bla bla von ТИАГРА

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Doppelt hält besser… Nun auch alles bei youtube

Wir haben unsere Videos nun auch bei youtube hochgeladen, abonniert unseren Kanal, um über die nächsten Videos benachrichtigt zu werden:
Der Tigerbus-Kanal

Here are the links to the individual clips:
Trailer – The plan
Part 1 – Preparations and leaving Berlin
Part 2 – Orient Express or from Berlin to Istanbul in 4 days
Part 3 – Getriebeschaden-City or how to repair a Tigerbus”
Part 4 – The son of god or how to cross Iran in a tigerstriped van

Oder als komplette Playlist:
Alle Tigerbus Videos bei youtube

….und wie immer: Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare von euch!

tiger2asia video – Teil 2 veröffentlicht!

Wir präsentieren: Stefan Henning von east system music hat Video Teil 2 zum tiger2asia-Projekt fertiggestellt! Danke…

Viel Spaß!

tiger2asia Kick-off-Video-Trailer!

In den letzten Tagen ist Dank Stefan Henning von east system music der Auftakt-Trailer zum tiger2asia-Projekt entstanden.

Kurze, spritzige Vorstellung des Projektes, den Zeitdruck und den immensen Vorbereitungsaufwand widerspiegelnd :) Viel Spaß!

tiger2asia 2011/12 – Tigerbus on tour – Trailer from Tiger Bus on Vimeo.

Auf nach Transsilvanien

Um halb 6 steht der Erste auf und auch ich kriege keinen Schlaf mehr. Die aufgehende Sonne und der Dunst über dem See versprechen ein paar gute Bilder für die Videokamera, doch ich komme mit der wackeligen Zoomtaste absolut nicht klar. Nach 5 Minuten ist auch noch der Akku alle und so werfe ich den ganzen Rassel entnervt zurück in den Bus, um mich in Zukunft auf Standbilder zu beschränken.

see

Das GPS ist wieder scharfgeschalten und wir wollen gegen 8 langsam Richtung Rumänien. Heute sollten wir möglichst viel von Transsilvanien hinter uns lassen. Erstes Ziel: Alba Iulia.

Wir sind immer noch nicht weg. Pawel und Eugenius entpacken eine große Reisetasche, welche Pawel von einer Bekannten in Warschau für deren Ehemann in Georgien mitgenommen hat. Wir sind uns nicht ganz sicher ob darin eventuell Drogen oder Waffen versteckt sind, da der Mann unter mysteriösen Umständen Warschau verlassen mußte. Die Frau soll aber ganz in Ordnung sein. Er wohl auch – werden wir bald sehen. Die Tasche war übrigens sauber.

syncro sonne

An der ungarisch-rumänischen Grenze kaufen wir für 5 EUR eine Monatsvignette und fahren weiter. Bald passieren wir kilometerlange Industriebrachen, welche komplett mit ihren unzähligen Rohren, Fenstern und Wänden in rostrotes Braun getaucht sind. Kinder klettern auf alten Fernwärmeleitungen über einen nahegelegenen Fluß und springen ins Wasser. Schon nach wenigen Kilometern ist nur noch die Hauptstraße asphaltiert, während sich auf staubigen Seitenstraße unzählige Dorfköter tummeln. Neben der Straße sitzt ein Mann vor seinem Gartentor und zählt Geld. Es sieht so aus, als würde er hier den Wegenzoll für Fußgänger auf dem nicht vorhandenen Bürgersteig kassieren. Anderswo verkauft man Weintrauben und Blumen an der Straße…

Architektonisch steckt in vielen Kleinstädten großes Potential, was im Vergleich zu Ungarn jedoch noch nicht richtig genutzt wird. Es gibt Unmengen wunderschöner, alter Häuser mit Verzierungen, aber für solche Spielereien fehlt hier natürlich das Geld. In fensterlosen Hausruinen hängen Wäscheleinen und eine Katze leckt sich auf dem Rest eines Fenstersims’ majestätisch die Pfötchen.

