wasserstelle und wollen mal fix all unsere Kanister mit Süßwaser befüllen. Die Aktion zieht sich furchtbar in die Länge, denn das Wasser läuft nur sehr spärlich. So verbringen wir fast eine Stunde mit Warten neben der Quelle…

wasserholen

Wir kommen dann auch recht fix in Richtung Türkei, doch kurz vor der Grenze halten wir noch einmal an einer Tankstelle an, um billigen Sprit zu bekommen. Die Frau an der Tankstelle ist offanbar alleine und reagiert sehr böse, als einer von uns ihren kleinen Laden betritt während sie draußen unsere Busse volltankt. Offenbar wird hier einfach nur geklaut was das Zeug hält. Verwundert kucken wir ihr beim Tanken zu und erklären ihr mit Händen und Füßen, dass die letzten 10l bei diesem Auto immer etwas länger dauern. Nun gut, solange wir alle um sie herumstehen ist sie zufrieden und hat alle Zeit der Welt. An der Straße in Richtung Grenze hält gerade ein Landrover der Grenzpolizei und zwei Polizisten bereiten sich mit Warnweste und Kelle auf ein paar Polizeikontrollen vor. Von der Tankstelle aus beobachten wir sie heimlich mit einem Fernglas und sind total aufgeregt: Unsere erste Polizeikontrolle! Die sind bestimmt voll die Abzocker!! Wir haben etwas Schiß, aber wir können es nicht lassen: Die Videokamera wird auf dem Dach in einem alten Schuh angebracht und mittels T-Shirt getarnt.

camera im schuh

camera im schuh 2

Wenn wir schon abgezockt werden, dann bitte auf Video. Gesagt getan. Tanken ist inzwischen erledigt und wir rollen mit vorschriftsmäßigem Blinken und extra langsam auf die Straße. Übervorsichtig rollen wir Richtung Kontrolle und… nichts. Gar nichts. Nicht einmal angekuckt haben Sie uns! Wir sind einigermaßen enttäuscht und bauen die Kamera an der nächsten Kreuzung wieder ab.

Die türkische Grenze ist recht unspektakulär, zumal ich einen Deutschen Paß habe. Unsere Polen mußten für $15 ein Visum kaufen, aber das war bis auf ein paar Sprachprobleme nicht weiter schwer. Natürlich steht mitten auf dem Grenzstreifen eine beleuchtete Atatürk-Statue. Willkommen in der modernen Türkei.

grenze turkey

Irgendwie schlagen wir uns auch noch bis nach Istanbul durch und kommen dort mitten in der Nacht an. Wir haben von einem großen Parkplatz vor irgendeiner großen, berühmten Moschee gehört und wollen dort hin. Leider war noch niemand von uns je in Istanbul! An einer Mautstelle halten wir an und wollen LKW-Fahrer befragen. Die sind alle nicht so auskunftsfreudig aber komischerweisen sitzen an der ganzen Autobahn irgendwelche Menschen an der Böschung und machen Picknick. Oder so. Na jedenfalls sitzen hier überall Leute rum und man ist sehr hilfsbereit. Sogleich ereilt und das größte Problem unserer gesamten Türkeierlebnisse: Ohne Türkisch bist du erschossen. Es ist wirklich zum Piepen. Mit Händen und Füßen und einer künstlerisch gestalteten Karte der Innenstadt aus unserem Reiserführer erklären wir unser Ziel. Letztendlich hat es keinen Sinn. Ich nehme mir das Buch zur Hand – es ist auf Polnisch – und suche nach dem Beschreibungstext für die Moschee. Irgendwann ist der gefunden und es steht tatsächlich eine Straße dabei. Nicht, dass man die jetzt einfach in das TomTom eingeben könnte, aber mittels der Karte aus dem Buch und einem Vergleich mit der Karte im TomTom konnte ich ungefähr die Stelle ausmachen. Hier setzt man dann einfach einen Favoriten und navigiert sodann zu selbigem. Diese Methode hat sich sehr bewährt. Straßennamen sind unbekannt, aber Straßen sind bekannt und folglich navigierbar!

