Neulich waren wir auf dem Bücherflohmarkt. Auf dem Weg dahin sind mir gleich diese innovativen Ampeln aufgefallen, welche seit einiger Zeit überall aufgestellt zu werden scheinen. Auf der großen Anzeige werden die Sekunden bis zur nächsten Ampelumschaltung heruntergezählt. Sehr praktisch.

Der Büchermarkt selber befindet sich in einer Art Olympiastadion, wo Abends Konzerte stattfinden. Man bezahlt 10 Rubel Eintritt und kann dafür in den Gängen rund um den Kreis Bücher weiter unter Ladenpreis kaufen. Organisationsmäßig eher russisch, aber es macht Spaß! Gleich mal für 150 Rubel ein Reperaturhandbuch für meinen Bus gekauft – auf russisch. Fragt man sich wozu? Ganz einfach: Die Russische Variante hat deutlich mehr technische Zeichnungen und sogar Getriebequerschnitte samt Differentialsperren drin – angesichts der Bücherpreise in Deutschland, hätte ich es sogar als Witz mitgenommen…

Zurück im Wohnheim. Eigentlich gibt es nichts neues zu sagen, denn das Klolicht geht immer noch nicht. Morgen ist der letzte Tag mit Russischunterricht bei Olga und wir werden ihr ein kleines Abschiedsbuch überreichen… irgendwie schade, denn gerade jetzt bräuchte ich wohl noch einmal 4 Monate um die Sprache so einigermaßen sicher draufzukriegen. Andererseits bricht nach etwas 4 Monaten auch ein wenig das “Nase voll”-Gefühl über mich herein, denn die russische Art und Weise ist nicht unbedingt mit meiner kompatibel. Man kann sehr viel mit Toleranz und Kulturverständnis verstehen, aber ein Übermaß an sinnlosem Papierkrieg, Geldverschwendung, chronischer Unfähigkeit und “Wird schon werden”-Mentalität können es einem schon irgendwie vermasseln.
Klingt jetzt alles sehr hart, ist aber so. Eigentlich könnte man da stundenlang drüber schreiben, aber ich habe mittlerweile verstanden, dass man es genausogut seinlassen kann. Es muß alleine kommen. Selbst Russen sagen, dass sie sich das alles nicht erklären können, und verweisen auf den krassen Umbruch und die kurze Zeit. Wahrscheinlich dauert es einfach noch 50 Jahre. Zwischendurch fährt man noch 1 bis 2 mal den Karren an die Wand, schrammt am Bürgerkrieg vorbei und zahlt täglich an die Mafia, aber man muß wenigstens nicht seinem besoffenen Kumpel ein den Arsch treten oder entgegen aller Gewohnheit mal bei der Arbeit etwas nachdenken. Ja, ich weiß, Rußland besteht nicht aus ungelernten Wohnheimsbauarbeitern, und außerdem kommen die eh alle aus dem Kaukasus. Ich sag ja, man sollte gar nicht drüber diskutieren und es einfach rollen lassen… Irgendwie…