Vorbei geht es an einer verlassenen Tankstelle, in welcher jetzt Pferde im Schatten grasen und wir erreichen endlich die offene Landstraße. Die Landschaft würd man wohl gemeinhin als Pampa bezeichnen – mittendrin ein Abfüllwerk von CocaCola. Auf den Dörfern wirken viele Häuser eher verfallen, jedoch gab es auch einen Typ Steinhaus, welcher richtig hrausgeputzt war. Alle im gleichen Stil, alle mit kontrastreich umrahmten Fenstern und buntem Zaun davor. Heute ist Sonntag und wir treffen viele Menschen in traditioneller Kleidung auf der Straße – das Ganze erscheint in dieser Gegend so unwirklich…

stop

Die Straße führt an einem großen Stausee vorbei, an dessen Ufer man Familien beim Picknick sieht. Die anderen Autofahrer sind unterwegs wie die Henker. Auf der Straße drängeln sich behaarte Fahrradfahrer in zu engen, roten Turnhosen, Pferdefuhrwerke, Dacias Baujahr 1977, Rumänen in Westautos mit kaputtem Bremspedal, wir und diverse andere Verrückte. Man weicht nicht selten dem plötzlich zweispurig entgegenkommendem Verkehr auf den Sandstreifen neben der Straße aus. Im Radio plärrt: “Do you feel the same… blabla… eteerniityyyy…”. Rumänien ist total geil.

beton

Unterwegs halten wir in einem der zahlreichen Hauptstraße+Staubstraße-Dörfern an, um Wasser zu tanken. Wir treffen eine Frau, welche uns durch den Gartenzaun beobachtet während sie mit einer Rolle ihren Eimer in den Brunnen hinabläßt um Wasser zu holen. Sie fängt an mit uns zu reden, doch wir verstehen nichts. Sie findet das alles ganz wunderbar und läßt uns in ihren Garten, holt uns eimerweise Wasser aus dem Brunnen und redet und redet über Gott und die Welt, und wir verstehen nichts. Das Ganze geschieht so freundlich und selbstverständlich, dass wir uns wundern was denn hier wohl geraucht wird. Aber nein, die Frau ist echt. Nach dem 11. Eimer Wasser sind wirklich alle Kanister voll und wir wollen weiter. Ich glaube sie wünscht uns viel Glück… und Gottes Segen war auch dabei. Wir schenken ihr eine Tafel Schokolade und ziehen verdattert von dannen.

Später fahren wir durch Cluj na poca. Es gibt einen Trolleybus wie in vielen Städten des ehemaligen Warschauer Paktes, und, abgesehen von Werbeplakatewald am Stadteingang und dem Protzbau des Studentischen Kulturklubs, viel alte Architektur, die an die Gassen des alten Stadtkerns von Moskau erinnert. Wir fahren langsam ziemlich rumänisch, als wir auf einem großen Platz vor der Banca Transilvania urplötzlich im rechten Winkel und quer über 3 Spuren rechts abbiegen. Ich glaube es hat nicht einmal jemand gehupt. Als wir endlich aus der Stadt finden, wünscht uns eine Lichterkette über der Straße ein fröhliches Jahr 2002.

Über Turda geht es weiter Richtung Alba Iulia. Die Landschaft wird hügeliger und schon müssen wir öfter mit Heizung fahren, weil Piotrs Turbomotor trotz Ladeluftkühler viel zu warm wird. Wie soll das erst im Kaukasus werden? Der extra angebrachte Steinschlagschutz in Forum dicker Blechgitter vor dem Kühler fliegt wohl spätestens hinter Istanbul wieder raus…