Wir fahren durch ein Gewirr von Autobahnauf- und abfahrten und Landen schließlich vor einer dicken, fetten Sackgasse mit Wendeschleife. Das TomTom zeigt 500m bis zum Ziel, nur darf man hier nicht mehr fahren: Fußgängerzone. Wir sind schwer begeistert. Ein paar Taxifahrer sind sehr hilfsbereit und verstehen was wir suchen: Einen Platz zur Übernachtung im Auto. Der erste ist ein Scherzkeks und zeigt uns viele freie Parkplätze in einer Seitenstraße. Das ist alles ganz wunderbar, doch leider geht die Straße bergab wie die Laderampe bei Lidl. Der nächste Taxifahrer will uns zu einem Otopark gleich neben der großen Polizeidienststelle führen. Wir fahren nach seinen Angaben quer durch Istanbul und sehen kein Stück Polizei. Langsam geht uns Istanbul mächtig auf die Ketten, als wir zufällig an einem bewachten Parkplatz vorbeikommen, wo tatsächlich noch jemand im Wärterhäuschen sitzt. Das Preisschild läßt 8 Türkische Lira für 24 Stunden erahnen und der Wächter ist sehr nett. 2 Minuten später läuft auch schon unser Duschwasser quer über den Parkplatz und der Mond schimmert in der Riesenpfütze. Endlich im Bett. Morgen wollen wir uns Istanbul ansehen. Den Parkplatz habe ich für’s nächste Mal gleich als Favoriten gespeichert…

Durch Rumänien bis zum Saufstrand

Heute sind wir mal wieder um 7 Uhr aufgestanden und essen gerade Schmalzbrot mit rohen Zwiebelringen. Dies dient der Anpassung an Land und Leute. Jetzt soll es endlich in die Berge gehen… Ich hoffe auf ein paar vernünftige Bilder… aufgehende Sonne, viel Morgennebel… usw. Fotografenträume.

nebel

Als wir oben ankommen gibt es keinen Nebel mehr, aber Sonne. Ich mache ein paar Fotos, aber irgendwie stört mich der fette Strommast mitten im Tal. Wir fahren weiter zu einem kleinen See, wo Pawel spontan sein Tauchzeug aus dem Bus holt und für eine Viertelstunde abtaucht. Der See sei ziemlich kahl und leer, sagt er.

tauchen

nix

Rumänien hat hier wirklich ein paar sehr schöne Berge, aber leider stört der Mensch. Eigentlich sind es Müllberge, verziert mit brennenden Müllhaufen am Straßenrand und grotesken, geschmacklosen Betonbauten. Da kann mir keiner erzählen, das sei der Kommunismus gewesen – das war einfach der Mensch ohne Sinn und Verstand. Ich habe irgendwie keinen Spaß mehr an Rumänien und will nur noch Richtung Kaukasus. Es ist bereits nach Mittag, als wir endlich den verdreckten Touristenbergen (Ich bin mir sicher, dass Rumänien auch das Gegenteil zu bieten hat!) entkommen und Richtung Bukarest rollen.

Auf der Fahrt überlege ich, ob ich dem Land mit dieser negativen Sicht Unrecht tue… Wenn ich mich so umschaue, sind nicht nur die Berge verdreckt. Überall liegen Müll, Schrott und Autowracks herum. Gefahren wird generell voll am Limit und gefährlicher als gefährlich, sodass man sich fragt, ob die Hitze hier irgendwelche gehirnschädigenden Einflüße auf Autofahrer hat. Eben springt vor uns ein kleines Kind in den Straßengraben, als drei Autos nebeneinander mit 90km/h durch ein Dorf brettern. Eine Ecke weiter biegt eine Gruppe Gänse in einen Seitenweg ein – eigentlich ein wahres Wunder, dass man sie nicht im Fotoalbum umhertragen muss…
Wahrscheinlich sind die Menschen hier aber eigentlich alle ganz toll, aber äußere und innere Einflüße außerhalb ihrer Kontrolle sind für das alles verantwortlich… – dann mache ich hier natürlich wirklich alles schlechter als es ist. Der Beweis dürfte allerdings noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Immerhin, auf Landstraßen habe ich mehrfach gesehen, dass Fahrradfahrer freiwillig in gelben Warnwesten ihre Schlangenlinien auf den weißen Straßenbegrenzungslinien vollführen.

