bla bla von ТИАГРА

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Murmansk

Geweckt werden wir von einem sich nähernden Lada, welcher genau neben dem Bus zum Stehen kommt. Zwei Typen gehen zum Kofferraum und ziehen sich ersteinmal warme Sachen an, holen allerlei Gerät heraus und stapfen vondannen. Sie gehen zu einem entfernt liegenden Strommasten und ziehen irgendwas an den Drahtseilen der Abspannung herum. Der Sinn wird nicht ganz klar, aber die Sonne scheint – das ist die Hauptsache. Die Außentemperatur liegt bei 5°C doch die Sonne macht den Tag gleich viel wärmer.

Wir stehen auf halber Höhe eines felsigen Berges, auf welchen augenscheinlich ein steinbruchartiger Weg führt. Irgendwie haben wir in der Nacht durch Zufall die einzige halbwegs ebene Stelle erwischt. Weiter unten im Tal rauscht die M18, die Fabrik im Hintergrund füllt den wolkigen Himmel mit weiteren Schwaden. Die Piste muss ja irgendwo hingehen, also Allrad rein und los. Sanftes Geschaukel weicht alsbald einem Springen und Fallen, denn die Felsklunker werden kindskopfgroß und größer. Hier hat irgendeine Baumaschine den Felsen gebrochen und die Stücken werden vor allem scharfkantiger. Ich habe etwas Angst um die Reifen, denn durch ein temporäres monetäres Problem, fahren wir auf dieser Reise meine neuen Winterreifen zu Klump. Es wird steiler und hier und da geht ohne Sperre gar nichts mehr, weil man diagonal auf zwei Blöcken balanciert. Wir kommen nach oben und können auch nicht viel mehr sehen, schade eigentlich. Doch vielleicht kommt man ja noch weiter? Wir folgen dem, was wir für eine Spur etwas kleinerer Felsbrocken halten. Klonk hier, klonk da, wenn man sehr langsam kriecht, geht ja so einiges. Schon geht es wieder etwas bergab, als wir plötzlich vor einigen Kubikmetern unüberwindbarem Geröll knackend zum Stehen kommen. Jede Lenkradbewegung erzeugt ein mahlendes, knacksendes Geräusch unter den Reifen und ich kann die weißen Kratzspuren der scharfen Klötze auf den Reifenflanken erkennen. Rückwärts bergauf wäre hier der blanke Wahnsinn, da reißen wir uns sofort alles ab. Also umdrehen. Wir brauchen eine Stelle, an die der Bus quer passen würde. Also Aussteigen und alles genau ausloten. An der ersten Stelle kriege ich den Bus unter größten Qualen (Die Geräusche unter den Reifen…) fast quer, dann ist Schluß. Also wieder zurück, nächste Stelle. Hier klappt es nach 25-maligem Vor- und Zurückrangieren. Sarah steht draußen und springt immer von vorne nach hinten, damit ich nicht um einen Zentimeter in den nächsten Klotz rausche oder die halbe Karre aufschlitze. Eine Servolenkung ist ein großartiges Hilfsmittel, aber man kann damit auch wunderbar einfach einen Reifen töten, ohne es zu merken. Es ist wie, als würde man einen Fußball auf ein paar Messerklingen drücken und dann gewaltsam drehen. Dazu noch das Geräusch von mahlendem und knackendem Gestein… ein Traum, irgendwo vor Murmansk.
Als wir endlich wieder oben sind, fallen uns einige sehr scharfkantige Steine vom Herzen. Wir sind uns einig, hier liegenzubleiben oder sich gar irgendetwas kaputt zu fahren wäre einfach nur die gerechte Strafe für unsere Dämlichkeit gewesen.

150km vor Murmansk

Das Handy blinkt, SMS. Der Tag wird von einer Sekunde zur anderen beschissen. Zu Hause ist der Kater eingeschläfert worden. Äußerlich bin ich ganz ruhig, aber der Weg bergab zurück zur M18 ist doch die Scheisspiste vor dem Herrn. Was soll man dazu sagen – war besser so und überhaupt… trotzdem :( Ich vermisse ein Radio… jetzt könnte ich mir etwas aus Jon Lord’s “Sarabande” vorstellen. Nur ein paar Kilometer.