Hinter Turda kommen wir durch ein Dorf mit niedlichen, kleinen Häuschen. Davor stehen Pferdefuhrwerke und fast rechtwinklige Mütterchen verkaufen Zwiebelzöpfe und Birnen. 100m nach dem Ortsausgang schlägt uns die Zivilisation wieder voll ins Gesicht: 10m2 Werbetafeln für den neuen VW Touareg. Hier. Ich kann es nicht fassen. Ein Dorf später das gleiche Bild, nur mit dem neuen Pajero. Es ist unglaublich…

Kurz vor Alba Iulia begrüßen einen plötzlich deutsche Ortseingangsschilder mit Namen wie Srassburg am Mierisch – ob hier wirklich noch jemand Deutsch spricht? Im Ort selbst gibt es viele alte Häuser und sogar eine Burg, jedoch kann ich außer einer Raiffeisenbank und einer Allianzfiliale auf die Schnelle keine deutschen Spuren entdecken.

In anderen Dörfern liegen die Gasleitungen vor den Gärten direkt auf dem Bürgersteig – an einer Hauptstraße. Bei Toreinfahren wird die Leitung einfach mittels 4 rechten Winkeln freitragend in genügender Höhe über die Einfahrt verlegt, um dann sofort wieder in 30cm Höhe über dem Bürgersteig zum nächsten Grundstück zu schlängeln. Man fragt sich insgeheim, ob bei einem Autounfall nur ein einzelnes Haus oder gleich die ganze Straße explodieren würde…

rep

Nachdem wir einen Kurzschluß im Thermoschalter vom Kühler an Pawels Bus und die Wasserpumpe des Küchenblocks bei unserem repariert haben, gibt es Spaghetti à la wenig Zeit. Jetzt kämpfen wir uns kurz hinter Sibiu auf der Straße 7C in die Berge. Wir befinden uns jetzt auf 500m Höhe und werden laut Karte schon in wenigen Kilometern die 1000er Marke überfahren. Oben wollen wir dann schlafen – wird wenigstens nicht so heiß!

Pustekuchen, es wird schon dunkel. Wir sehen neben der Straße ein paar Dacias stehen und finden alsbald eine nette Wiese an einem Bergbach, welche offensichtlich schon von anderen zum Campen benutzt wurde. Mittlerweile ist die Sonne wirklich ganz weg und so suchen wir mit Taschenlampen im feuchten Unterholz des nahegelegenen Waldes nach Feuerholz um uns aufzuwärmen. Ich stelle mich mit meiner Waschtasche mitten in den Bergbach und freue mich über die neu erlangte Sauberkeit. Wiesek und ein paar andere folgen, aber nicht alle – zu kalt. Danach werden am Feuer noch eine Flasche Absolwent-Wodka und ein paar Club Mate geleert und wir fallen geschafft ins Bett. Mein viel zu warmer Schlafsack hat hier erstmals einen Sinn.

absolwent wodka

feuer

Es geht los (endlich)

Es ist 6:30 Uhr, als Piotr in mein Zimmer rennt, um mich aus dem Bett zu werfen. Pawel, Dominik, Eugenius und Anja sind nur noch 1km entfernt und werden gleich hier aufschlagen. Alle rennen aus dem Haus und 2 Minuten später trifft erstmals die gesamte Expeditionsbesatzung aufeinander. Pawels Bus hat immer noch keine Temperaturprobleme und Dominik schläft, weil er die ganze Nacht als DJ gearbeitet/getrunken hat. Anja wird als einzige Frau für den Frieden auf der Reise sorgen – hoffentlich :)

Bei Tageslicht sehe ich endlich mehr von den Entenküken, welche sich dekorativ im Tau benetzten Gras am Ufer des kleinen Sees niedergelassen haben. Wir kippen hastig Tee herunter, als schon die ersten Tränen fließen. Die Busse sind schwer bepackt und werden für die Eröffnungsszene unseres Films aus der Garage gefahren, was jedoch gründlich schief geht: Die Kamera steht zu dicht dran. Wir machen noch ein Abschiedsfoto und rollen endlich vom Hof. Plötzlich ist sämtliche Hektik verschwunden und wir rollen gemütlich auf der Landstraße gen Süden.