Auf dem Weg nach Constanta, unweit der Hauptstadt Bukarest kommen wir direkt an einem Gefängnis oder Arbeitslager vorbei. Es besteht aus voll vergitterten Flachbauten in erbärmlichem Zustand und einem Hof voll mit Wracks von Gefangenentransportern. Das Ganze ist von einem meterhohen, rostbraunen Stacheldrahtzaun mit Wachtürmen in 50m Abstand umrahmt. Auf den Türmen, und zwar auf wirklich allen, sitzen tatsächlich Wachposten. Manche sonnen sich mit hochgelegten Beinen, andere lesen oder sitzen stoisch in die Gegend schauend ihre Zeit ab. Bewachen tun sie in dieser brachialen Hitze eine erbärmliche Rostruine, in welcher hoffentlich keine Lebenwesen ihr Dasein fristen – es muß die Hölle sein.

An der Straße steht ein Betonlaster und kippt die Reste seiner Fracht munter in das staubgraue Gras des Seitenstreifens. Überall springen streunende Hunde bellend auf die Straße, um dann erst kurz vor dem Zusammenprall mit einem herannahenden Auto wieder von dieser zu weichen. Der eine war wohl schon etwas älter und der alte Dacia eben etwas schnell… jedenfalls flog er plötzlich zur Seite und rennt jetzt jaulend auf drei Beinen an der Straße entlang.

Plötzlich muß ich über die Warnschilder für Spurrillen zu Hause lachen. Hier gibt es solcher Schilder nicht, aber wir stehen ungelogen in 20cm tiefen Spurrillen. Wir sind sozusagen tief beeindruckt. Leise rastet die Zentralverriegelung ein, als zwei zwielichtige Gestalten an einer Kreuzung mit allerlei zusammengewürfelten Verkaufsgegenständen auf unser Auto zulaufen…

spurrillen

Während auf der rechten Seite das Gelände der Firma Dumaley Stalingrad auftaucht, erstreckt sich links eine riesenhafte Mülldeponie. Der Dreck wabert in Fetzen durch die Luft, es stinkt unbescheiblich, und an der Straße stehen tatsächlich Anhalter in Hemd und Krawatte. Über CB-Funk röhrt ein langgestrecktes Wuaaaaahhhrghl durch den Bus – was für ein Moloch. Endlich erreichen wir die Autobahn A2 nach Constanta und das TomTom zeigt wie immer unnamed road.

Die Autobahn führt erst durch üble Industrieruinen, doch je weiter wir von Bukarest wegkommen, desto angenehmer wird es. Rechts tauchen ein paar über und über mit Seerosen bewachsene Tümpel auf und in einem Flußbett sitzt ein alter Mann bei deinen Schafen. Ein schwarzes Pferd steht auch dabei – fast wie im Film. Die Sonne steht schon tief und alles leuchtet in gelblichem hellbraun. Wir rollen mit gemütlichen 85km/h dem nächsten Moloch entgegen. Ich sehe zu, wie die Schatten der Strommasten doppelt so lang werden wie die Masten hoch sind… endlich wieder Strecke, endlich kommen wir weiter.

Das Land ist wie gebügelt, die Straße auch. Felder, Felder, Felder – so weit das Auge reicht. Die Sonne ist nich nicht ganz weg, aber der Mond ist schon da. Wiesiek macht etwas zu essen, während wie weiter in Richtung Schwarzes Meer rollen. Kurz vor der Donau hat die Autobahn plötzlich Leitplanken, Blendschutz und sogar einen (noch geschlossenen) Rastplatz – man merkt sofort, dass man auf einem EU-Projekt fährt… Im Dunkel rollen wir an der Küste entlang und suchen nach einem Stellplatz für die Nacht. Irgendjemand schickt uns in eine Seitenstraße, dort könne man auf dem Strand stehen. Den Namen des Ortes werde ich nie vergessen: Vama Veche.

Auf nach Transsilvanien

Um halb 6 steht der Erste auf und auch ich kriege keinen Schlaf mehr. Die aufgehende Sonne und der Dunst über dem See versprechen ein paar gute Bilder für die Videokamera, doch ich komme mit der wackeligen Zoomtaste absolut nicht klar. Nach 5 Minuten ist auch noch der Akku alle und so werfe ich den ganzen Rassel entnervt zurück in den Bus, um mich in Zukunft auf Standbilder zu beschränken.

see

Das GPS ist wieder scharfgeschalten und wir wollen gegen 8 langsam Richtung Rumänien. Heute sollten wir möglichst viel von Transsilvanien hinter uns lassen. Erstes Ziel: Alba Iulia.

