bla bla von ТИАГРА

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Jaroslavl

Ja, wir haben es uns noch einmal angetan: Eine Busreise. Irgendwie muss man ja mal etwas von der Provinz sehen, also wieder mal mtit dem Bus 250km in den Norden. Begleitet von drei lustigen Damen, welche in Wasserflaschen Sprit mitführten um ihre Stimmung zu heben, fuhren wir 4 Stunden durch den Schnee. Zwischendurch einmal Pipi und schon waren wir da.

jaroslavl

Jaroslavl ist jetzt fast 1000 Jahre alt, und war früher (also sehr viel früher) ein bedeutender Sitz für allerlei Herrschaften, vorzugsweise kirchlicher. Man baute Kirchen, eine Uferpromenade und sogar die erste Straßenbahn Rußlands – sofern ich die Frau Reiseleiterin da richtig verstanden habe.

In den Sraßen sieht man wunderschöne alte Häuse, welche allesamt einfach nur verfallen. Besonderns beeindruckend fand ich den reich verzierten Sims über einer Eingangstür – sicher 3m breit und noch in gutem Zustand. Mit beeindruckender Genauigkeit hat man hier genau in die Mitte ein kinderschlittengroßes Loch in den Sims gehackt, und dort ein zeitgemäßig Werbeschild zum Friseursalon angebracht.

Überhaupt waren wir über den Geschmack im Jaroslavl Oblast begeistert. Schon Zar Peter I. (hoffentlich irre ich mich da nicht…) ließ eine recht nette Kirche aus roten Backsteinen bauen, teilweise sogar behauen, welche er allerdings zusammen mit einer Textilfabrik projektieren ließ. Was ist das Ergebnis? Heute steht die Kirche genau neben der häßlichen, stacheldrahtgekrönten Mauer eines riesigen Industriekomplexes und verfällt zusehends. Romantisch.

kirche

Eigentlich ist sie ja recht hübsch die Kirche, aber es interessiert niemanden so richtig.

behauen

Stolz erzählt die zugestiegende, einheimische Touristenführerin, dass bald die 1000-Jahrfeier bevorstünde und wie der Bürgermeister eine neue Kirchen bauen wird. Ah ja. Wir feiern Geschichte, bauen eine neue Kirche und lassen die Geschichte derweile verfallen. So sind sie. Ist ja vielleicht auuch nicht mehr nötig, denn die Kirche wurde schon genug geehrt, indem man sie auf dem 1000-Rubel-Schein verewigte.

Auch Jaroslavl ist in der Sowjetzeit nicht unbeschadet davon gekommen. Mitten im historischen Zentrum, gleich neben einer Kirche, gibt es seitdem eine dicken Kulturpalast, welcher mangels Geld natürlich komplett leer steht und die Stadt jährlichen Millionen von Rubeln für die bloße Erhaltung kostet. Naja, zum Trost gibt’s ja ne neue Kirche.

Wie üblich gibt es gegen Ende der Rundfahrt bei schweinekälte eine Stunde Freizeit. Der Bus mosert aber es wird durchgepeitscht. Alle abgeworfen und der Bus ist verschwunden. Im Hinterkopf die Namen der Cafés und Restaurants, welche uns die Reiseleiterin empfohlen hat. Wahrscheinlich alles Familienbetriebe.

Nach der 4-stündigen Rückreise schlafen wir schlagartig ein und sind uns sicher: Wir wissen jetzt genau über das Leben der Menschen außerhalb Moskaus Bescheid. Zufriedenheit macht sich breit.

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