Wir fahren ja gerade durch den russischen Teil einer Gegend namens Lappland, als wie auf Bestellung ein verrostetes Hinweisschild einen Ort namens Laplandia an die M18 zaubert. Hier müssen wir natürlich raus, wer will schon am echten Lappland vorbeifahren? Kaum verlassen wir die M18, wandelt sich der Asphalt in eine unbeschreibliche Buckelpiste, welche wir nur langsam fahren können. Sind ja nur zwei Kilometer, also kein Problem. Im Nirgendwo kommen wir an einen Bahnübergang – und der blinkt! Schranken gibt es keine, aber wir kucken ersteinmal… es pfeifft und tatsächlich rauscht eine kleine Rangierlok an uns vorbei. Irre. Im völligen Nirgendwo steht menschliche Infrastrktur und sie funktioniert, einfach so. Die Piste wird besser, d.h. die Buckel werden länger und man kann mit knapp 50 unentwegt schaukelnd drüberbrennen. Jedes Mal, wenn wir tief in die Dämpfer sacken, gibt es ein hartes “klonk”. Da veränderliche Geräusche mein größter Feind sind, muss ich sofort anhalten und nachsehen. Die Sonne scheint kurz zwischen zwei Regenschauern, sodass ich mich direkt auf den Asphalt werfen kann. Der Blick dauert nur eine Sekunde, dann ist die Diagnose schon fertig. Gebrochene Stabistützen erkennt man ja fix. Wer braucht schon Stabilisatorstützen… Nach den Einschlägen auf den letzten Pisten eigentlich kein Wunder, also was soll’s. Mit einem Kabelbinder wird sie lose an die Spurstange gebunden, sodass sie beim Einfedern immer vor dem unteren Querlenker zu liegen kommt und nicht auf selbigem aufschlägt. Das Geräusch ist weg, beruhigt fahren wir weiter. Nach geschätzten 5km kommt immer noch kein Laplandia, und so drehen wir unverrichteter Dinge um. Nicht ganz: Die Tatsache, das Geräusch gefunden und unterbunden zu haben, stimmt wieder fröhlicher.

gebrochene Stabilisatorstütze

Direkt vor Murmansk verfahren wir uns ersteinmal, denn die M18 biegt irgendwann nach links ab, um weiter zur norwegischen Grenze an den Endpunkt des Kola-Highway zu gelangen. Murmansk selber liegt eigentlich unten direkt am Wasser einer ewig langen Trichtermündung, in anderen Ländern würde man wohl einfach Fjord sagen. Das Ufer ist eigentlich komplett mit rauchender Industrie, rostigen Hafenanlagen und sonstigem Zivilisationsunrat verbaut. Man kommt über einen kleinen Hügel und hat als ersten Eindruck der Stadt eben jenen. Schade. Mittlerweile zieht sich Murmansk auch weiter hoch in die Hügel und so kurven wir auf der Suche nach einem Supermarkt kreuz und quer, bergauf und bergab. Fährt man bergab, hat man einen schönen Blick über die Stadt und ihre verschiedenen Viertel. Auffällig sind viele umzäunte Gelände, welche alle irgendwie wichtig aber trotzdem trostlos und verlassen sind. Ein Gedicht aus Rost und Luft stellen 500 Blechgaragen dar, welche, sich gegenseitig stützend, das Regenwasser immer wieder zum nächsten Nachbarn leitend, mit der Mörtelkelle in eines der hügeligen Täler geschmiert worden zu sein scheinen. Solche Garagenviertel sind typisch in russischen Städten und beherbergen so manchen Schatz und Tüftler. Hier wird gesammelt, geschraubt und gelitten, gelacht, gesoffen und gestritten.