Wir sind immer noch nicht weg. Pawel und Eugenius entpacken eine große Reisetasche, welche Pawel von einer Bekannten in Warschau für deren Ehemann in Georgien mitgenommen hat. Wir sind uns nicht ganz sicher ob darin eventuell Drogen oder Waffen versteckt sind, da der Mann unter mysteriösen Umständen Warschau verlassen mußte. Die Frau soll aber ganz in Ordnung sein. Er wohl auch – werden wir bald sehen. Die Tasche war übrigens sauber.

syncro sonne

An der ungarisch-rumänischen Grenze kaufen wir für 5 EUR eine Monatsvignette und fahren weiter. Bald passieren wir kilometerlange Industriebrachen, welche komplett mit ihren unzähligen Rohren, Fenstern und Wänden in rostrotes Braun getaucht sind. Kinder klettern auf alten Fernwärmeleitungen über einen nahegelegenen Fluß und springen ins Wasser. Schon nach wenigen Kilometern ist nur noch die Hauptstraße asphaltiert, während sich auf staubigen Seitenstraße unzählige Dorfköter tummeln. Neben der Straße sitzt ein Mann vor seinem Gartentor und zählt Geld. Es sieht so aus, als würde er hier den Wegenzoll für Fußgänger auf dem nicht vorhandenen Bürgersteig kassieren. Anderswo verkauft man Weintrauben und Blumen an der Straße…

Architektonisch steckt in vielen Kleinstädten großes Potential, was im Vergleich zu Ungarn jedoch noch nicht richtig genutzt wird. Es gibt Unmengen wunderschöner, alter Häuser mit Verzierungen, aber für solche Spielereien fehlt hier natürlich das Geld. In fensterlosen Hausruinen hängen Wäscheleinen und eine Katze leckt sich auf dem Rest eines Fenstersims’ majestätisch die Pfötchen.

Vorbei geht es an einer verlassenen Tankstelle, in welcher jetzt Pferde im Schatten grasen und wir erreichen endlich die offene Landstraße. Die Landschaft würd man wohl gemeinhin als Pampa bezeichnen – mittendrin ein Abfüllwerk von CocaCola. Auf den Dörfern wirken viele Häuser eher verfallen, jedoch gab es auch einen Typ Steinhaus, welcher richtig hrausgeputzt war. Alle im gleichen Stil, alle mit kontrastreich umrahmten Fenstern und buntem Zaun davor. Heute ist Sonntag und wir treffen viele Menschen in traditioneller Kleidung auf der Straße – das Ganze erscheint in dieser Gegend so unwirklich…

stop

Die Straße führt an einem großen Stausee vorbei, an dessen Ufer man Familien beim Picknick sieht. Die anderen Autofahrer sind unterwegs wie die Henker. Auf der Straße drängeln sich behaarte Fahrradfahrer in zu engen, roten Turnhosen, Pferdefuhrwerke, Dacias Baujahr 1977, Rumänen in Westautos mit kaputtem Bremspedal, wir und diverse andere Verrückte. Man weicht nicht selten dem plötzlich zweispurig entgegenkommendem Verkehr auf den Sandstreifen neben der Straße aus. Im Radio plärrt: “Do you feel the same… blabla… eteerniityyyy…”. Rumänien ist total geil.

beton

Unterwegs halten wir in einem der zahlreichen Hauptstraße+Staubstraße-Dörfern an, um Wasser zu tanken. Wir treffen eine Frau, welche uns durch den Gartenzaun beobachtet während sie mit einer Rolle ihren Eimer in den Brunnen hinabläßt um Wasser zu holen. Sie fängt an mit uns zu reden, doch wir verstehen nichts. Sie findet das alles ganz wunderbar und läßt uns in ihren Garten, holt uns eimerweise Wasser aus dem Brunnen und redet und redet über Gott und die Welt, und wir verstehen nichts. Das Ganze geschieht so freundlich und selbstverständlich, dass wir uns wundern was denn hier wohl geraucht wird. Aber nein, die Frau ist echt. Nach dem 11. Eimer Wasser sind wirklich alle Kanister voll und wir wollen weiter. Ich glaube sie wünscht uns viel Glück… und Gottes Segen war auch dabei. Wir schenken ihr eine Tafel Schokolade und ziehen verdattert von dannen.