abschied

Die Aufzeichung des GPS-Tracks scheint zu funktionieren, und ich schaue verträumt auf das entstehende Höhenprofil. Ab jetzt muß ich alle 50km einen Wegpunkt in das kleine Heftchen schreiben, damit ich abends genug Material für Stefan habe. Pro SMS bekomme ich ca. 8 Koordinatenpaare zu ihm und ich kann/will nicht mehr als 2 SMS pro Tag dafür opfern.

tracking

Eben kommt noch eine SMS von Stefan: Die Karte funktioniert und der Track ist sichtbar! Ich bin begeistert, Stefan, Danke! :) Auch in Polen warten jetzt einige Daheimgebliebene allabendlich auf neue Positionsdaten, und so freuen sich alle über diese Nachricht. Piotr hat den Link zur Karte noch auf seine Webseite (www.syncro.pl) geschrieben, was ich in der Hektik nicht mehr geschafft habe…

Jetzt haben wir die ersten 220km auf der Uhr und halten noch einmal für einen letzten Einkauf. Wir essen unsere rote Tütesuppe und kucken blöd aus den Bussen – es regnet. Pawel gibt mir – zusätzlich zum CB-Funk – noch eine 2m-Handquetsche, damit wir wenigstens etwas Amateurfunk betreiben können. Tun wir einfach mal so, als wäre die ganze Welt ein CEPT-2-Land.

Polen lassen wir schnell hinter uns und stürzen uns in den Schilderdschungel der Slowakei. Hier hat sich seit mindestens 18 Jahren nichts verändert: Traue keiner Beschilderung (sofern überhaupt vorhanden)! Wir fahren x Mal im Kreis und müssen unterwegs etliche maximal 15-jährige, spärlich bekleidete Schönheiten nach dem Weg zur ungarischen Grenze fragen. 1km vor selbiger wissen wir immer noch nicht wo wir sind und das TomTom ist spätestens seit dem verlassen der befreundeten Volksrepublik Polen auch nur noch zur Kleinkindbelustigung geeignet. Wir treffen einen netten Ungarn und 10min später rollen wir über die Grenze.

street

Man merkt sofort einen großen Unterschied. Während man in der Slowakei im ärmsten Teil des Landes nur verfallene Häuser und lichte Gestalten in schrottreifen Autos sah (der Eindruck mag durch das letzte Zigeunerdorf direkt vor der Grenze geprägt/verfälscht worden sein…), ist Ungarn das blühende Leben. Wunderschöne Kleinstädte, ganze Alleen mit alter, aber nicht verkommener Architektur, Autos aus diesem Jahrtausend und nicht mehr so spärlich bekleidete Frauen – was natürlich allen sofort auffällt. Irgendeinen Nachteil muß Ungarn ja haben. Anja erklärt sofort, sie hätte bisher keine außergewöhnlichen Exemplare gesehen – allerhöchstens Durchschnitt. Pawel ist damit nicht ganz einverstanden, kann aber bei näherer Befragung durch Anja keine überzeugenden Argumente hervorbringen. Er wird still und weiß, dass er Recht hat.

Gegen 21 Uhr ist es schon ziemlich dunkel, als wir auf der Suche nach einem Schlafplatz links von der Straße abbiegen. Wir treffen auf ein paar andere Leute, die hier an einem kleinen See sitzen und angeln. Es gibt romantisch viele Mücken, aber dieser Platz soll es sein.

Nach dem Essen kontrolliere ich die GPS-Logs: Mit .zip bringen wir es auf ca. 2.3MB/Tag für ein komplettes NMEA-Log im Sekundentakt. Bin schon gespannt, wie unsere Slowakeiexpedition später auf der Karte aussehen wird.

Schlafen tun wir zu dritt auf 1.60m hinten im Bus. Zuerst ist es viel zu warm, und so schlafe ich erst nach 2h ein…

Need something?

VIDEO