Murmansk

Wir wir so über einen der Hügel fahren, kommt uns ein Schild in die Quere: Severomorsk! Der Inbegriff der stolzen Polarmeerflottee der russischen Marine, speziell natürlich ihrer Atom-U-Boote. Mein Vater hatte uns schon am Telefon davor gewarnt. Hier soll das gehobene Wrack der Kursk liegen, hier gibt es mehr atomaren Dreck als man sich vorstellen möchte. Wir fühlen uns magisch angezogen und wollen ein Atom-U-Boot sehen, am Besten fotografieren. Bekloppte Touristen! Das mit dem Fotografieren ist schon nach 100m passé, da kommt nämlich das Schild. Das mit dem Sehen zögert sich noch eine Weile hinaus. Wir kommen an eine Art Grenzübergang und halten ersteinmal kurz an um das Treiben zu beobachten. Junge Kerle in viel zu großen Wattejacken – die Größenanpassung erfolgt einfach durch eine Falte auf dem Rücken, welche mit der Koppel zusammengehalten wird – stehen an Schranken und kontrollieren irgendwelche Papiere. Weiter rechts gibt es eine Spur für Busse und LKWs, welche gesondert abgefertig werden wollen. Eigentlich sieht alles ganz reibungslos aus, die meisten fahren nach einem kurzen Blick einfach weiter, genauso kommen welche aus der Zone auf unsere Seite. Sieht aus wie ein ganz normaler Durchgangsverkehr. Was soll schon groß passieren, fahren wir hin! Vorzuzeigen haben wir eigentlich nix, außer den Pässen. Wir werden kontrolliert und prompt wird uns erklärt, dass wir doch mal bitte zur Seiten fahren sollten. Die Pässe behält er gleich ein und trägt sie zur Seite in ein Büro. Wir sollen das Auto parken und dann nachkommen. Am Fenster erklärt mir ein Marineoffizier, dass hier eine gesperrte Zone sei, und er jetzt ersteinmal telefonieren müsse. Könnte so 20 Minuten dauern, sagt er auf meine Nachfrage. Das kann ja heiter werden. Wir gehen und warten am Bus. Immer wenn ich durch das Fenster schiele, telefoniert er. Dann schreibt er, dann telefoniert er wieder. Plötzlich steht ein jüngerer, blonder Marinemensch vor mir, übergibt mir die beiden Pässe und fragt in freundlichsten Worten, wer uns denn in der Stadt erwarten würde. Ich sage ihm, dass wir dort niemanden kennen und einfach nur so umherreisen. “Einfach so reisen” wiederholt er, lächelt, entschuldigt sich noch einmal und wünscht gute Weiterreise. So einfach ist das wohl nicht mit den U-Booten.

Severomorsk - ZIL

Es geht wieder zurück nach Murmansk, bergab voll gegen die Sonne um die Wette mit Marschrutkas und Trolleybussen (E-Busse mit Oberleitung…). Vorbei am Stadion, dem Bahnhof, ach, hier könnte man ja mal rechts abbiegen.

Bergab in Murmansk

Die Straßen werden sofort schmal, ab und zu ein altes Holzhaus und an den Laternen sehen wir die Werbung der örtlichen VW-Vertretung. Die Gegend wird immer unmoderner, verkommener doch die Schilder weisen beharrlich geradeaus. Ein, zwei ehemals sehr schöne Holzhäuser passieren wir, eine gammelige Fernwärmeleitung überquert die Straße. An ihr hängen auffällig bunte, nagelneue Poster, welche eine gute Reise wünschen. Ob die das VW-Autohaus bezahlt hat? Und richtig, hinter der nächsten Ecke ist die VW-Vertretung. Grauer Betonbau mit viel Glas, gleiches Design wie zu Hause, einfach reingeklatscht in diese völlig fremde Welt, direkt dem einfachen Volk vor die Haustür. Wirkt sehr komisch. Wir halten an einem kleinen Laden an, vielleicht können wir hier unsere Vorräte etwas auffrischen, bald wird es teuer in Norwegen. Der Laden ist wie viele russische Tante-Emma-Läden organisiert: Ringsherum eine Theke, dahinter ein paar Frauen, welche emsig die gewünschten Waren zusammensuchen und dann gegen Geld über die Theke reichen. Wenn wir hier alles einkaufen wollen, brauchen wir ja Stunden – man muss ja alles erklären! Von der Hälfte der Sachen weiß ich nicht mal die Bezeichnungen, nein, das wird heute nix. Wenigstens kaufen wir Zwiebeln, Knoblauch und Speiseöl, das kriege ich auf die Schnelle noch zusammen. Mit uns sind drei Kaukasier im Laden, die tütenweise Dosenbier einkaufen. Als wir wieder herauskommen sind wir drauf und dran, unsere restlichen Rubel dem vor der Tür wartenden Bettler in die Hand zu drücken – doch er ist verschwunden. Stattdessen begegnen wir einer Frau, barfüßig in Latschen (wir frieren derweil in Jacke und Schuhen!), nur mit einem Küchenkittel bekleidet redet sie auf einen der Kaukasier ein. Der soll noch einmal zurücklaufen und anderen Sprit besorgen, Bier täte es nicht. Der Kaukasier weiß aber genau was hier läuft und läßt sich nicht beirren. Sie ziehen davon und nach einigen unwirschen Blicken tapert auch diese traurige Gestalt davon. Offenbar ist sie dem ALkohol zum Opfer gefallen, stapft in der Kälte zum Laden um Nachschub zu holen, doch die Frauen im Laden verkaufen ihr nichts mehr, sie wissen nur zu gut, was der Alkohol für Auswirkungen hat. Es ist schlimm mit anzusehen, aber leider ein alltäglicher Anblick. Langsam rollen wir aus diesem Viertel, wieder unter den Fernwärmeleitungen hindurch, vorbei an einem verlassenen Betrieb für “mechanische Erzeugnisse”. Der Schriftzug und das Logo dieses sowjetischen Kombinates prangen noch oben auf dem Haus, doch der Rost hat auch sie längst eingeholt. Fast hätte ich von einem Relikt aus längst vergessenen Zeiten geschrieben, doch angesichts der Menge an Arbeitsplätzen, die mit der Schließung dieses Betriebes gestorben sind, wird diese Zeit hier wohl niemand so schnell vergessen. Nur manchmal vielleicht, wenn der Alkohol endlich seine Wirkung tut. Wieder vorbei am schönen Holzhaus geht es in Richtung Zentrum, ein komisches Gefühl, hier so einfach herausrollen zu können.