Später fahren wir durch Cluj na poca. Es gibt einen Trolleybus wie in vielen Städten des ehemaligen Warschauer Paktes, und, abgesehen von Werbeplakatewald am Stadteingang und dem Protzbau des Studentischen Kulturklubs, viel alte Architektur, die an die Gassen des alten Stadtkerns von Moskau erinnert. Wir fahren langsam ziemlich rumänisch, als wir auf einem großen Platz vor der Banca Transilvania urplötzlich im rechten Winkel und quer über 3 Spuren rechts abbiegen. Ich glaube es hat nicht einmal jemand gehupt. Als wir endlich aus der Stadt finden, wünscht uns eine Lichterkette über der Straße ein fröhliches Jahr 2002.

Über Turda geht es weiter Richtung Alba Iulia. Die Landschaft wird hügeliger und schon müssen wir öfter mit Heizung fahren, weil Piotrs Turbomotor trotz Ladeluftkühler viel zu warm wird. Wie soll das erst im Kaukasus werden? Der extra angebrachte Steinschlagschutz in Forum dicker Blechgitter vor dem Kühler fliegt wohl spätestens hinter Istanbul wieder raus…

Hinter Turda kommen wir durch ein Dorf mit niedlichen, kleinen Häuschen. Davor stehen Pferdefuhrwerke und fast rechtwinklige Mütterchen verkaufen Zwiebelzöpfe und Birnen. 100m nach dem Ortsausgang schlägt uns die Zivilisation wieder voll ins Gesicht: 10m2 Werbetafeln für den neuen VW Touareg. Hier. Ich kann es nicht fassen. Ein Dorf später das gleiche Bild, nur mit dem neuen Pajero. Es ist unglaublich…

Kurz vor Alba Iulia begrüßen einen plötzlich deutsche Ortseingangsschilder mit Namen wie Srassburg am Mierisch – ob hier wirklich noch jemand Deutsch spricht? Im Ort selbst gibt es viele alte Häuser und sogar eine Burg, jedoch kann ich außer einer Raiffeisenbank und einer Allianzfiliale auf die Schnelle keine deutschen Spuren entdecken.

In anderen Dörfern liegen die Gasleitungen vor den Gärten direkt auf dem Bürgersteig – an einer Hauptstraße. Bei Toreinfahren wird die Leitung einfach mittels 4 rechten Winkeln freitragend in genügender Höhe über die Einfahrt verlegt, um dann sofort wieder in 30cm Höhe über dem Bürgersteig zum nächsten Grundstück zu schlängeln. Man fragt sich insgeheim, ob bei einem Autounfall nur ein einzelnes Haus oder gleich die ganze Straße explodieren würde…

rep

Nachdem wir einen Kurzschluß im Thermoschalter vom Kühler an Pawels Bus und die Wasserpumpe des Küchenblocks bei unserem repariert haben, gibt es Spaghetti à la wenig Zeit. Jetzt kämpfen wir uns kurz hinter Sibiu auf der Straße 7C in die Berge. Wir befinden uns jetzt auf 500m Höhe und werden laut Karte schon in wenigen Kilometern die 1000er Marke überfahren. Oben wollen wir dann schlafen – wird wenigstens nicht so heiß!

Pustekuchen, es wird schon dunkel. Wir sehen neben der Straße ein paar Dacias stehen und finden alsbald eine nette Wiese an einem Bergbach, welche offensichtlich schon von anderen zum Campen benutzt wurde. Mittlerweile ist die Sonne wirklich ganz weg und so suchen wir mit Taschenlampen im feuchten Unterholz des nahegelegenen Waldes nach Feuerholz um uns aufzuwärmen. Ich stelle mich mit meiner Waschtasche mitten in den Bergbach und freue mich über die neu erlangte Sauberkeit. Wiesek und ein paar andere folgen, aber nicht alle – zu kalt. Danach werden am Feuer noch eine Flasche Absolwent-Wodka und ein paar Club Mate geleert und wir fallen geschafft ins Bett. Mein viel zu warmer Schlafsack hat hier erstmals einen Sinn.

absolwent wodka

feuer

Need something?

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