Holzhaus in Murmansk

Glückliche Reise

An der Hauptstraße findet sich recht schnell ein größerer Supermarkt – hier wollen wir so richtig aufziegeln, damit wir Norwegen wenigstens finanziell etwas abpuffern können. Brot, Milch, Saft, große Stücken Käse und viel Wurst werden zusammengesucht. An der Wursttheke ist die Frau etwas verwundert, als ich 20 Würstchen verlange. Das wird wohl nichts werden sagt sie, aber sie geht mal kucken. 16 hat sie gefunden, na gut, die nehme ich alle. Wieviel möchte ich von dem gekochten Schincken? Tja was weiß ich denn, ein dickes Stück eben? Da in der Ecke liegt etwas passendes, sie rutscht mit dem Messer darauf umher, bis ich “genug” sage. Sie empfiehlt mir noch eine andere Sorte, die nehmen wir auch gleich mit. Selbst hier in Rußland sind die Preise eigentlich jenseits von Gut und Böse. Zusätzlich merkt man noch, dass wir in Murmansk und nicht in Moskau sind, denn jegliches Obst und Gemüse wird in wahnwitzigen Kleinstmengen abgepackt und einzeln ausgepreist. Wir kaufen 10 Packungen mit je drei Mohrrüben. Am Ende gehen knapp 3000 Rubel in den Korb, irgendwie peinlich. Als wir wieder am Auto sind, kommt der Wachmann angelaufen: Wir haben unsere Bonuspunkte vergessen. Es ist doch nicht zu fassen, warum steckt er sie nicht selber ein? Wir hatten sie extra etwas auffällig liegen gelassen – vielleicht kann damit ja jemand etwas anfangen, aber nein, der gute Mann bringt sie uns hinterher. Sarah rennt noch einmal zurück und gibt sie dem erstbesten auf dem Bürgersteig. Der bedankt sich dafür ausführlich und wünscht Sarah irgendetwas Nettes.

Der Weg aus der Stadt wird heuzutage sehr vereinfacht, denn es gibt eine große Brücke auf die andere Seite des Fjords. Binnen 15 Sekunden hat man die komplette Stadt hinter sich gelassen und stößt auf der anderen Seite auf die M18, welche man vorher zugunsten der Stadt hatte links liegen lassen. Auf der Suche nach der Brückenzufahrt kommen wir nicht umhin, am Ortseingangsschild des Vorortes Kola noch ein Bild zu machen. Eine olle Schnepfe auf hohen Absätzen meckert uns voll, warum wir denn hier fotografieren würden und rennt geradewegs zu einem kleinen Wachhäuschen. Haben wir hier einen wachsamen Bürger aufgeschreckt? Bloß schnell weg hier, bevor die Tante irgendwelche Pferde scheu macht.

Kola

Wir müssen jetzt ersteinmal dringend etwas essen, also halten wir auf einem Feld um zu kochen. Es ist schon empfindlich kalt, sodass die Standheizung läuft, während ich draußen den Dastan starte. Wie immer werden es zu viele Nudeln, sodass wir hinterher völlig geplättet in den Sitzen hängen. Wir könnten ja heute Nacht ganz oben auf der nördlichsten Halbinsel schlafen denken wir uns, mal sehen was daraus wird. Es ist bereits kurz nach 8, als wir kurz vor dem Abzweig nach Norden von einer Straßensperre aufgehalten werden. Hier steckt ein gecrashter Lada auf einem Pfahl, als Mahnmal für Raser, wie mir der Polizist erklärt. Eigentlich ist es kein Polizist, sondern ein Soldat. Die ganze Gegend ist dermaßen Armee-verseucht, wie man es sich kaum vorstellen kann. Zuerst fragt er nur unfreundlich nach unseren Papieren, doch als ich ihm auf russisch antworte, erhellt sich sein Gesicht. Blöde Touris, aber mit denen kann man wenigstens reden und ein lustiges Auto haben sie auch. Er kuckt sich alles ganz genau an, und spätestens als er sein Handy herausholt um sich auch den Innenraum genau anzusehen wird klar, dass hier mehr sein privates Interesse verfolgt wird. Auch gut, solche Kontrollen laufen eigentlich immer schmerzfrei ab. Dass wir nach Norgwegen wollen stört ihn, denn die Grenze hat angeblich nur bis 21 Uhr offen, das schaffen wir ja nie – wo wir denn dann bleiben würden? Ich erkläre ihm, dass wir ja erst morgen zur Grenze fahren würden, denn heute wollen wir noch auf die Halbinsel. Ahh die Halbinsel, da gäbe es aber zwei, die Rybachi und die Srednii, welche denn genau? Na also eigentlich die ganz oben, die Rybachi. Er lächelt, als wüßte er schon was vor uns ist. Na gut, ob wir denn den Weg wüßten? Er zeigt und erklärt, alles ganz einfach und öffnet die Schranke. Sehr netter Mann.

Gleich hinter dem Kontrollposten geht es nach rechts in die Pampa, laut Karte würde man hier in Richtung Straße nicht viel erwarten, und so werden wir auch nicht enttäuscht. Nach kurzer Zeit ist der löchrige Asphalt verschwunden und der Weg wird zur Piste der übelsten Sorte. Mehr als Schrittgeschwindigkeit ist absolut nicht drin, die ganze Karre scheppert. Das Navi weiß natürlich nicht wo wir sind, aber so grobe Luftlinie sind es noch 64km bis zum Kap. Vater mach’ Licht, ob wir das überleben? Endlos langsam zählen die verbleibenden Kilometer nach unten. Ein, zwei andere Autos kommen uns entgegen, hier direkt am Fluß scheinen einige zu angeln. Ein verwittertes Schild verweist auf irgendeinen Fischereibetrieb, aber davon ist nichts mehr zu erkennen. Die Piste wird einsam, also wir uns höher über einen Hügel Richtung Norden kämpfen. Es wird steinig und schlammig, links und rechts sind Tümpel und ab und zu auch mal ein netter Abhang. Als der Hügel überwunden ist, kommen wir endlich herunter zur Küste der Srednii-Halbinsel. Der Kilometerzähler steht bei 25 und es ist fast Mitternacht. Die Piste wird etwas besser, aber ich habe schon lange den Schacht gestrichen voll. Wir wollen zum Wasser und dort einen Schlafplatz suchen, doch das scheint gar nicht so einfach zu sein. Der erste Versuch scheitert auf einem steinigen Strand, welcher komplett mit Stacheldraht und Holzkreuzen versehen ist – was ist denn hier los? Bloß weg hier. Wir finden einen Weg, der an einer offenbar lange verlassenen Anstregung zum Bau eines Anlegers endet und stellen endlich den Motor ab. Es ist verdammt feucht draußen und die allzu nötige Standheizung macht das Rauschen des Meeres kaputt, aber das ist uns jetzt alles egal. Augen zu und weg.

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